Daimler Truck Aktie: Geteilte Einschätzungen
Zwischen wachsendem Indien-Geschäft, Streit um einen großen IT-Auftrag und Hoffnungen auf autonomes Fahren steht die Daimler-Truck-Aktie vor einer komplexen Gemengelage. Während operative Fortschritte in wichtigen Wachstumsmärkten sichtbar sind, sorgt der Konflikt mit einem zentralen IT-Dienstleister für Unsicherheit – ebenso wie stark auseinanderlaufende Analystenmeinungen. Wie ordnet sich das im aktuellen Kursbild ein?
Indien: Logistik als Effizienzhebel
Im strategisch wichtigen Markt Indien meldet Daimler Truck einen Ausbau der Logistikkooperation. Die Tochter Daimler India Commercial Vehicles (DICV) hat einen neuen Dreijahresvertrag mit TVS Supply Chain Solutions abgeschlossen.
Der Vertrag umfasst die komplette In-Plant-Lagerlogistik im Werk Oragadam bei Chennai. Rund 700 Mitarbeiter sollen dort den Materialfluss für die Lkw-Produktion organisieren und optimieren. Ziel ist es, die Produktionseffizienz in den asiatischen Kernmärkten weiter zu erhöhen und damit die Kostenbasis zu verbessern.
Wesentliche Punkte dieser Entwicklung:
- Dreijahresvertrag mit TVS Supply Chain Solutions in Indien
- Umfassende Steuerung der In-Plant-Lagerlogistik im Werk Oragadam
- Einsatz von rund 700 Mitarbeitern zur Sicherung des Materialflusses
- Fokus auf höhere Effizienz in den asiatischen Produktionsstandorten
Operativ stärkt dieser Schritt die Position im Wachstumsmarkt Indien und unterstützt die Fertigung für regionale und exportorientierte Modelle.
IT-Konflikt mit Infosys belastet
Deutlich kritischer ist die Lage auf der IT-Seite. Im Mittelpunkt steht ein schwelender Konflikt mit dem indischen Dienstleister Infosys. Berichten zufolge droht Daimler Truck der teilweise Verlust eines Auftrags mit einem Volumen von rund 150 Millionen US-Dollar.
Kern des Problems sind Verzögerungen und Abrechnungsstreitigkeiten im Bereich „Workplace Solutions“. Dieser Bereich umfasst die Beschaffung und Bereitstellung von IT-Hardware sowie Softwarelizenzen – also zentrale Bausteine für die digitale Arbeitsumgebung des Konzerns. Betroffen ist ein Großauftrag aus dem Jahr 2020, der ursprünglich die IT-Infrastruktur über mehrere Jahre stabil absichern sollte.
Die Auseinandersetzung birgt das Risiko, die operative Stabilität der digitalen Verwaltung zu beeinträchtigen. Noch laufen Verhandlungen über eine Lösung; ein endgültiges Ergebnis liegt nicht vor. Klar ist aber: Ein dauerhafter Bruch könnte zusätzliche Kosten und organisatorische Umstellungen nach sich ziehen.
Analysten weit auseinander
Die unklare Gemengelage spiegelt sich deutlich in den Analystenbewertungen wider. Institutionelle Häuser liegen mit ihren Kurszielen spürbar auseinander, obwohl der Kurs gestern mit 40,21 Euro nur leicht unter der 52-Wochen-Marke notierte und seit Jahresanfang rund 7 % zugelegt hat.
Die jüngsten markanten Einschätzungen:
- JPMorgan: „Overweight“ mit Kursziel 45 Euro
- Goldman Sachs: „Neutral“ mit Kursziel 37 Euro
- Bernstein Research: „Underperform“ mit Kursziel 30 Euro
Die Spanne von 30 bis 45 Euro zeigt, wie unterschiedlich das Chancen-Risiko-Profil eingeschätzt wird. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem die Frage, wie stark die zyklische Schwäche der Nutzfahrzeugbranche die Margen im laufenden Jahr drücken könnte.
Charttechnisch liegt der Kurs über wichtigen Durchschnittslinien: Der Schlusskurs von 40,21 Euro entspricht einem Abstand von gut 7 % zum 50-Tage-Durchschnitt (37,50 Euro) und rund 6 % zum 200-Tage-Durchschnitt (37,91 Euro). Gleichzeitig beträgt der Abstand zum 52-Wochen-Hoch bei 44,39 Euro knapp 9,5 %, während die Aktie deutlich über dem 52-Wochen-Tief von 31,15 Euro notiert. Der 14-Tage-RSI von 37,8 signalisiert noch keinen überkauften Zustand, passt aber zu einem Titel, der trotz jüngster Erholung Schwankungen ausgesetzt bleibt.
LiDAR-Technologie als strategische Option
Auf der technologischen Seite setzt Daimler Truck ein klares Signal Richtung autonomes Fahren. Der Technologiepartner Aeva hat bestätigt, dass die Serienproduktion der 4D-LiDAR-Sensoren für den Konzern planmäßig 2026 starten soll.
Diese Sensoren gelten als Schlüsselkomponente für hochautomatisiertes Fahren auf Level 4. Gerade im nordamerikanischen Markt, wo autonome Lkw-Konzepte intensiv vorangetrieben werden, verschafft die Integration dieser Technologie eine wichtige Ausgangsposition im Wettbewerb.
Für Daimler Truck bedeutet das:
- Bestätigung des Zeitplans für den Serienstart der 4D-LiDAR-Produktion
- Technologische Absicherung der Pläne für hochautomatisierte Lkw
- Stärkung der Wettbewerbsposition insbesondere in Nordamerika
Fazit: Zwischen operativer Stärke und IT-Risiko
Unter dem Strich prallen bei Daimler Truck derzeit gegensätzliche Entwicklungen aufeinander: Auf der einen Seite steht der Ausbau der Logistik in Indien und ein klar definierter Technologiepfad in Richtung autonomes Fahren. Auf der anderen Seite belasten der IT-Konflikt mit Infosys und die zyklische Unsicherheit in der Nutzfahrzeugbranche die Bewertung.
Der Kurs spiegelt diese gemischte Lage bisher nur teilweise wider: Mit einem Jahresplus von gut 7 %, einem Abstand von gut 29 % zum 52-Wochen-Tief und einer erhöhten 30-Tage-Volatilität von über 70 % bewegt sich die Aktie in einem Spannungsfeld aus Erholung und Schwankungsanfälligkeit. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird sein, ob es gelingt, den IT-Streit ohne größere operative Störungen zu lösen und gleichzeitig die Margen in einem schwierigen Marktumfeld stabil zu halten.
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