Während Verbio innerhalb weniger Wochen über 40 Prozent zulegte und sich den Analystenkonsens weit hinter sich ließ, sorgt bei Ørsted ein Umbau im Aufsichtsrat für Verunsicherung. Siemens Energy korrigiert vom Allzeithoch, RWE kämpft mit einer Fehlpositionierung im Gashandel, und Energiekontor schließt trotz Kursrückgang Projekt um Projekt ab. Die Erneuerbare-Energien-Branche zeigt sich diese Woche gespalten wie selten.

Siemens Energy: Starke Fundamentaldaten treffen auf Gewinnmitnahmen

Die Korrektur bei Siemens Energy hat sich in den vergangenen Wochen beschleunigt. Vom Allzeithoch bei 169,20 Euro Ende Februar hat der Kurs mittlerweile rund 17 Prozent abgegeben — am Freitag schloss die Aktie bei 139,65 Euro. Allein im letzten Monat ging es knapp 16 Prozent nach unten.

Die operative Entwicklung erzählt allerdings eine andere Geschichte. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres hat sich der Nettogewinn beinahe verdreifacht. Starke Nachfrage nach Gasturbinen und Netzinfrastruktur trieb das Ordervolumen um mehr als 30 Prozent nach oben — befeuert nicht zuletzt durch den wachsenden Strombedarf von Rechenzentren. Die Windsparte, lange das Sorgenkind des Konzerns, verengte ihren Verlust spürbar.

Analysten trauen dem Unternehmen für 2026 im Schnitt einen Umsatz von 43,9 Milliarden Euro zu — gut zehn Prozent mehr als in den vergangenen zwölf Monaten. Beim Nettogewinn liegt die Konsensschätzung bei 3,5 Milliarden Euro, ein Plus von über 86 Prozent. Die Deutsche Bank hob ihr Kursziel jüngst auf 170 Euro an und verwies auf die verbesserte Auftragspipeline und steigende Profitabilität. Am 12. Mai folgt der nächste Quartalsbericht — ein wichtiger Termin, um die Nachhaltigkeit des Wachstumskurses zu überprüfen.

RWE: Solides Jahresergebnis, aber der Gashandel wird zur Belastung

RWE lieferte für das Geschäftsjahr 2025 starke Zahlen ab. Das bereinigte EBITDA erreichte mit 5,1 Milliarden Euro das obere Ende der Prognosespanne, der bereinigte Nettogewinn lag mit 1,8 Milliarden Euro ebenfalls am oberen Rand. Die Jahresbilanz ist makellos. Die kurzfristige Perspektive weniger.

CEO Markus Krebber räumte auf einer Bernstein-Analystenkonferenz ein, dass die Handelssparte im ersten Quartal 2026 schwach abschneiden dürfte. Der Grund: RWE hatte auf fallende Gaspreise gesetzt — und wurde von der stärksten Gaspreisrally seit vier Jahren auf dem falschen Fuß erwischt. Der Aktienkurs reagierte am Freitag mit einem Rückgang von knapp fünf Prozent auf 54,96 Euro.

Strategisch bleibt der Konzern ambitioniert aufgestellt:

  • Investitionsvolumen 2026–2031: 35 Milliarden Euro netto, davon 17 Milliarden in den USA
  • Ziel-IRR: über 8,5 Prozent im Durchschnitt
  • EPS-Wachstum: 12 Prozent jährlich bis 2031, Zielwert rund 4,40 Euro je Aktie
  • Dividende 2026: geplante Erhöhung um 10 Prozent auf 1,32 Euro
  • EBITDA-Prognose 2026: 5,2 bis 5,8 Milliarden Euro

Zudem sicherte sich der Konzern durch den Verkauf einer 49-Prozent-Beteiligung an den Offshore-Windprojekten Thor und North Sea Cluster an Norges Bank frisches Kapital. In Deutschland plant RWE bis zu drei Gigawatt an wasserstofffähigen Gaskraftwerken — sofern die Regierung entsprechende Ausschreibungen startet. Die langfristige Investmentstory steht. Die Frage ist, wie viel Geduld der Markt für das schwache Handelsquartal aufbringt.

Energiekontor: Pipeline wächst, Kurs fällt

Selten klaffen operative Fortschritte und Kursentwicklung so weit auseinander. Energiekontor erreichte am 20. März den Financial Close für den Windpark Bützfleth im Landkreis Stade — drei Enercon-Turbinen mit je 5,6 Megawatt Nennleistung, das zweite derartige Projekt-Meilenstein in diesem Jahr. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2027 vorgesehen.

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CEO Peter Szabo betonte die Ausbaupipeline: Allein 2025 erreichte das Unternehmen bei 14 Projekten mit zusammen über 350 Megawatt den Financial Close — Rekord. Für 2026 stehen weitere Wind- und Solarparks mit mehr als 120 Megawatt Kapazität vor der Inbetriebnahme, 2027 folgen nochmals 85 Megawatt.

