Adidas startet schwach ins Jahr 2026 – und kaum ein Titel im DAX polarisiert Analysten derzeit so stark. Während Bank of America mit einem deutlichen Downgrade für Druck sorgt, setzen viele Häuser weiter auf klaren Ergebnishochlauf und WM-Fantasie. Im Kern geht es um die Frage, ob das Wachstum nach 2026 durchhält oder abflacht.

Bank of America stellt Wachstumsstory infrage

Der Wendepunkt kam Anfang Januar: Bank of America stufte die Adidas Aktie von „Buy“ auf „Underperform“ ab und senkte das Kursziel auf 160 Euro. Das ist aktuell das niedrigste der von Bloomberg erfassten Kursziele und liegt nur wenig über dem heutigen Kursniveau von rund 151 Euro.

Kernargument der BofA-Analysten: Das Umsatzwachstum soll 2026 wieder in den einstelligen Prozentbereich zurückfallen. Aus ihrer Sicht ist ein wichtiger Treiber der vergangenen Jahre, der „Casualization“-Trend in der Bekleidung, weitgehend ausgereizt. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb.

Die US-Bank nennt mehrere Belastungsfaktoren:

  • Der Casual-Wear-Boom verliert an Dynamik
  • Nike arbeitet an einem operativen Turnaround
  • Marken wie On und Asics gewinnen weiter Marktanteile
  • Das allgemeine Investoreninteresse am Sportartikelsektor nimmt ab

Die Herabstufung löste kurzfristig einen Tagesverlust von mehr als 4 % aus. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie inzwischen rund 9,5 % im Minus und notiert mit etwa 151,40 Euro nur knapp über ihrem 52‑Wochen-Tief bei 149,70 Euro. Vom Hoch bei 261 Euro ist das Papier über 40 % entfernt; der Abstand zur 200‑Tage-Linie beträgt gut 17 %, was die technische Schwäche unterstreicht.

Optimistische Häuser halten dagegen

Trotz des deutlichen Gegenwinds von Bank of America bleibt die Mehrheitsmeinung klar positiv. Insgesamt 29 Analysten kommen im Schnitt auf ein Kursziel von 226,91 Euro – damit sehen sie ein theoretisches Aufwärtspotenzial von knapp 50 % gegenüber dem aktuellen Kurs.

Zu den prominenten Bullen zählen:

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  • Sanford C. Bernstein, die am 6. Januar ihre Kaufempfehlung bestätigten (Kursziel: 146 US‑Dollar für die ADRs)
  • Grupo Santander, die Mitte Januar mit „Outperform“ und 212,20 Euro Kursziel in die Bewertung einstieg
  • UBS und Deutsche Bank, die an ihren konstruktiven Einschätzungen festhalten

Aus analytischer Sicht prallen damit zwei Narrative aufeinander: Auf der einen Seite die Sorge vor nachlassendem strukturellem Wachstum und zunehmender Konkurrenz, auf der anderen Seite die Erwartung, dass Adidas operativ weiter zulegen und die aktuelle Schwächephase an der Börse überwinden kann.

Fundamentaldaten: solide, aber nicht billig

Bewertungsseitig bewegt sich Adidas in einer Zwischenzone. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22,6 liegt der Titel unter dem Durchschnitt der direkten Peers (34,1), aber über dem breiteren europäischen Luxusgütersektor (18,3). Die Marktkapitalisierung beträgt aktuell rund 27–28 Milliarden Euro.

Die operativen Kennzahlen zeigen ein insgesamt robustes Geschäft:

  • Umsatz (TTM): 24,7 Milliarden Euro
  • Operative Marge: 7,7 %
  • Nettomarge: 4,94 %
  • Return on Equity: 21,8 %

Besonders auffällig ist die Dynamik in einigen Kernsegmenten. Running wächst um 25 %, Training um 20 %, auch Basketball legt zweistellig zu. Regional stechen Lateinamerika mit +25 % sowie Asien-Pazifik hervor: China wächst um 13 %, Japan/Südkorea um 15 %. Diese Zahlen stützen die optimistischeren Analysteneinschätzungen, auch wenn sie die Bewertungsdiskussion nicht vollständig auflösen.

WM 2026: Rückenwind mit Ablaufdatum?

Ein wichtiger Baustein in vielen positiven Szenarien ist die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Als offizieller Ausrüster und globaler Sportartikelkonzern dürfte Adidas von Trikots, Fanartikeln und einer breiten Marketingpräsenz profitieren.

Genau hier setzt jedoch die Skepsis von Bank of America an. Die WM wird als klarer Umsatzkatalysator gesehen, aber mit begrenzter Halbwertszeit. Die Analysen der US-Bank legen nahe, dass Investoren nach dem Turnier stärker auf Unternehmen mit strukturell höherem Wachstum wie On und Asics blicken könnten. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie tragfähig das Wachstum jenseits des WM-Effekts ist – und diese Spannung prägt die aktuelle Bewertung.

Schwacher Kursverlauf drückt auf die Stimmung

An der Börse spiegelt sich die Unsicherheit deutlich wider. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Aktie knapp 40 % an Wert verloren. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Minus von gut 9 %, in der laufenden Woche nochmals ein Rückgang von rund 5 %.

Charttechnisch zeigt sich ein angeschlagenes Bild: Der Kurs liegt spürbar unter dem 50‑ und 100‑Tage-Durchschnitt, der RSI von 41 signalisiert noch keine extrem überverkaufte Lage, aber eine anhaltend schwache Nachfrage. Hinzu kommt eine annualisierte 30‑Tage-Volatilität von über 70 %, was auf deutliche Schwankungen in beide Richtungen hindeutet.

Ausblick: Quartalszahlen als nächster Prüfstein

Die nächste Bewährungsprobe steht bereits fest: Am 4. März legt Adidas die nächsten Quartalszahlen vor. Dann wird sich zeigen, ob das starke Wachstum in Running, Training, Basketball und den Schlüsselregionen anhalten kann und ob das Management die mittelfristige Perspektive über die WM 2026 hinaus überzeugend darstellen kann. Für den Markt dürfte dabei entscheidend sein, ob sich eher das vorsichtige Szenario von Bank of America oder die derzeit noch dominierende optimistische Sicht der Mehrheit der Analysten durchsetzt.

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