Milliarden fließen in KI-Infrastruktur, Lieferketten stoßen an Grenzen, und geopolitische Risiken drücken auf die Stimmung. Innerhalb weniger Stunden landeten Rekordaufträge für Lithografie-Maschinen, ein Pentagon-Vertrag über fast eine Milliarde Dollar und eine Hollywood-KI-Übernahme auf den Schreibtischen der Investoren. ASML, Broadcom, Oracle, Netflix und Alphabet bewegen sich dabei auf völlig unterschiedlichen Pfaden — mit einem gemeinsamen Nenner: Künstliche Intelligenz als Wachstumsmotor.

ASML: Größter EUV-Auftrag aller Zeiten

SK Hynix hat per Pflichtmitteilung den Kauf von EUV-Lithografiemaschinen im Wert von 11,9 Billionen Won (rund 7,9 Milliarden Dollar) bei ASML offengelegt. Es ist die größte jemals öffentlich gemachte Einzelbestellung eines ASML-Kunden. Die Lieferung soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein.

Bernstein-Analyst David Dao schätzt, dass der Auftrag etwa 30 neue EUV-Systeme umfasst — etwas mehr als seine bisherige Prognose von 26 Maschinen. Die Scanner sollen in zwei Werken zum Einsatz kommen: der M15X-Fabrik in Cheongju für HBM-Chips und dem neuen Halbleiter-Cluster in Yongin für fortschrittliches DRAM. ING-Analyst Marc Hesselink sieht ein „Pull-in-Element" in der Bestellung — SK Hynix sichere sich frühzeitig Kapazitäten, um im Wettbewerb mit Samsung um Nvidias KI-Beschleuniger nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Die Aktie notiert bei 1.216,60 Euro und hat sich seit dem 52-Wochen-Tief im April 2025 mehr als verdoppelt. Morgan Stanley stuft den Auftrag als potenziellen Katalysator ein und sieht Spielraum nach oben bei den Schätzungen. ASMLs Auftragsbestand lag Ende 2025 bei 38,8 Milliarden Euro — eine Zahl, die durch den SK-Hynix-Deal weiter anschwellen dürfte.

Netflix: 600 Millionen Dollar für KI im Schneideraum

Statt die Studios von Warner Bros. Discovery zu übernehmen, setzt Netflix auf gezielte Technologiezukäufe. Anfang des Monats gab der Streaming-Konzern bekannt, bis zu 600 Millionen Dollar für InterPositive auszugeben — ein KI-Startup, das von Ben Affleck gegründet wurde. Es ist eine der größten Akquisitionen in der Unternehmensgeschichte.

InterPositive entwickelt Werkzeuge für die Postproduktion, etwa zur Lösung von Kontinuitätsproblemen oder zur Verbesserung von Szenen. Das gesamte 16-köpfige Team wechselt zu Netflix. Affleck wird als Senior Advisor eingebunden. Entscheidend: Die Technologie soll kreativen Partnern zur Verfügung gestellt, aber nicht kommerziell vermarktet werden.

Die Übernahme unterstreicht einen strategischen Schwenk hin zu kleineren, technologiegetriebenen Zukäufen. Finanziell liefert Netflix weiterhin solide Zahlen. Im vierten Quartal 2025 stiegen die Erlöse um 18 Prozent auf 12,1 Milliarden Dollar. Die Werbeeinnahmen sollen sich 2026 auf 3 Milliarden Dollar verdoppeln. Bernstein SocGen bestätigte Mitte März das Outperform-Rating mit einem Kursziel von 115 Dollar.

Alphabet: Geopolitik und Regulierung bremsen den Cloud-Giganten

Steigende Ölpreise, Spannungen im Nahen Osten und regulatorischer Gegenwind aus Europa — Alphabet steht dieser Tage gleich von mehreren Seiten unter Beschuss. Der Kurs hat in den vergangenen sieben Tagen rund 6 Prozent verloren und liegt bei 252 Euro, gut 13 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom Februar. Der RSI von 32 signalisiert eine überverkaufte Situation.

Die Sorge: Explodierende Energiekosten treffen energieintensive Rechenzentren besonders hart. Alphabet hat seine Investitionsausgaben für 2026 auf 175 bis 185 Milliarden Dollar beziffert — nahezu eine Verdopplung gegenüber 2025. Diese Summe signalisiert Vertrauen in den KI-Ausbau, macht das Unternehmen aber anfällig für Margendrucke bei steigenden Strompreisen.

Gleichzeitig drängen 18 Branchenverbände die EU-Kommission zum Handeln wegen angeblicher Verstöße gegen den Digital Markets Act. Abseits der Belastungen liefert das operative Geschäft Substanz: Google Cloud steigerte den Umsatz im vierten Quartal 2025 um 48 Prozent auf 17,7 Milliarden Dollar. CEO Sundar Pichai bezifferte den Cloud-Auftragsbestand auf 240 Milliarden Dollar — ein Plus von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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Ein bemerkenswertes Detail aus der „Other Bets"-Sparte: Wing, die Drohnen-Liefereinheit, expandiert in die San Francisco Bay Area. Die neueren Drohnen tragen Pakete bis 2,3 Kilogramm — doppelt so viel wie die aktuelle Walmart-Flotte. Über 750.000 Zustellungen hat Wing bereits abgeschlossen.

