Ein Führungswechsel an der Spitze von Vonovia und ein ungewöhnlich offensiver Einsatz privaten Geldes: Der Jahresauftakt 2026 bringt gleich zwei zentrale Signale für den DAX-Wohnungsriesen. Während mit Luka Mucic ein neuer CEO Verantwortung übernimmt, positioniert sich sein Vorgänger Rolf Buch über Call-Optionen klar auf eine Erholung des stark gefallenen Kurses. Wie sind dieser Insider-Deal und der schwache Chartverlauf zusammen einzuordnen?

Historischer Führungswechsel und stille Botschaft

Zum 1. Januar 2026 hat Luka Mucic den Vorstandsvorsitz übernommen. Der frühere Finanzvorstand von SAP und Vodafone steht für strikte Bilanzdisziplin und Effizienz – Eigenschaften, die in einem von hohen Zinsen geprägten Immobilienmarkt im Fokus stehen.

Parallel dazu sorgte am späten Freitagabend eine Pflichtmitteilung (Directors’ Dealings) für Aufmerksamkeit: Rolf Buch nutzte einen seiner letzten Arbeitstage am 29. Dezember 2025, um eine Hebelposition auf den eigenen Konzern einzugehen – nicht über Aktien, sondern über Optionen.

Wesentliche Eckpunkte des Deals:

  • Kauf von 38.000 Call-Optionen
  • Laufzeit bis 17. Dezember 2027
  • Basispreis (Strike): 28,00 Euro
  • Gesamteinsatz: 60.200 Euro privaten Kapitals

Damit setzt Buch darauf, dass die Vonovia-Aktie bis Ende 2027 deutlich über 28 Euro notiert.

„Strike 28“: Was der Optionskauf signalisiert

Der gewählte Basispreis von 28,00 Euro liegt nur rund 16 % über dem Schlusskurs vom Freitag von 24,06 Euro. Die Gewinnschwelle ist damit relativ nah am aktuellen Niveau und unterscheidet sich klar von sehr spekulativen Langlauf-Optionen, die oft weit aus dem Geld liegen.

Aus Marktsicht lassen sich daraus mehrere Punkte ableiten:

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  • Buch positioniert sich nicht kurzfristig, sondern mit knapp zweijährigem Anlagehorizont.
  • Der moderat über dem Markt liegende Strike deutet auf die Erwartung einer „normalisierten“ Bewertung hin, nicht auf eine extrem aggressive Spekulation.
  • Der Einsatz über Derivate erhöht den Hebel gegenüber einem reinen Aktienkauf – bei begrenztem Kapitaleinsatz.

Unüblich ist vor allem der Zeitpunkt: Viele scheidende CEOs nutzen den Abgang eher zur Risikoreduzierung und Diversifikation, statt eine zusätzliche gehebelte Long-Position aufzubauen. Dass Buch sich anders entscheidet, wird von Marktbeobachtern als Ausdruck der Überzeugung gewertet, dass die aktuelle Bewertung des Immobilienportfolios zu niedrig ist.

Schwacher Kurs, hohe Nähe zum Jahrestief

An der Börse blieb die kurzfristige Reaktion verhalten. Die Aktie schloss am Freitag bei 24,06 Euro und damit nur knapp über dem 52‑Wochen-Tief von 23,67 Euro. Auf Wochensicht ergibt sich ein Rückgang von rund 12 %, auf zwölf Monate gesehen liegt das Minus bei gut 18 %.

Charttechnisch ist die Lage angeschlagen:

  • Der Titel notiert etwa 21 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 30,39 Euro.
  • Der Abstand zum 200‑Tage-Durchschnitt von 27,35 Euro beträgt gut 12 % – ein Hinweis auf einen etablierten Abwärtstrend.
  • Der RSI (14 Tage) liegt mit 37,3 im unteren, aber noch nicht extrem überverkauften Bereich.

Die Marke im Bereich von etwa 23,60 Euro gilt derzeit als zentrale Unterstützung. Sie liegt dicht am jüngsten Jahrestief und markiert damit einen möglichen Boden, dessen Verteidigung über die kurzfristige Richtung entscheiden dürfte.

Strategische Weichenstellung unter Mucic

Mit dem Amtsantritt von Luka Mucic zeichnet sich eine Verschiebung der Prioritäten ab. Nach einer Phase der starken Expansion unter Buch rückt nun die „Feinarbeit“ stärker in den Mittelpunkt: Bilanzstärkung, Schuldenreduktion und eine konsequente Hebung des Net Asset Value (NAV).

Im Umfeld eines sich stabilisierenden Zinsniveaus in der Eurozone sehen viele Beobachter darin die richtige Stoßrichtung. Die Phase stark rückläufiger Transaktionsvolumina am Immobilienmarkt scheint sich zu beruhigen, was mittelfristig wieder Spielraum für strukturierte Verkäufe und Portfolioumbauten eröffnen könnte.

Die Guidance für 2026 mit einem avisierten bereinigten EBITDA von rund 3 Milliarden Euro bleibt dabei der zentrale fundamentale Anker. Sie bildet den Hintergrund, vor dem sowohl der Optionskauf Buchs als auch die anstehende Strategiekommunikation von Mucic zu interpretieren sind.

Nächste Impulse: Kapitalmarktauftritte im Fokus

Kurzfristig richtet sich der Blick auf die Auftritte des neuen CEOs in der kommenden Woche. Mucic wird sich auf Investorenkonferenzen in London und Lyon erstmals in seiner neuen Rolle präsentieren. Erwartet werden vor allem:

  • klare Eckpunkte zur Schuldenreduktion,
  • Maßnahmen zur Steigerung der operativen Marge,
  • und Hinweise, wie die bestehende 2026er-Guidance erreicht oder untermauert werden soll.

Aus Marktperspektive treffen damit zwei Ebenen aufeinander: ein technischer Markt, der in der Nähe des Jahrestiefs nach Orientierung sucht, und ein prominenter Insider, der über „Strike 28“ auf eine Erholung in den kommenden zwei Jahren setzt. Hält die Unterstützung im Bereich 23,60 Euro und kann Mucic eine überzeugende Roadmap für Bilanz und Ergebnis liefern, hätte die Aktie eine belastbare Basis für eine Gegenbewegung – fundamentale Richtschnur bleibt dabei das Ziel eines bereinigten EBITDA von rund 3 Milliarden Euro im Jahr 2026.

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