Am Mittwoch musste BayWa per Ad-hoc-Mitteilung einräumen, was viele befürchtet hatten: Das ursprüngliche Sanierungskonzept trägt nicht mehr. Der Kerngrund ist der drastische Wertverlust der Ökostromtochter BayWa r.e. — ausgerechnet jenes Aktivs, auf dem der gesamte Entschuldungsplan aufgebaut war.

Milliarden-Lücke im Sanierungsplan

Das bisherige Konzept kalkulierte bis Ende 2028 mit rund 1,7 Milliarden Euro aus dem Verkauf der 51-prozentigen Beteiligung an BayWa r.e. Diese Zahl ist nach dem neuen Mittelfristplan 2026–2028 nicht mehr erreichbar. BayWa r.e. soll zwar ab 2027 wieder positive operative Ergebnisse liefern — aber auf einem signifikant niedrigeren Niveau als ursprünglich angenommen.

Als Hauptursache nennt der Vorstand die veränderte Regulierung und Wirtschaftslage für Projektentwickler erneuerbarer Energien, besonders in den USA. Dort hatte BayWa r.e. im Jahr 2024 mit 534,7 Megawatt verkaufter Leistung ihren größten Einzelmarkt. Die neue US-Energiepolitik trifft die Sparte damit an ihrer empfindlichsten Stelle.

Führungswechsel und verschärfte Kontrollen

Die Krise zieht personelle Konsequenzen nach sich. Vorstandschef Dr. Frank Hiller verlässt das Unternehmen zum 31. Juli 2026 — sein Mandat als Vorsitzender endete bereits mit sofortiger Wirkung. Gleichzeitig legen drei Aufsichtsratsmitglieder ihre Mandate nieder: Monika Hohlmeier und Michael Höllerer Ende März, Monique Surges Ende Mai. Sie standen in der Kritik, den schuldenfinanzierten Expansionskurs mitverantwortet zu haben.

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Strukturell reagiert BayWa mit schärferen Kontrollmechanismen: Der Aufsichtsrat muss künftig alle Geschäfte ab 50 Millionen Euro genehmigen — bislang lag die Schwelle bei 200 Millionen Euro.

Stabilisierung läuft, aber die Lücke bleibt groß

Auf der positiven Seite steht der abgeschlossene Verkauf der Handelstochter Cefetra. Der Kaufpreis von 125 Millionen Euro ist dabei weniger entscheidend als die Bilanzwirkung: Durch die Entkonsolidierung verschwanden Bankverbindlichkeiten von über 600 Millionen Euro aus den Büchern. Seit 2025 hat BayWa seine Schuldenlast so um rund 1,3 Milliarden Euro reduziert — bei einem Sanierungsziel von 4 Milliarden Euro bis 2028 ist das ein Drittel des Weges.

Nun verhandelt der Konzern mit Kernbanken und Hauptaktionären über eine Stillhaltevereinbarung, die bis in den Herbst 2026 reichen soll. Parallel läuft eine BaFin-Prüfung des Jahresabschlusses 2023, die bereits im Oktober 2024 eingeleitet wurde — die Behörde hatte beanstandet, dass BayWa finanzierungsrelevante Risiken im Lagebericht nicht ausreichend dargestellt hatte. Als direkte Folge wird sich der Jahresabschluss 2025 erheblich verzögern, möglicherweise bis ins vierte Quartal.

Am 26. März folgen die Q4-Zahlen — sie werden zeigen, wie hoch der Abschreibungsbedarf bei BayWa r.e. tatsächlich ausfällt und ob der geplante Verkauf der neuseeländischen Tochter T&G Global für geschätzte 300 Millionen Euro den Sanierungskurs stützen kann.

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