Erneuerbare Energien: Siemens Energy korrigiert, Vulcan Energy sichert Lizenz-Meilenstein
Wind- und Solarenergie erzeugten 2025 erstmals mehr Strom in der EU als fossile Brennstoffe. Die Debatte hat sich verschoben: Nicht ob die Energiewende kommt, sondern wie effizient sie umgesetzt wird, bestimmt die Bewertung der Branche. Netzengpässe, Finanzierungskosten und regulatorische Hürden trennen inzwischen die Gewinner von den Nachzüglern. BloombergNEF erwartet in den kommenden fünf Jahren weltweit 4,5 Terawatt an neuen Wind- und Solarinstallationen — ein Anstieg von 67 Prozent gegenüber dem Vorgangszeitraum. Gleichzeitig schätzt Wood Mackenzie, dass politische Kehrtwenden in den USA die prognostizierte Erneuerbaren-Kapazität dort um 30 Prozent reduziert haben. Ein geteiltes Bild also, das fünf Aktien aus dem Sektor auf sehr unterschiedliche Weise trifft.
Siemens Energy: Rekord-Auftragsbestand trifft auf Bewertungsdruck
Der DAX-Schwergewichtler hat eine Achterbahnfahrt hinter sich. Ende Februar noch bei rund 169 Euro, notiert die Aktie heute bei knapp 140 Euro — ein Rückgang von über 15 Prozent in nur einem Monat. Gewinnmitnahmen nach einer fulminanten Rallye, nicht fundamentale Probleme, treiben die Korrektur.
Die Zahlen zum ersten Fiskalquartal 2026 waren beeindruckend: Aufträge von 17,6 Milliarden Euro übertrafen den Konsens um 22 Prozent. Der Auftragsbestand kletterte auf den Rekordwert von 146 Milliarden Euro. Ein Aktienrückkaufprogramm über zwei Milliarden Euro und angehobene Mittelfristziele unterstrichen das Selbstbewusstsein des Managements auf dem Kapitalmarkttag Anfang März.
J.P. Morgan-Analyst Phil Buller hält an seinem Kursziel von 200 Euro fest. Das durchschnittliche Analystenziel liegt bei knapp 166 Euro — die Spanne reicht allerdings von 89 bis 220 Euro. Diese enorme Bandbreite spiegelt die zentrale Unsicherheit wider: Siemens Gamesa, die Windkraftsparte, soll 2026 gerade einmal die Gewinnschwelle erreichen, nachdem 2025 ein operativer Verlust von 1,36 Milliarden Euro zu Buche stand. Die Frage, ob der Turnaround dort gelingt, entscheidet über die Nachhaltigkeit der gesamten Bewertung.
ABO Energy: Historischer Kursverfall offenbart Branchenkrise
Kaum eine Aktie im deutschen Erneuerbaren-Sektor hat so dramatisch verloren. Von einem Allzeithoch bei 96 Euro im Jahr 2023 auf rund 6 Euro — der Absturz von ABO Energy (ehemals ABO Wind AG) ist beispiellos. Im Februar 2026 markierte die Aktie bei 4,22 Euro ein Allzeittief, bevor eine partielle Erholung von gut 37 Prozent im letzten Monat einsetzte.
Der Netto-Halbjahresgewinn schrumpfte von 14,2 auf 9,6 Millionen Euro. Die Dividendenrendite von über 10 Prozent täuscht: Sie ist das Resultat des Kursverfalls, nicht einer großzügigen Ausschüttungspolitik. Analysten sehen Kursziele zwischen 8 und 10 Euro — deutlich über dem aktuellen Niveau, wobei die Abdeckung dünn ist.
Der Kollaps reflektiert eine sektorweite Neubewertung reiner Windparkentwickler. Steigende Zinsen, zähe Genehmigungsverfahren und unternehmensspezifischer Ergebnisdruck haben sich gegenseitig verstärkt. Ob das aktuelle Kursniveau eine Bodenbildung darstellt oder lediglich eine Zwischenstation auf dem Weg nach unten, bleibt offen.
Vulcan Energy: Erste Produktionslizenz im Oberrheingraben erteilt
Eine Aktie nahe dem 52-Wochen-Tief — und trotzdem ein strategischer Meilenstein. Vulcan Energy hat diese Woche die Produktionslizenz für das Lionheart-Projekt in Rheinland-Pfalz erhalten. Es ist die erste Lizenz dieser Art im Oberrheingraben. Die LiThermEx-Genehmigung deckt das geothermische Produktionsgebiet Insheim ab, wo bereits erneuerbare Wärme und Strom erzeugt werden. Sie gilt zunächst für sechs Jahre; das Unternehmen strebt eine Verlängerung auf die geplante Minenlaufzeit von 30 Jahren an.
Die Dimensionen des Projekts sind ambitioniert: 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid-Monohydrat jährlich — genug für rund 500.000 Elektrofahrzeug-Batterien — plus 275 GWh erneuerbarer Strom und 560 GWh Wärme als Koprodukt. Am Bohrstandort Trappelberg bei Landau haben die Vorbereitungsarbeiten begonnen, mit Bohrstart in der zweiten Jahreshälfte 2026.
Die Aktie notiert bei 1,83 Euro und hat seit Jahresbeginn knapp 30 Prozent verloren. Analysten sehen ein Konsensziel deutlich über dem aktuellen Niveau. Vulcan bleibt allerdings ein vorkommerzielles Unternehmen ohne Umsatz auf Konzernebene — die kommerzielle Produktion wird frühestens 2028 erwartet.
