Bei Thyssenkrupp laufen gleich mehrere Weichenstellungen gleichzeitig – und genau das macht den Markt nervös. Entscheidend sind jetzt zwei Baustellen: die Verkaufsprüfung der Stahlsparte mit Jindal und der Bewährungstest bei Materials Services bis Ende März. Schafft der Konzern in den nächsten Wochen genug Fortschritt, um Vertrauen zurückzugewinnen?

Der Kurs spiegelt die Skepsis: Am Freitag schloss die Aktie bei 9,23 Euro (Tag: -3,23%), in den vergangenen 30 Tagen -15,30%. Zudem notiert der Titel klar unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 10,71 Euro – ein Zeichen dafür, dass viele Anleger vorerst auf Abstand bleiben.

Steel Europe: Verkaufsgespräche – und teure Nebenwirkungen

Im Zentrum steht die Stahlsparte Steel Europe. Mit Jindal Steel International laufen weiter vertrauliche Gespräche – inklusive Due Diligence, also der detaillierten Prüfung von Zahlen, Verträgen und Risiken. Parallel hat Thyssenkrupp bereits Schritte zur Neuaufstellung gemeldet: Ein Tarifvertrag zur Stahl-Neuausrichtung wurde im Dezember 2025 abgeschlossen.

Auch beim HKM-Thema gibt es Bewegung. Im Februar 2026 folgte ein Term Sheet mit Salzgitter zur Zukunft von HKM. Die Übertragung der HKM-Anteile an Salzgitter ist laut Plan zum 1. Juni 2026 vorgesehen.

Der Umbau hat allerdings einen Preis. Für das Geschäftsjahr 2025/2026 stellt Thyssenkrupp einen Nettoverlust von 400 bis 800 Mio. Euro in Aussicht – begründet mit Restrukturierungsrückstellungen bei Steel Europe.

Ein weiterer Dämpfer kommt beim „grünen Stahl“: Thyssenkrupp Steel hat ein Ausschreibungsverfahren zur Beschaffung von grünem Wasserstoff für Duisburg ausgesetzt. Grund: Die Angebote lagen „deutlich höher“ als erwartet und damit außerhalb wirtschaftlich vertretbarer Kalkulationen. Am Kernprojekt hält der Konzern dennoch fest – der Bau der DRI-Anlage in Duisburg läuft weiter.

Materials Services: Bis Ende März muss geliefert werden

Mindestens genauso wichtig für die kurzfristige Stimmung ist Materials Services. Bis Ende März soll die Handelstochter operative Fortschritte zeigen, um den Weg in Richtung Eigenständigkeit zu öffnen. Laut Insidern sind mehrere Optionen möglich: ein Börsengang im Herbst 2026, ein vollständiger Verkauf oder eine Abspaltung.

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Brisant ist die Dimension: Materials Services erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 11,4 Mrd. Euro und beschäftigte über 15.000 Mitarbeiter. Das ist kein Randthema, sondern ein zentraler Baustein im Konzernumbau.

Zusätzlich prüft Thyssenkrupp eine Umwandlung in eine KGaA. Dieses Konstrukt kann bei künftigen Anteilsverkäufen mehr Kontrolle sichern – ein Hinweis darauf, dass der Konzern verschiedene Strukturpfade ernsthaft vorbereitet.

Quartalszahlen und TKMS: Licht und Schatten im Portfolio

Im ersten Quartal 2025/26 meldete Thyssenkrupp 7,2 Mrd. Euro Umsatz und ein bereinigtes EBIT von 211 Mio. Euro. Unterm Strich stand jedoch ein Nettoverlust von 334 Mio. Euro – vor allem wegen Restrukturierungskosten von 401 Mio. Euro bei Steel Europe.

Operativ gibt es aber auch positive Signale aus dem Stahlgeschäft: Ein neuer Liefervertrag mit BMW für das Modell iX3 ab 2026 zeigt, dass die Sparte trotz Umbau weiter Aufträge sichert.

Als Stabilitätsanker gilt die Marinetochter TKMS: Mit einem Auftragsbestand von 18,7 Mrd. Euro zum Jahresende 2025 bleibt sie ein wichtiger Gegenpol zu den Restrukturierungslasten. Thyssenkrupp hält weiterhin 51%.

Zum nächsten Fixpunkt wird der Halbjahresbericht am 12. Mai 2026. Bis dahin werden drei Punkte den Ton angeben: der Stand der Jindal-Prüfung, die Ergebnisse bei Materials Services bis Ende März und die geplante HKM-Übertragung zum 1. Juni 2026.

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