AMD greift im KI-Wettrennen zu einem ungewöhnlichen Hebel: Das Unternehmen stützt die Finanzierung eines Cloud-Startups, damit mehr eigene KI-Chips schneller in Rechenzentren landen. Das erinnert stark an Methoden, die Anleger bisher vor allem von Nvidia kennen. Doch wie nachhaltig ist Nachfrage, wenn der Chipanbieter sie indirekt mitfinanziert?

300-Millionen-Backstop für Crusoe

Konkret geht es um einen Kredit über 300 Millionen US-Dollar für das Cloud-Computing-Startup Crusoe, arrangiert von Goldman Sachs. Laut Berichten wird das Darlehen durch AMDs KI-Chips und zugehörige Technik besichert. Der Knackpunkt: AMD soll angeboten haben, die eigenen Chips von Crusoe zurückzuleasen, falls das Startup nicht genug Kunden gewinnt – etwa KI-Entwickler, die die Rechenleistung abnehmen.

Genau diese Absicherung hatte einen handfesten Effekt: Crusoe konnte sich demnach einen Zinssatz von rund 6% sichern – deutlich günstiger, als es ohne AMDs Rückendeckung möglich gewesen wäre. Für AMD ist das ein Weg, die Hürde „teure Hardware, knapper Kapitalzugang“ bei jungen Cloud-Anbietern zu senken und so Installationen der eigenen KI-Beschleuniger zu beschleunigen.

Crusoe installiert die AMD-Chips laut mehreren Quellen in einem Rechenzentrum in Ohio, das vom kanadischen Entwickler 5C gebaut wird, der wiederum von Brookfield unterstützt wird. Crusoe war 2018 ursprünglich im Krypto-Umfeld gestartet, hat sich aber inzwischen auf KI-Infrastruktur verlegt – ein Teil des wachsenden „Neocloud“-Segments mit spezialisierten KI-Cloud- und Rechenzentrumsdiensten.

Das Nvidia-Vorbild – und die Kritik daran

Der Deal wirkt wie aus Nvidias Playbook: Nvidia hat in der Vergangenheit Finanzierungs- und Investmentstrukturen mit KI-Startups aufgebaut, die später zu großen GPU-Kunden wurden (genannt werden u.a. CoreWeave, Anthropic, Together AI und Lambda). An der Wall Street sorgt so etwas immer wieder für Skepsis, weil der Eindruck von „Kreislauf-Deals“ entstehen kann: Der Chipanbieter erleichtert die Finanzierung – und schafft sich damit ein Stück weit selbst die Nachfrage.

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AMDs Einstieg in dieses Modell deutet zumindest darauf hin, dass solche Konstruktionen im Neocloud-Markt als wichtig gelten, um überhaupt schnell genug Skalierung in Rechenzentren zu erreichen.

Zusätzlicher Druck: Nvidia greift AMD bei CPUs an

Parallel verschärft sich der Wettbewerb an anderer Stelle. Nvidia hat laut Berichten eine ausgeweitete, mehrjährige Rechenzentrumsvereinbarung mit Meta geschlossen, die erstmals eine große Einführung von Nvidias Grace CPU-only-Servern umfasst. Grace ist ein Arm-basierter Prozessor, den Nvidia auch im Zusammenspiel mit seinen Blackwell-GPUs positioniert.

Das ist für AMD heikel, weil es den traditionell starken Bereich „Data-Center-CPUs“ berührt. Berichtet wird zudem von einem Trend, kleinere KI-Modelle und „agentische“ Inferenz stärker über CPUs laufen zu lassen – und genau dort öffnet sich für Nvidia eine Tür in Märkte, die bislang vor allem von x86-Anbietern wie AMD und Intel geprägt waren. Ein Analyst von D.A. Davidson wird mit der Einschätzung zitiert, Nvidia baue seinen Anteil an Rechenzentrums-Inhalten schon länger aus, und der CPU-Schritt sei die logische Erweiterung.

Zahlen, Erwartungen – und der Kursdruck

Operativ kommt AMD aus einem starken Quartal: Für Q4 2025 meldete das Unternehmen laut Bericht einen Rekordumsatz von 10,3 Milliarden US-Dollar (+34% zum Vorjahr). Das Data-Center-Segment steuerte dabei 5,4 Milliarden US-Dollar bei. Das Management stellt für die kommenden drei bis fünf Jahre ein jährliches Wachstum der Data-Center-Umsätze von über 60% in Aussicht.

An der Börse bleibt die Lage dennoch angespannt: Der Kurs steht heute bei 167,20 Euro und liegt damit in den vergangenen 30 Tagen deutlich im Minus (-23,88%). Das passt zur Gemengelage aus hohem Wettbewerbsdruck und der Frage, wie „echte“ Nachfrage von durch Finanzierung beschleunigter Nachfrage zu trennen ist.

Im Kalender ist der nächste Fixpunkt bereits markiert: Die nächste Ergebnisvorlage wird im Quelltext für den 5. Mai 2026 erwartet – dann dürfte sich zeigen, ob die beschleunigten Installationen im Neocloud-Umfeld im Data-Center-Geschäft tatsächlich in belastbares Umsatzwachstum übergehen.

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