Thyssenkrupp Aktie: Zu viele offene Fronten
Gewinnwarnung und Milliardenauftrag am selben Tag — die Wasserstofftochter Nucera lieferte zuletzt ein Lehrstück in Sachen Widersprüchlichkeit. Und sie steht damit symptomatisch für den Gesamtkonzern.
Nucera: Einbruch im Kerngeschäft, Hoffnung aus Andalusien
Die Zahlen sind eindeutig: Nucera erwartet für das laufende Geschäftsjahr ein operatives Minus von 30 bis 80 Millionen Euro. Noch vor Kurzem kalkulierte die Wasserstofftochter bestenfalls mit einer schwarzen Null. Ausgelöst wurde die Revision durch technische Nachbesserungen an bereits ausgelieferten Modulen und den Stopp einer US-Pilotanlage durch einen Kunden. Der Umsatz im Wasserstoffsegment selbst bricht dramatisch ein — von 459 Millionen Euro im Vorjahr auf nun noch 120 bis 170 Millionen Euro.
Gleichzeitig sicherte sich Nucera einen der größten Einzelaufträge der Unternehmensgeschichte: 300 Megawatt Elektrolyseure für das Projekt „Onuba" in Andalusien, das mit rund 45.000 Tonnen grünem Wasserstoff jährlich als größtes Vorhaben seiner Art in Südeuropa gilt. Die Auftragseingangs-Prognose für das kommende Geschäftsjahr stieg daraufhin auf 550 bis 850 Millionen Euro. Anleger reagierten dennoch verhalten — die Umsätze aus dem Deal fließen größtenteils erst ab 2026/27 in die Bücher.
Stahlverkauf stockt, Rüstung stabilisiert
Beim Mutterkonzern laufen die Baustellen parallel. Der Verkauf der Stahlsparte an Indiens Jindal Steel International gerät ins Stocken. Laut Bloomberg zweifeln leitende Konzernmitarbeiter zunehmend daran, ob die Transaktion gelingt — zentraler Streitpunkt ist, wie viel Kapital Jindal bereitstellen kann, um die Sparte durch die anhaltende Flaute auf dem europäischen Stahlmarkt zu tragen.
Als Stabilitätsfaktor erweist sich hingegen die Rüstungstochter TKMS mit einem Auftragsbestand von 18,7 Milliarden Euro, darunter F127-Fregatten und zwölf U-Boote der Klasse 212CD.
Die Quartalszahlen spiegeln das gespaltene Bild wider: Der Umsatz sank um acht Prozent auf 7,2 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT legte um zehn Prozent auf 211 Millionen Euro zu. Unter dem Strich steht ein Nettoverlust von 334 Millionen Euro — vor allem wegen 401 Millionen Euro Restrukturierungskosten in der Stahlsparte.
Drei Entscheidungen bis zum Sommer
Die Aktie notiert rund 40 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch und bewegt sich knapp oberhalb des Jahrestiefs. Solange keine der drei zentralen Fragen beantwortet ist — Jindal-Deal, Zukunft von Materials Services, HKM-Transfer an Salzgitter zum 1. Juni — fehlt der Basis für eine Neubewertung. Am 12. Mai legt Thyssenkrupp den Halbjahresbericht vor. Dann dürfte zumindest Klarheit darüber bestehen, in welche Richtung sich die Stahlsparte bewegt und ob der geplante Zeitplan für eine Verselbstständigung von Materials Services im Herbst 2026 noch hält.
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