Ein großer Wachstumsfonds steigt bei Adobe komplett aus, während das Unternehmen operativ solide Zahlen liefert und strategisch nachlegt. Im Zentrum steht die Frage, ob Adobes eigene KI-Offensive das Geschäftsmodell eher schützt oder untergräbt. Genau an dieser Stelle prallen institutionelle Skepsis und optimistische Analystenprognosen aufeinander.

Großinvestor steigt aus

Aus aktualisierten Portfoliodaten geht hervor, dass der TCW Concentrated Large Cap Growth Fund seine Adobe-Position im zweiten Halbjahr vollständig aufgelöst hat. In Unterlagen an Investoren begründet der von Brandon Bond und Bo Fifer gemanagte Fonds den Schritt mit einer sogenannten „Disruption Trap“.

Die Kernthese: Adobes KI-Tools wie Firefly senken die Eintrittsbarrieren für Wettbewerber, statt die dominante Marktstellung abzusichern. Künstliche Intelligenz mache professionelle Gestaltung zugänglicher, wodurch der traditionelle, sitzplatzbasierte Abo-Ansatz von Adobe unter Druck geraten könne.

Diese „Demokratisierung“ kreativer Tools eröffne nach Einschätzung des Fonds Anbietern wie Canva mehr Raum, in Arbeitsabläufe vorzudringen, die bisher klar von Adobe geprägt waren.

Zusätzlichen Druck signalisiert ein weiterer institutioneller Investor: Norden Group LLC meldete für das dritte Quartal 2025 einen Abbau seiner Adobe-Beteiligung um 24,4 %. Norden verkaufte 3.435 Aktien und hält nun noch 10.662 Stück im Wert von rund 3,76 Millionen US-Dollar.

Am letzten Handelstag vor Weihnachten schloss die Aktie bei 352,98 US-Dollar (+0,16 %). Die neuen Offenlegungen rücken allerdings weniger den kurzfristigen Kurs, sondern vor allem die strukturelle Wettbewerbslage in den Fokus.

Zukauf von Semrush und neue Allianzen

Das Management versucht, den Disruptions-Narrativen mit einer offensiven Strategie zu begegnen. Im Zentrum steht die Übernahme von Semrush (SEMR), die am 19. November 2025 endgültig angekündigt wurde. Adobe zahlt 12,00 US-Dollar je Aktie in bar; das Volumen der Transaktion liegt bei rund 1,9 Milliarden US-Dollar.

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Mit Semrush will Adobe sich als Anbieter für „Generative Engine Optimization“ (GEO) positionieren – also nicht nur Inhalte erstellen, sondern auch deren Performance und Sichtbarkeit optimieren. Der Abschluss des Deals wird in der ersten Jahreshälfte 2026 erwartet und zielt auf eine breitere Erlösbasis.

Parallel stärkt Adobe das Ökosystem der Creative Cloud durch eine Partnerschaft mit Runway. Deren Gen-4.5-KI-Videomodelle werden integriert, um anspruchsvolle Videocreator an die Plattform zu binden und Abwanderung zu spezialisierten Insellösungen zu begrenzen.

Solide Zahlen, Bewertungsabschlag

Operativ präsentiert sich Adobe trotz dieser strategischen Umbrüche robust. In den Q4-Zahlen des Geschäftsjahres 2025 (veröffentlicht am 10. Dezember) meldete das Unternehmen:

  • Gewinn je Aktie (EPS): 5,50 US-Dollar (über den Erwartungen von 5,40 US-Dollar)
  • Umsatz: 6,19 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 10,5 % gegenüber dem Vorjahr
  • Bewertung: Rund 19-faches Forward-Earnings-Multiple, deutlich unter den historischen Durchschnittswerten

Die niedrigere Bewertung spiegelt die gestiegenen Risikoerwartungen des Marktes wider – trotz der weiterhin zweistelligen Wachstumsraten.

Auf der Risikoseite bleiben rechtliche Baustellen bestehen. Adobe ist weiterhin in das Verfahren Lyon v. Adobe zur Datennutzung für das SlimLM-Modell involviert. Zudem steht das Unternehmen weiter unter Beobachtung der FTC, was die Praktiken zur Kündigung von Abonnements betrifft.

Ausblick auf 2026

Für das Geschäftsjahr 2026 stellt Adobe einen Gewinn je Aktie von 23,30 bis 23,50 US-Dollar in Aussicht. Entscheidend wird dabei das Wachstum der Annual Recurring Revenue (ARR) sein, das nach Prognose des Managements um mehr als 10 % zulegen soll – unterstützt durch die Integration von Semrush und die Monetarisierung der Firefly-KI-Funktionen.

Die Konsensschätzungen der Analysten liegen überwiegend im „Buy“-Bereich, mit durchschnittlichen Kurszielen um 428 US-Dollar. Gleichzeitig sendet der vollständige Ausstieg von TCW ein gegenteiliges Signal und unterstreicht das Spannungsfeld zwischen langfristiger Skepsis auf Investorenseite und anhaltendem Optimismus der Wall Street.

Wenn der Handel nach den Feiertagen wieder anläuft, gilt vor allem der Bereich um 350 US-Dollar als wichtige Unterstützung. Dort dürfte sich zeigen, wie stark der Markt der „Disruption Trap“-Erzählung tatsächlich Gewicht beimisst.

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