Oracle: Agentenbasierte KI für den Unternehmenskern

Auf dem AI World Event in London präsentierte Oracle diese Woche die „Fusion Agentic Applications" — eine neue Klasse von Unternehmensanwendungen, die von koordinierten Teams spezialisierter KI-Agenten gesteuert werden. Anders als Copiloten oder KI-Assistenten sind diese Agenten nativ in das Transaktionssystem eingebettet und führen Aufgaben eigenständig aus.

Die erste Version umfasst 22 Anwendungen in den Bereichen Finanzen, HR, Lieferkette und Kundenerfahrung. Gartner-Analyst Arun Chandrasekaran identifiziert den Kern des Problems, das Oracle lösen will: das fehlende Vertrauen in autonome Ausführung ohne klare Grenzen, Nachverfolgbarkeit und menschliche Kontrolle.

Finanziell bleibt Oracle ein Unternehmen der Kontraste. Im dritten Geschäftsquartal 2026 stieg der Umsatz um 22 Prozent auf 17,2 Milliarden Dollar, die Cloud-Infrastruktur legte sogar um 84 Prozent zu. Der Auftragsbestand kletterte auf 553 Milliarden Dollar. Der Aktienkurs erzählt eine andere Geschichte: Mit 127,62 Euro notiert er mehr als 54 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch und rund 33 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Deutsche-Bank-Analyst Brad Zelnick hält an seinem Kursziel von 300 Dollar fest — eine massive Diskrepanz zum aktuellen Niveau.

Broadcom: Pentagon-Auftrag trifft auf Kapazitätswarnung

Broadcom und Carahsoft haben einen Rahmenvertrag mit der US-Verteidigungsbehörde DISA über 970 Millionen Dollar und fünf Jahre Laufzeit abgeschlossen. Im Zentrum steht VMware Cloud Foundation als einheitliche Private-Cloud-Plattform für traditionelle, cloudnative und KI-Workloads. Der Vertrag deckt DISA, die US Air Force, die US Space Force und weitere Kommandostrukturen ab.

Gleichzeitig sendete Broadcom ein Warnsignal an den gesamten Sektor: Die TSMC-Kapazitäten seien am Anschlag. Der Chiphersteller äußerte sich nicht zu dem möglichen Engpass. Für einen Konzern, dessen Custom-Accelerator-Geschäft um 140 Prozent gewachsen ist und dessen KI-Netzwerkumsatz um 60 Prozent zulegte, ist das eine relevante Bremse.

Die Aktie notiert bei 275,80 Euro mit einem RSI von nur 21 — tief im überverkauften Bereich. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 29 Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar bei einer EBITDA-Marge von 68 Prozent. 29 Analysten bewerten die Aktie im Konsens mit „Strong Buy" und einem durchschnittlichen Kursziel von 431 Dollar.

Infrastruktur gegen Anwendung — die Bruchlinie im KI-Sektor

Die fünf Unternehmen spiegeln eine fundamentale Zweiteilung wider:

  • Infrastruktur-Profiteure (ASML, Broadcom): Beide liefern die physische Grundlage des KI-Booms. ASML als EUV-Monopolist mit struktureller Preismacht, Broadcom als Anbieter von Netzwerk- und Software-Infrastruktur für Rechenzentren und Regierungskunden.
  • Cloud-Plattformen im Übergang (Oracle, Alphabet): Beide betreiben KI-Infrastruktur und wandeln sich vom System-of-Record zum System-of-Execution. Alphabets Cloud-Backlog von 240 Milliarden Dollar und Oracles 553-Milliarden-Dollar-Auftragsbestand zeigen die Dimension.
  • Anwendungsebene (Netflix): Die InterPositive-Übernahme zeigt, wie KI in Kreativprozesse eindringt — nicht als eigenständiges Produkt, sondern als eingebettetes Werkzeug.

Das gemeinsame Risiko: Steigende Energiekosten durch geopolitische Spannungen treffen Rechenzentrumsbetreiber am härtesten. Broadcom's Warnung vor TSMC-Kapazitätsgrenzen könnte die Übersetzung von Auftragsbeständen in tatsächlich ausgelieferte Hardware verlangsamen — ein Dominoeffekt, der die gesamte Wertschöpfungskette betrifft.

Drei Kräfte bestimmen die nächsten Monate

Der KI-Sektor steht vor einer Belastungsprobe. Erstens: Halten die Investitionen angesichts steigender Energiekosten durch? Alphabets geplante 175 bis 185 Milliarden Dollar für 2026 setzen ein klares Signal — aber auch einen hohen Break-even.

Zweitens: In welchem Tempo werden Auftragsbestände zu realen Umsätzen? Oracles 553-Milliarden-Dollar-Backlog gibt Visibilität für 18 Monate. Die Frage ist, ob die Lieferketten mithalten.

Drittens: Das Nadelöhr Halbleiterfertigung. Samsung, TSMC und SK Hynix bauen gleichzeitig Kapazitäten aus — und alle brauchen ASMLs Maschinen. Die Warnung von Broadcom deutet darauf hin, dass die Hardware-Infrastruktur an ihre kurzfristigen Grenzen stößt. Die KI-These bleibt intakt. Die Umsetzung entscheidet über Gewinner und Nachzügler.

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