Energiekontor: Doppelter Financial Close stärkt Pipeline
Energiekontor lieferte diese Woche gleich zwei bedeutende Projektmeilensteine. Der Financial Close für den Windpark Bützfleth sichert den Baubeginn eines 17-Megawatt-Projekts mit drei Enercon-Turbinen. Ab Ende 2027 sollen rund 53 Gigawattstunden Strom jährlich erzeugt werden — genug für über 16.000 Haushalte.
Parallel dazu erreichte das Repowering-Projekt Donstorf den Financial Close. Vier Vestas-Turbinen mit jeweils 7,2 Megawatt Nennleistung, einer Nabenhöhe von 175 Metern und 172 Metern Rotordurchmesser werden am Standort Eydelstedt in Niedersachsen errichtet. Insgesamt befinden sich neun Projekte mit mehr als 230 Megawatt für das eigene Portfolio im Bau.
Die Aktie hat allerdings schwer gelitten. Mit 31,15 Euro notiert sie knapp über dem 52-Wochen-Tief und hat auf Jahressicht über 44 Prozent eingebüßt. Bei einem geschätzten Konsens-KGV von etwa 8x für 2026 beschreiben Analysten die Bewertung als attraktiv. Die Jahresergebnisse am 31. März werden zeigen, ob die aktive Pipeline sich auch in den Zahlen niederschlägt.
Ørsted: Revolution Wind liefert ersten Strom nach Rechtsstreit
Der dänische Offshore-Wind-Riese vermeldet seinen wichtigsten operativen Meilenstein des Jahres. Revolution Wind, ein 704-MW-Offshore-Windpark vor der US-Ostküste, speist seit Mitte März Strom ins Netz von New England ein. Langfristige Stromabnahmeverträge über 20 Jahre mit Versorgern in Rhode Island und Connecticut sichern die Cashflows ab. Das Projekt soll über 350.000 Haushalte versorgen.
Der Weg dorthin war turbulent. Die Trump-Administration hatte im Dezember 2025 fünf große Offshore-Windprojekte an der Ostküste unter Berufung auf nationale Sicherheitsbedenken gestoppt. Bundesrichter erlaubten die Wiederaufnahme, nachdem die Regierung kein hinreichend dringliches Sicherheitsrisiko nachweisen konnte. Die Verzögerungen hinterließen dennoch Spuren: Ørsted verbuchte Wertminderungen von insgesamt knapp 87 Millionen Dollar im zweiten Halbjahr 2025.
Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 187 Milliarden Dänischen Kronen. Analysten vergeben im Konsens ein „Kaufen"-Rating mit einem durchschnittlichen Kursziel von 143 DKK — nahezu auf dem aktuellen Niveau. Das Sunrise-Wind-Projekt bleibt ausgesetzt; CEO Rasmus Errboe arbeitet nach eigenen Angaben an einer Lösung mit der US-Regierung.
Sektordynamik: Größe schützt, Nische birgt Risiko
Die fünf Aktien offenbaren ein klares Muster entlang der Achsen Größe, Entwicklungsstand und Katalysatoren:
- Siemens Energy dominiert mit einer Marktkapitalisierung von rund 130 Milliarden Euro, ist aber nach der Rallye anfällig für Enttäuschungen — insbesondere bei Siemens Gamesa.
- Ørsted profitiert vom Revolution-Wind-Meilenstein und langlaufenden Abnahmeverträgen, kämpft jedoch weiterhin mit politischen Risiken in den USA.
- Energiekontor zeigt mit der aktiven Baupipeline operative Stärke, die sich im Kurs bislang nicht widerspiegelt. Das einstellige KGV signalisiert Skepsis des Marktes.
- ABO Energy steht stellvertretend für die Krise reiner Windparkentwickler: Steigende Zinsen und Genehmigungsstaus haben die Bewertung pulverisiert.
- Vulcan Energy ist der Sonderfall — ein vorkommerzieller Lithium-Geothermie-Entwickler, dessen regulatorische Fortschritte den Kursverfall bislang nicht aufhalten konnten.
Auffällig: Alle fünf Titel weisen eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von rund 50 Prozent auf. Der Sektor ist nervös.
Europas Energiewende als Bewährungsprobe
Mehrere Katalysatoren rücken in den kommenden Wochen in den Fokus. Siemens Energy berichtet am 12. Mai Quartalszahlen — entscheidend wird die Frage sein, ob die Erholung bei Gamesa Substanz hat und die KI-getriebene Nachfrage nach Gasturbinen anhält. Vulcan Energys nächster Ergebnisbericht am 29. März gibt Aufschluss über den Fortschritt an den Bohrstandorten. Energiekontors Jahreszahlen folgen am 31. März.
Die strukturelle Spannung zwischen europäischer Förderung und amerikanischem Gegenwind wird das Leitmotiv des Sektors bleiben. Geopolitische Verwerfungen haben Energiesicherheit wieder ganz oben auf die Agenda gesetzt. Die Ökonomie erneuerbarer Energien ist zu überzeugend, um sie zu ignorieren — aber Umsetzung, Finanzierung und regulatorische Klarheit werden darüber entscheiden, welche Unternehmen aus dieser Phase gestärkt hervorgehen.
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