Der Kurs ignoriert diese Fortschritte bislang. Mit 31,45 Euro notiert die Aktie nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief und hat seit Jahresanfang über 16 Prozent verloren. Auf Zwölfmonatssicht beträgt das Minus sogar 44 Prozent. Der durchschnittliche Analystenkonsens liegt bei 129,50 Euro — eine enorme Diskrepanz zum aktuellen Niveau. Selbst mit Abschlägen für die Unsicherheit im Projektgeschäft bleibt die Bewertung mit einem KGV von 12,7 auf Basis der aktuellen Gewinne moderat.

Verbio: Rasante Rally wirft Bewertungsfragen auf

Kein anderer Titel im Sektor hat in den vergangenen Wochen eine vergleichbare Dynamik gezeigt. Der Biokraftstoffproduzent legte innerhalb eines Monats über 43 Prozent zu und erreichte am 17. März bei 37,04 Euro ein neues Zwölfmonatshoch. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von knapp 60 Prozent zu Buche. Die Aktie stieg in acht der letzten zehn Handelssitzungen.

Systematische Trendfolge-Strategien haben Verbio auf dem Radar. Im BOTSI®-Advisor-Ranking kletterte der Titel von Rang sechs auf Rang drei innerhalb eines 334 Aktien umfassenden Universums. Der Kurs hat eine Eigendynamik entwickelt, die sich zunehmend von den fundamentalen Bewertungsmaßstäben löst.

Genau hier liegt die Spannung. Der Analystenkonsens für die Aktie steht bei 26,20 Euro — rund 26 Prozent unter dem aktuellen Kurs von 35,48 Euro. Die Marktkapitalisierung hat die Marke von 2,3 Milliarden Euro überschritten. Verbio ist als einziger großindustrieller Produzent von Biodiesel, Bioethanol und Biomethan in Europa einzigartig positioniert, mit Produktionskapazitäten von rund 660.000 Tonnen Biodiesel, 260.000 Tonnen Bioethanol und 900 Gigawattstunden Biomethan jährlich. Ob die Bewertungslücke zwischen Momentum und Konsens hält, dürfte die kommenden Wochen prägen.

Ørsted: Boardwechsel verunsichert Anleger vor der Hauptversammlung

Zwei Verkaufstage in Folge drückten die Ørsted-Aktie an der Kopenhagener Börse um rund sechs Prozent nach unten. Auslöser war die Ankündigung eines umfassenden Umbaus im Aufsichtsrat. Drei neue Mitglieder mit Finanz- und Energieexpertise sollen auf der Hauptversammlung am 9. April gewählt werden, während zwei bisherige Mitglieder nicht erneut kandidieren.

Für Aktionäre kommt der Wechsel zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Zwar hat die Aktie seit Jahresbeginn rund 12,5 Prozent zugelegt, auf Jahressicht steht jedoch ein Minus von über 20 Prozent — über drei Jahre sogar ein Rückgang von mehr als 54 Prozent. Die operative Basis bleibt beeindruckend: 10,2 Gigawatt installierte Offshore-Kapazität, 8,1 Gigawatt im Bau und insgesamt mehr als 18 Gigawatt erneuerbare Kapazität weltweit.

Citi bestätigte am Freitag eine Halteempfehlung. Ørsted hält an seiner Jahresprognose eines Kern-EBITDA von mehr als 28 Milliarden Kronen für 2026 fest. Der Auftritt auf der Bernstein-ESG-Konferenz in Paris unterstrich den Anspruch, sich als zentrale Plattform der Energiewende für institutionelle Investoren zu positionieren. Die April-Hauptversammlung wird zum Stimmungstest — nicht nur für die neuen Boardmitglieder, sondern für das Vertrauen des Marktes in die strategische Ausrichtung des Konzerns.

Fünf Aktien, drei Geschwindigkeiten

Die vergangene Woche zeigt eindrücklich, wie wenig Erneuerbare-Energien-Aktien als homogener Block taugen. Siemens Energy und Ørsted stecken in Korrekturen — erstere getrieben von Gewinnmitnahmen nach einer Kursvervielfachung, letztere von Governance-Unsicherheit. RWE steht operativ solide da, muss aber die Folgen einer Fehleinschätzung im Gashandel verdauen.

Energiekontor und Verbio bewegen sich als Projektentwickler und Biokraftstoffproduzent in gänzlich anderen Nischen. Energiekontors Problem ist nicht die Substanz, sondern die fehlende Marktwahrnehmung. Bei Verbio verhält es sich umgekehrt: Die Aufmerksamkeit ist da, die Bewertung aber weit über dem Analystenkonsens hinausgeschossen.

Die kommenden Wochen bringen Klarheit. Am 9. April steht Ørsteds Hauptversammlung an, Mitte Mai folgt Siemens Energys Quartalsbericht. Für RWE wird entscheidend, ob das schwache Handelsquartal ein Quartal bleibt — oder ob die Gaspreispositionierung tiefere Spuren in der Bilanz hinterlässt. In einem Sektor, der Milliarden an Investitionen anzieht, sortiert der Markt gerade mit harter Hand die Gewinner von den Nachzüglern.

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