Tilray Aktie: Zwiespältige Zahlen
Tilray legt Rekordumsatz vor, verfehlt aber die Gewinnerwartungen deutlich. Die Aktie hat nach den Quartalszahlen spürbar an Boden verloren, während Analysten ihre Einschätzungen zurückfahren. Im Hintergrund steht die Frage, ob der Konzern seine Profitabilität trotz Wachstum stabilisieren kann.
Umsatzrekord, aber deutlicher Gewinnrückgang
Tilray übertraf im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 die Umsatzprognosen der Wall Street. Der Konzern erzielte 217,5 Millionen US‑Dollar und lag damit rund 6,35 Millionen US‑Dollar über dem Konsens von 211,15 Millionen US‑Dollar. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 3 Prozent und dem höchsten Quartalsumsatz der Unternehmensgeschichte.
Auf Ergebnisebene fiel das Bild deutlich schwächer aus. Der GAAP‑Verlust je Aktie lag bei −0,41 US‑Dollar und damit fast dreimal so hoch wie die erwarteten −0,14 US‑Dollar. Der Nettoverlust belief sich auf 43,5 Millionen US‑Dollar. Im Vergleich zum Vorjahresquartal (−85,3 Millionen US‑Dollar) ist das zwar eine Verbesserung um 49 Prozent, bleibt aber klar im roten Bereich.
Wichtige Kennzahlen Q2 GJ 2026:
- Umsatz: 217,5 Mio. US‑Dollar (+3 % YoY, Rekordwert)
- GAAP‑Verlust je Aktie: −0,41 US‑Dollar (Prognose: −0,14 US‑Dollar)
- Bereinigter Verlust je Aktie: −0,02 US‑Dollar
- Nettoverlust: 43,5 Mio. US‑Dollar (Vorjahr: 85,3 Mio. US‑Dollar)
- Adjusted EBITDA: 8,4 Mio. US‑Dollar
- Barmittel und kurzfristige Anlagen: 291,6 Mio. US‑Dollar
- Nettocash-Position: ca. 30 Mio. US‑Dollar
Internationales Cannabis als Wachstumstreiber
Das internationale Cannabissegment war klarer Lichtblick im Quartal. Der Umsatz stieg hier im Jahresvergleich um 36 Prozent. Im kanadischen Freizeitmarkt legten die Erlöse um 6 Prozent zu.
Die Pharmasparte erreichte mit 85,3 Millionen US‑Dollar ebenfalls einen neuen Quartalsrekord. Das Distributionsgeschäft wuchs damit um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Das Management reduzierte nach eigenen Angaben bewusst das Angebot im kanadischen Großhandelsmarkt, um Bestände in margenstärkere internationale Märkte umzulenken. Diese Strategie soll im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres 2026 fortgesetzt werden.
Getränke-Geschäft schwächelt
Deutlich schwächer präsentierte sich die Getränkesparte. Der Segmentumsatz sank auf 50,1 Millionen US‑Dollar nach 63,1 Millionen US‑Dollar im Vorjahr. Gleichzeitig ging die Bruttomarge von 40 auf 31 Prozent zurück.
Belastet wird das Geschäft durch branchenweite Gegenwinde im Craft-Beer-Segment und Sortimentsbereinigungen im Rahmen des Optimierungsprogramms „Project 420“. Tilray brachte neue hanfbasierte THC-Cocktails und alkoholfreie Spirituosen auf den Markt, die sich an Trends wie „Dry January“ orientieren. Ob diese Produkte zu einer nachhaltigen Erholung des Segments beitragen, ist derzeit offen.
Analysten werden vorsichtiger
Das deutliche Verfehlen der Gewinnerwartungen führte zu schnellen Reaktionen auf der Analystenseite. Zacks Investment Research stufte die Aktie von „Hold“ auf „Strong Sell“ ab. Der Konsens liegt aktuell bei „Reduce“, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 15,00 US‑Dollar.
Die Verteilung der Ratings zeigt eine zurückhaltende Haltung:
- Buy: 1
- Hold: 4
- Sell: 2
Technisches Bild eingetrübt
Charttechnisch hat sich die Lage verschlechtert. Die Aktie notiert unter der 50‑Tage-Linie von 9,91 US‑Dollar und der 200‑Tage-Linie von 10,70 US‑Dollar. Seit dem 52‑Wochen-Hoch von 23,20 US‑Dollar im Oktober 2025 hat der Kurs um mehr als 59 Prozent nachgegeben.
Zuletzt schloss die Aktie bei 9,46 US‑Dollar, das Handelsvolumen lag dabei deutlich unter dem durchschnittlichen Tagesumsatz von rund 7 Millionen Aktien. Der institutionelle Streubesitzanteil von 9,35 Prozent ist relativ niedrig, was Kursausschläge verstärken kann.
Bilanz als Stabilitätsfaktor
Trotz der operativen Herausforderungen zeigt die Bilanz mehr Stabilität. Tilray weist inzwischen eine Nettocash-Position von rund 30 Millionen US‑Dollar aus, nachdem im Vorquartal noch Nettoschulden von 3,8 Millionen US‑Dollar bestanden. Das Debt‑to‑Equity‑Verhältnis liegt bei konservativen 0,19. Eine Current Ratio von 2,81 signalisiert solide kurzfristige Liquidität.
Das Management bestätigte die Prognose für das Gesamtjahr 2026. Der bereinigte EBITDA soll weiterhin zwischen 62 und 72 Millionen US‑Dollar liegen.
US-Markt als Unsicherheitsfaktor
Die Exekutivverordnung von Präsident Trump zur Herabstufung von Cannabis auf Schedule III im Dezember 2025 sorgte kurzfristig für Kursfantasie. CEO Irwin Simon stellt das Unternehmen als gut positioniert dar, um von einer weiteren Liberalisierung des US‑Marktes zu profitieren.
Die aktuellen Schätzungen der Analysten fallen jedoch verhalten aus. Für die kommenden drei Jahre wird im Durchschnitt ein jährliches Umsatzwachstum von 4,7 Prozent erwartet. Das liegt deutlich unter der für die Cannabisbranche prognostizierten Wachstumsrate von 32 Prozent und markiert damit eine zentrale Herausforderung für Tilray im weiteren Jahresverlauf.
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