Die Bayer-Aktie schoss am Freitag nachbörslich um vier Prozent nach oben. Der Grund: Der US Supreme Court nimmt den "Durnell"-Fall zur Verhandlung an – eine Entscheidung, die über die Zukunft von rund 65.000 anhängigen Glyphosat-Klagen bestimmen könnte.

Endlich die ersehnte Grundsatzentscheidung?

Im Oktober 2023 hatte ein Geschworenengericht in St. Louis dem Kläger John Durnell 1,25 Millionen Dollar zugesprochen. Durnell machte Roundup für seine Non-Hodgkin-Lymphom-Diagnose verantwortlich. Bayer wählte diesen Fall strategisch aus, um vor dem höchsten US-Gericht ein Grundsatzurteil zu erstreiten.

Die Kernfrage: Steht Bundesrecht über dem Recht einzelner Bundesstaaten? Bayer argumentiert, dass die US-Umweltbehörde EPA keine Gesundheitsrisiken in Roundup sieht und das Produktlabel ohne Warnung genehmigte. Daher sollten Schadenersatzansprüche basierend auf bundesstaatlichem Recht vor Gericht keinen Bestand haben.

Trump-Regierung stützt Bayer

Bereits im Dezember hatte der Solicitor General – eine Art Generalanwalt der US-Regierung – Bayers Position unterstützt. Die EPA habe "wiederholt festgestellt, dass Glyphosat beim Menschen wahrscheinlich nicht krebserregend ist", so D. John Sauer in der Stellungnahme an den Supreme Court. Die Behörde habe zudem Roundup-Etiketten ohne Krebswarnungen genehmigt.

Ein Urteil zugunsten Bayers würde die überwiegende Mehrheit der Klagen eliminieren, da sie auf bundesstaatlichem Recht basieren. Die Richter müssen voraussichtlich bis Ende Juni entscheiden – dann endet die aktuelle Sitzungsperiode des Supreme Court.

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197.000 Ansprüche und 10 Milliarden Dollar gezahlt

Die Dimensionen des Rechtsstreits sind gewaltig. Per 15. Oktober 2024 zählte Bayer 197.000 angemeldete Ansprüche, von denen rund 132.000 bereits verglichen wurden oder die Vergleichskriterien nicht erfüllten. Etwa 10 Milliarden Dollar hat der Konzern seit 2020 zur Beilegung der meisten damals anhängigen Fälle gezahlt.

Doch neue Klagen sprudeln weiter. Im Herbst erhöhte Bayer die Rückstellungen für Glyphosat-Fälle erneut. Zuletzt kassierte der Konzern im Jahr 2025 einen 2,1-Milliarden-Dollar-Schiedsspruch in Georgia – bei anderen Prozessen siegte Bayer hingegen.

Monsanto-Übernahme als Milliardenrisiko

Die Rechtslawine hatte sich Bayer 2018 mit der 63-Milliarden-Dollar-Übernahme von Monsanto ins Haus geholt. Nach der ersten Prozessniederlage explodierten die Klägerzahlen, die Aktie stürzte ab. Konzernchef Bill Anderson, seit Juni 2023 im Amt, will die US-Rechtsstreitigkeiten bis Ende 2026 signifikant eindämmen.

Die Strategie: Vergleiche dort, wo sie günstiger sind als Prozessrisiken, intensivierte Lobbyarbeit für Gesetzesänderungen in US-Bundesstaaten – und eben die Hoffnung auf ein positives Supreme-Court-Urteil. Bayer hatte bereits 2022 versucht, den obersten Gerichtshof einzuschalten, wurde aber abgewiesen.

Eylea-Zulassung als Nebenschauplatz

Fast schon nebensächlich wirkt da die Meldung vom Freitag: Die EU-Kommission genehmigte die hohe 8-Milligramm-Dosierung von Eylea für eine dritte Indikation. Das Augenmedikament darf nun auch Patienten mit Makulaödem infolge eines retinalen Venenverschlusses behandeln.

Der Vorteil der höheren Dosis: Behandlungsintervalle von bis zu fünf Monaten statt häufiger Injektionen ins Auge. 60 Prozent der Patienten benötigten in der Zulassungsstudie ein Behandlungsintervall von vier Monaten oder mehr. Eylea ist einer der wichtigsten Umsatzbringer in Bayers Pharmasparte – doch angesichts der Roundup-Problematik war die Aktie am Freitag zeitweise dennoch 0,62 Prozent im Minus.

Die Aktie hat sich seit April 2024 dennoch deutlich erholt – von 26 auf fast 42 Euro in weniger als drei Monaten. Die Annahme des Supreme-Court-Falls dürfte diesem Trend weiteren Schub verleihen.

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