Adidas Aktie: Uneinheitliche Prognosen?
Adidas steckt an der Börse in einer schwierigen Phase: Nach einem starken operativen Comeback stellt sich zunehmend die Frage, ob die Turnaround-Story ausgereizt ist. Ein doppeltes Downgrade der Bank of America trifft auf weiterhin optimistische Stimmen anderer Analysten – und der Kurs rutscht Richtung Jahrestief. Wie passt das zusammen?
Bank of America bremst die Turnaround-Story
Anfang Januar 2026 hat die Bank of America ihre Einschätzung für Adidas gleich um zwei Stufen auf „Underperform“ gesenkt. Das Kursziel wurde deutlich von 213 auf 160 Euro reduziert. Für einen etablierten Blue Chip ist ein solches Doppel-Downgrade eher selten – entsprechend aufmerksam verfolgt der Markt die Argumentation.
Die Analysten sehen vor allem drei Belastungsfaktoren:
- Rückkehr zu einstelligem organischem Umsatzwachstum
- Eintrübung des Sektorumfelds im Sport- und Bekleidungsbereich
- Reduzierte mittelfristige Gewinnprognosen
Hinzu kommt laut Bank of America eine nachlassende Dynamik nach einer Phase stark ereignisgetriebener Nachfrage. Die Turnaround-Story, die den Kurs ab 2023 und in der ersten Hälfte 2025 getragen hatte, gilt dort weitgehend als eingepreist. Künftiges Wachstum dürfte demnach deutlich moderater ausfallen.
Kursentwicklung: Nah am Jahrestief
An der Börse spiegelt sich der Stimmungswechsel klar wider. Heute liegt die Adidas-Aktie bei rund 153,15 Euro. Damit beträgt das Minus der vergangenen zwölf Monate etwa 40 %. Seit Jahresanfang summiert sich der Rückgang auf gut 8 %.
Auffällig ist vor allem der mittelfristige Trend:
- 7 Tage: etwa -5,7 %
- 30 Tage: rund -7,1 %
- Seit Jahresanfang: -8,5 %
Von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 261 Euro Anfang 2025 ist der Titel mehr als 40 % entfernt. Gleichzeitig liegt der Kurs nur gut 2 % über dem 52-Wochen-Tief bei 149,70 Euro. Charttechnisch notiert die Aktie klar unter den wichtigen gleitenden Durchschnitten (50-, 100- und 200-Tage-Linie), was den anhaltenden Abwärtstrend unterstreicht.
Die hohe annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 70 % zeigt zudem, wie nervös der Markt derzeit auf Nachrichten reagiert.
Analystenlager bleibt gespalten
Trotz des harten Urteils der Bank of America ist das Analystenbild insgesamt alles andere als einheitlich. Mehrere Häuser bleiben deutlich zuversichtlich:
- Grupo Santander startete die Beobachtung Mitte Januar 2026 mit „Outperform“ und einem Kursziel von 212,20 Euro.
- Die Deutsche Bank bestätigte ihr „Buy“-Rating und sieht den fairen Wert bei 230 Euro.
- Bernstein bleibt mit „Outperform“ sogar bei einem Kursziel von 270 Euro.
Im Durchschnitt liegt das Analysten-Kursziel bei etwa 226 Euro, der Konsens lautet weiterhin „Buy“ auf Basis von 29 Einschätzungen. Bewertungsseitig kommt Adidas aktuell auf ein Trailing-KGV von rund 24, was oberhalb des Branchendurchschnitts von etwa 17,3 für den Bekleidungssektor liegt. Der Markt zahlt also trotz Kursrückgang noch immer einen Bewertungsaufschlag – ein Punkt, auf den skeptische Stimmen wie die Bank of America verweisen.
Starke Zahlen, schwacher Kurs
Operativ zeigt Adidas zuletzt ein deutlich besseres Bild als der Aktienkurs vermuten lässt. Im dritten Quartal 2025 meldete der Konzern:
- Rekordumsätze von rund 6,63 Milliarden Euro
- Eine Bruttomarge von über 50 %
- Zweistelliges währungsbereinigtes Umsatzwachstum
Auf Basis dieser Entwicklung wurde die Jahresprognose 2025 angehoben: Das Management stellte rund 9 % währungsbereinigtes Umsatzwachstum und einen operativen Gewinn von etwa 2,0 Milliarden Euro in Aussicht.
Der Markt bewertet diese Stärke jedoch zunehmend mit Vorsicht. Eingepreist ist offenbar, dass sich das Tempo 2026 und darüber hinaus abschwächt. Die Konkurrenzsituation mit Nike, On Running, Asics und Puma bleibt intensiv, der Wettbewerb um Marktanteile und Margen verschärft sich.
Produktoffensive trotz Kursdruck
Parallel zum Kursrückgang setzt Adidas die strategische Produktoffensive fort. Am 20. Januar 2026 wurde gemeinsam mit Pharrell Williams’ Humanrace der EVOLUTION Pro vorgestellt – ein Laufschuh im Premiumsegment mit einem Verkaufspreis von 1.000 US-Dollar.
Bereits am 15. Januar startete außerdem die neue Teamwear-Kollektion mit Mercedes-AMG PETRONAS F1 für die Saison 2026. Solche Kooperationen zielen klar darauf ab, die Marke im Performance- und Lifestyle-Bereich weiter zu schärfen und zusätzliche Preispower zu schaffen.
Bewertung: Abschlag mit Fragezeichen
Nach dem deutlichen Rückgang notiert die Aktie laut internen Discounted-Cashflow-Modellen bei einem geschätzten inneren Wert von 214,84 Euro rund 29 % unter dem fairen Wert. Gleichzeitig liegt das aktuelle KGV über dem Branchenschnitt. Daraus ergibt sich ein spannender Spannungsbogen: Fundamental wirkt der Titel auf Basis der langfristigen Cashflow-Erwartungen günstig, im klassischen Bewertungsvergleich aber weiterhin anspruchsvoll.
Entscheidend wird nun, ob Adidas die jüngste operative Dynamik bestätigen kann. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob sich eher das vorsichtige Szenario der Bank of America mit abflachendem Wachstum oder die optimistischeren Annahmen der übrigen Analysten durchsetzen – und damit auch, ob der aktuelle Kursbereich eher als Zwischenstation im Abwärtstrend oder als Ausgangspunkt für eine nachhaltige Erholung in Erinnerung bleiben dürfte.
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