Thyssenkrupp Aktie: Zerissen
Grüner Stahl für den BMW iX3, eine Rüstungstochter mit Rekordbewertung — und trotzdem befindet sich die Thyssenkrupp-Aktie auf dem tiefsten Stand seit 52 Wochen. Der Konzern liefert operative Fortschritte, während seine Finanzarchitektur unter Druck gerät. Das Paradox hat einen konkreten Auslöser.
Amundi zieht sich zurück — und reißt den Kurs mit
Am 13. März reduzierte der französische Asset-Manager Amundi seinen Stimmrechtsanteil auf 4,92 Prozent. Der Kurs reagierte mit einem Tagesrückgang von bis zu zehn Prozent. Institutionelle Investoren werteten den Schritt als Warnsignal — in einem ohnehin belasteten Stahlsektor verstärkt ein solcher Rückzug das Misstrauen gegenüber der Transformationsstrategie erheblich.
Gestern notierte die Aktie bei 7,79 Euro und damit exakt auf dem 52-Wochen-Tief. Gegenüber dem Hoch von 13,24 Euro aus dem Oktober 2025 entspricht das einem Rückgang von über 41 Prozent.
Parallel gerät der geplante Verkauf der Stahlsparte an Indiens Jindal Steel International ins Stocken. Laut mit der Sache vertrauten Personen zweifeln leitende Mitarbeiter zunehmend daran, dass ein Deal noch zustande kommt. Der Knackpunkt: Jindal soll nicht in der Lage oder willens sein, ausreichend Kapital bereitzustellen, um Thyssenkrupp Steel Europe durch den anhaltenden Abschwung im europäischen Stahlmarkt zu tragen. Ohne belastbare Finanzierungszusagen fehlt dem Vorhaben die Grundlage.
Restrukturierungskosten fressen Gewinne
Die Quartalszahlen verdeutlichen das Dilemma. Im ersten Quartal 2025/26 erzielte der Konzern 7,2 Milliarden Euro Umsatz und ein bereinigtes EBIT von 211 Millionen Euro. Allein die Restrukturierungskosten bei Steel Europe von 401 Millionen Euro drückten das Konzernergebnis jedoch in einen Nettoverlust von 334 Millionen Euro.
Scheitert der Jindal-Deal endgültig, müsste Thyssenkrupp rasch eine tragfähige Alternative für eine Sparte entwickeln, die strukturell von schwachen Margen, hohen Energiekosten und globalem Überangebot geprägt ist.
Lichtblicke: bluemint® und TKMS
Auf der anderen Seite stehen echte operative Erfolge. Ab 2026 beliefert Thyssenkrupp die BMW Group mit bluemint® recycled — einem CO₂-reduzierten Stahl, der laut TÜV Süd gegenüber konventionellem Material messbar weniger Emissionen verursacht. Eingesetzt wird er in der Außenhaut, den Innenteilen und dem Batteriegehäuse des BMW iX3. Bemerkenswert ist, dass das Material die strengen O5-Oberflächenstandards für sichtbare Fahrzeugteile erfüllt — ein Qualitätsniveau, das CO₂-reduzierter Stahl bislang kaum erreichen konnte.
Stabiler Anker im Portfolio bleibt die Rüstungstochter Thyssenkrupp Marine Systems. Seit dem Börsengang im Oktober 2025 hat die TKMS-Aktie rund 50 Prozent zugelegt. Mit einem Auftragsbestand von 18,7 Milliarden Euro, laufenden U-Boot- und Fregatten-Programmen sowie einer Bewerbung um bis zu zwölf kanadische U-Boote ist TKMS der am höchsten bewertete Konzernteil.
Drei Stichtage bis Sommer
Das zweite Quartal bringt konkrete Entscheidungsmomente: Ende März 2026 muss die Handelstochter Materials Services operative Fortschritte auf dem Weg in die Eigenständigkeit vorweisen — Optionen reichen vom Börsengang bis zum Verkauf. Am 12. Mai folgt der Halbjahresbericht, zum 1. Juni soll die Übertragung der HKM-Anteile an Salzgitter abgeschlossen sein. Solange der Verhandlungsstand mit Jindal und die Zukunft von Materials Services ungeklärt bleiben, dürfte die Aktie ihren Boden kaum finden.
Thyssenkrupp-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Thyssenkrupp-Analyse vom 17. März liefert die Antwort:
Die neusten Thyssenkrupp-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Thyssenkrupp-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 17. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Thyssenkrupp: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...








