Die monatelange Übernahme-Fantasie erhält einen herben Dämpfer. UniCredit-Chef Andrea Orcel hat einer kompletten Übernahme der Commerzbank unter den aktuellen Bewertungen eine klare Absage erteilt und bezeichnet den Schritt als wirtschaftlich unvernünftig. Damit entweicht die spekulative Luft aus dem Kurs, und die zweitgrößte deutsche Privatbank muss nun beweisen, dass ihre "Standalone"-Strategie auch ohne italienischen Partner Werthaltigkeit besitzt.

Die Fakten im Überblick

  • Aktueller Kurs: 35,77 €
  • 52-Wochen-Hoch: 41,58 € (vom 24.12.2025)
  • UniCredit-Beteiligung: Knapp unter 30 %
  • Marktkapitalisierung: Rund 40 Mrd. €
  • Rückkauf: 1 Mrd. € erfolgreich abgeschlossen

Bewertungslücke stoppt Italiener

Andrea Orcel rechnet kühl: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 14 ist die Commerzbank an der Börse deutlich höher bewertet als die UniCredit selbst, die auf ein KGV von rund 10,6 kommt. Für die Italiener macht ein Kauf zu diesen Konditionen keinen betriebswirtschaftlichen Sinn.

Die Strategie der Mailänder zielt nun darauf ab, die bestehende Beteiligung von knapp unter 30 Prozent zu halten, ohne die Schwelle für ein Pflichtangebot zu überschreiten. Ab 2026 plant UniCredit, den Anteil voll zu konsolidieren und am Erfolg der Frankfurter zu partizipieren, verzichtet aber bewusst auf die volle Kontrolle.

Offensive für die Eigenständigkeit

Nachdem die externe Übernahme unwahrscheinlicher geworden ist, rückt die interne Performance in den Vordergrund. Vorstandschefin Bettina Orlopp untermauert den Anspruch auf Eigenständigkeit mit dem im Dezember 2025 abgeschlossenen Aktienrückkauf. Insgesamt investierte das Institut rund eine Milliarde Euro, um knapp 31 Millionen eigene Aktien vom Markt zu nehmen.

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Die operativen Ziele sind ambitioniert gesteckt: Bis 2028 soll die Eigenkapitalrendite auf über 12 Prozent steigen. Bereits für das laufende Geschäftsjahr wird ein Rekord-Nettogewinn von rund 2,9 Milliarden Euro angepeilt. Unterstützt wird dieser Kurs durch die Europäische Zentralbank (EZB), die die Kapitalanforderungen für 2026 gesenkt hat, was der Bank mehr finanziellen Spielraum verschafft.

Kurs korrigiert nach Rekordhoch

Der Markt hat die veränderte Nachrichtenlage bereits teilweise eingepreist. Notierte die Aktie an Heiligabend 2025 noch auf einem 52-Wochen-Hoch von 41,58 Euro, hat sie seitdem rund 14 Prozent abgegeben und steht aktuell bei 35,77 Euro.

Analysten reagieren gespalten auf die neue Realität. Während Goldman Sachs das Papier jüngst auf "Neutral" hochstufte, warnen andere Häuser wie JPMorgan davor, dass die im Kurs enthaltene Übernahmeprämie weiter schwinden könnte, sollte UniCredit bei seiner Zurückhaltung bleiben.

Mit dem Wegfall der unmittelbaren Übernahme-Option hängt die Kursentwicklung der kommenden Quartale fast ausschließlich an der operativen Umsetzung der "Standalone"-Strategie. Investoren werden genau beobachten, ob Bettina Orlopp das versprochene Gewinnziel von 2,9 Milliarden Euro ohne externe Hilfe erreichen kann.

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