BayWa Aktie: Noch tiefer?
Der Restrukturierungsplan der BayWa AG steht unter ernstem Druck. Eine neue Mittelfristplanung der Energietochter BayWa r.e. reißt eine empfindliche Lücke in das laufende Sanierungskonzept — und zwingt den Konzern zu Neuverhandlungen mit Banken und Großaktionären.
Energietochter verfehlt Planungsannahmen deutlich
Das Kernproblem: Die BayWa r.e. AG, an der BayWa 51 Prozent hält, hat ihre Mittelfristplanung für 2026 bis 2028 grundlegend revidiert. Ab 2027 erwartet die Sparte zwar weiterhin positive operative Ergebnisse — aber auf einem signifikant niedrigeren Niveau als im Sanierungsgutachten vom Juni 2025 unterstellt. Als Hauptursachen nennt der Konzern verschlechterte regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Projektentwickler erneuerbarer Energien, besonders in den USA.
Der US-Markt trifft BayWa r.e. besonders hart. Im Geschäftsjahr 2024 war er mit 534,7 Megawatt verkaufter Leistung der wichtigste Einzelmarkt der Sparte. Das ursprüngliche Sanierungsgutachten kalkulierte mit Gesamterlösen von rund 1,7 Milliarden Euro aus dem Verkauf der BayWa r.e.-Beteiligung bis Ende 2028 — eine Annahme, die nach der neuen Planung nicht mehr haltbar ist.
Auf der Habenseite steht der abgeschlossene Verkauf der Handelstochter Cefetra. Der Kaufpreis von 125 Millionen Euro ist dabei weniger entscheidend als die Bilanzwirkung: Durch die Entkonsolidierung verschwanden Bankverbindlichkeiten von über 600 Millionen Euro aus den Büchern. Seit 2025 hat BayWa seine Schuldenlast damit um rund 1,3 Milliarden Euro reduziert. Beim Sanierungsziel von 4 Milliarden Euro bis 2028 sind das knapp 33 Prozent — die fehlenden 2,7 Milliarden Euro bleiben ein wachsendes Problem.
Führungswechsel und verschärfte Kontrollen
Die operativen Rückschläge ziehen personelle Konsequenzen nach sich. Vorstandsvorsitzender Dr. Frank Hiller scheidet zum 31. Juli 2026 in beiderseitigem Einvernehmen aus — sein Mandat als Vorsitzender endete bereits mit sofortiger Wirkung. Vorständin Marlen Wienert übernimmt zusätzlich das Personal- und Nachhaltigkeitsressort. Im Aufsichtsrat legen gleich drei Mitglieder ihre Mandate nieder: Monika Hohlmeier und Michael Höllerer Ende März, Monique Surges Ende Mai. Alle drei standen in der Kritik, den schuldenfinanzierten Expansionskurs mitgetragen zu haben, der BayWa 2024 in die Schieflage brachte.
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Zugleich wurden die Kontrollmechanismen verschärft: Der Aufsichtsrat muss künftig alle Geschäfte ab 50 Millionen Euro genehmigen, statt wie bisher erst ab 200 Millionen Euro.
Parallel dazu prüft die BaFin seit Oktober 2024 den Jahresabschluss 2023. Sie beanstandete, dass BayWa finanzierungsrelevante Risiken im Lagebericht nicht ausreichend dargestellt hatte — eine zusätzliche Belastung für ein Unternehmen, das ohnehin ums Vertrauen seiner Gläubiger kämpft.
Stillhalte-Vereinbarung bis Herbst angestrebt
BayWa verhandelt derzeit mit seinen Kernbanken und Hauptaktionären über eine Stillhaltevereinbarung, die bis in den Herbst 2026 gelten soll. Der Vorstand zeigt sich zuversichtlich, eine Einigung zu erzielen. Die Erstellung des Jahres- und Konzernabschlusses für 2025 dürfte sich infolge der erforderlichen Anpassungen und der Neubewertung der BayWa r.e.-Beteiligung allerdings erheblich verzögern — möglicherweise bis ins vierte Quartal 2026.
Am 26. März legt BayWa die Zahlen für das vierte Quartal vor. Dann wird sich zeigen, wie hoch der tatsächliche Abschreibungsbedarf bei der Energiesparte ausfällt und ob der geplante Verkauf der neuseeländischen Tochter T&G Global für geschätzte 300 Millionen Euro ausreicht, um den Sanierungskurs zu stabilisieren.
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