Der geplante Einstieg des indischen Konzerns Jindal Steel bei der Stahlsparte von Thyssenkrupp droht sich zum Belastungstest für den gesamten Konzernumbau zu entwickeln. Neue, deutlich härtere Forderungen des potenziellen Partners stoßen auf massiven Widerstand der IG Metall und stellen zentrale Vereinbarungen infrage. Gelingt es, diese Fronten rechtzeitig vor den nächsten Aktionärsterminen zu überbrücken?

Neuer Streit um Jobabbau

Auslöser der aktuellen Spannungen ist ein Bericht der „Rheinischen Post“, der sich auf Unternehmenskreise beruft. Demnach verlangt Jindal Einschnitte, die klar über den bereits vereinbarten Sanierungstarifvertrag hinausgehen.

Die zentralen Konfliktpunkte:

  • Bereits beschlossen: Abbau von 11.000 Stellen in der Stahlsparte
  • Neu laut Bericht: zusätzliche 2.000 bis 3.000 Arbeitsplätze sollen wegfallen
  • IG Metall bezeichnet die getroffenen Vereinbarungen als „unantastbar“
  • Offizielle Stellungnahmen von Thyssenkrupp und Jindal bleiben aus, Verweis auf laufende Verhandlungen

Die Gewerkschaft reagierte prompt und unmissverständlich. IG-Metall-Bezirksleiter Knut Giesler fordert ein Zukunftskonzept auf Basis der bestehenden Abmachungen – weitergehende Einschnitte lehnt er ab. Damit zeichnet sich ein harter Kurs ab, der die Spielräume in den Verhandlungen deutlich einengt.

Thyssenkrupp und Jindal verweigern bislang Kommentare zu den Berichten und verweisen auf die Vertraulichkeit der laufenden Gespräche. Genau diese Mischung aus hohen Forderungen und wenig Transparenz sorgt nun für Unsicherheit.

Konzern in der Zwickmühle

Die neuen Bedingungen von Jindal treffen den Konzern in einer sensiblen Phase. Der Verkauf der Stahlsparte ist ein zentrales Element der Restrukturierungsstrategie. Ziel ist es, die Bilanz zu entlasten und die Ausrichtung auf profitablere Bereiche weiter voranzutreiben.

Damit steckt das Management in einem Dilemma:

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Thyssenkrupp?

  • Entgegenkommen gegenüber Jindal könnte die Transaktion sichern, aber einen offenen Konflikt mit der IG Metall auslösen.
  • Festhalten an der „roten Linie“ der Gewerkschaft erhöht das Risiko, dass der Deal scheitert oder sich erheblich verzögert.

Ein Scheitern der Verhandlungen würde nach Lage der Dinge nicht nur den Stahlbereich treffen. Die gesamte strategische Neuausrichtung könnte um Monate, womöglich Jahre zurückgeworfen werden. Marktteilnehmer rechnen in einem solchen Szenario mit deutlichem Druck auf den Aktienkurs.

Aktuell spiegelt sich die angespannte Lage nur teilweise im Chart wider: Die Aktie schloss gestern bei 10,38 Euro. Auf Sicht von 12 Monaten steht zwar ein kräftiges Plus von über 150 Prozent, zugleich liegt der Kurs aber rund 22 Prozent unter dem 52‑Wochen-Hoch – ein Hinweis darauf, dass die Euphorie der vergangenen Monate einer vorsichtigeren Einschätzung gewichen ist.

TKMS als Lichtblick

Vor diesem Hintergrund gewinnt der Blick auf andere Konzernteile an Bedeutung. Positiv sticht dabei die Marinesparte heraus: Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) wurde am 20. Oktober 2025 erfolgreich an die Börse gebracht.

Der Schritt bringt mehrere Vorteile:

  • Mehr strategische Flexibilität durch die Eigenständigkeit von TKMS
  • Potenzielle Werthebung, da Anleger nun gezielt in das Marinesegment investieren können
  • Aktionäre sind indirekt an zwei börsennotierten Unternehmen beteiligt

Während der Börsengang von TKMS als klarer Fortschritt im Umbau gewertet werden kann, zeigt der aktuelle Streit im Stahlgeschäft, wie anspruchsvoll die verbleibende Transformation bleibt. Sollte der Jindal-Deal scheitern, müsste Thyssenkrupp Alternativen prüfen, die voraussichtlich weniger attraktiv ausfallen würden – sowohl finanziell als auch strategisch.

Ausblick: Zwei Termine im Fokus

Die kommenden Wochen sind entscheidend für die weitere Entwicklung. Im Zentrum steht die Frage, ob ein Kompromiss zwischen den Forderungen von Jindal und der klar gezogenen Grenze der IG Metall gefunden werden kann. Ohne Einigung dürfte der Stahl-Deal erheblich ins Wanken geraten.

Für Anleger rücken zwei konkrete Daten in den Kalender:

  • 30. Januar 2026: Hauptversammlung – hier dürfte das Management Stellung zur Lage im Stahlgeschäft und zum Fortgang der Verhandlungen beziehen.
  • 12. Februar 2026: Vorlage der Quartalszahlen – dann wird sichtbar, wie sich operative Entwicklung und Umbaukosten im Zahlenwerk niederschlagen.

Bis dahin bleibt der Stahlkonflikt der zentrale Prüfstein für den Konzernumbau. Ob die Aktie ihren jüngsten Aufwärtstrend fortsetzen kann, hängt maßgeblich davon ab, ob Thyssenkrupp einen tragfähigen Stahl-Kompromiss findet, ohne die mühsam erarbeitete Restrukturierungsstrategie aus dem Gleichgewicht zu bringen.

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