Der Höhenflug der Siemens Energy Aktie trifft auf einen klaren Meinungsstreit unter Analysten. Während einige Häuser nach starken Signalen aus Großbritannien und strukturellem Wachstumspotenzial deutlich höhere Kurse erwarten, bleibt eine große Investmentbank skeptisch. Wie passt das zusammen?

Aktuelle Lage am Markt

Nach der kräftigen Rally der vergangenen Monate legt der Titel heute eine Pause ein. Die Aktie notiert am Mittwoch bei 127,65 Euro und damit rund 2 % unter dem Vortag. Auf Sicht von zwölf Monaten steht jedoch ein Plus von rund 151 % zu Buche, der Abstand zum 52‑Wochen-Hoch von 141,84 Euro beträgt etwa 10 %.

Wichtig ist: Trotz der heutigen Abkühlung bewegt sich die Aktie deutlich über ihren gleitenden Durchschnitten:

  • Kurs: 127,65 Euro
  • Abstand zum 200‑Tage-Durchschnitt: rund +29 %
  • 12‑Monats-Performance: +150,98 %
  • RSI (14 Tage): 85,4 (überkauftes Niveau)

Charttechnisch bleibt der übergeordnete Aufwärtstrend damit intakt. Der hohe RSI und die starke Vorperformance signalisieren allerdings ein deutlich überhitztes Umfeld, in dem Gewinnmitnahmen naheliegen.

Starke Impulse aus Großbritannien

Ein wichtiger Fundamentaltreiber kommt aus dem britischen Markt. Die jüngsten Offshore-Windauktionen im Vereinigten Königreich fielen deutlich besser aus als erwartet:

  • Zugeordnete Kapazität: 8,4 Gigawatt
  • Damit mehr als doppelt so hoch wie die vorherigen Markterwartungen

RBC Capital Markets sieht darin ein klares positives Signal für die führenden Offshore-Lieferanten, zu denen Siemens Energy zählt. Die Kanadier bleiben bei der Einstufung „Outperform“ und setzen das Kursziel auf 150 Euro.

Die Begründung: Die hohe Auktionsmenge deutet auf eine robuste Projektpipeline und beschleunigte Umsetzung von Energiewende-Projekten hin. Das stützt die Perspektiven insbesondere der Windkraft- und Netztechniksparten und stärkt die Umsatz- und Auftragsprognosen.

Barclays bleibt klar zurückhaltend

Deutlich vorsichtiger zeigt sich Barclays. Die britische Großbank bestätigte ihr Votum „Neutral“ und erhöhte das Kursziel nur leicht von 85 auf 90 Euro. Damit liegt die Zielmarke weiterhin rund 30 % unter dem aktuellen Kursniveau.

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Die deutliche Lücke zwischen Marktpreis und Zielkurs macht klar: Aus Sicht von Barclays spiegelt die aktuelle Bewertung bereits sehr hohe Erwartungen wider. Im Hintergrund stehen offenbar Bedenken zu Bewertungshöhe und Profitabilität, trotz der guten operativen Nachrichten aus Netz- und Windgeschäft.

Damit stehen sich zwei Lager gegenüber:
- Optimisten, die den strukturellen Rückenwind durch Energiewende und Netzausbau in den Vordergrund stellen
- Skeptiker, die nach der starken Kursrally vor allem das Chance-Risiko-Verhältnis im Blick haben

Bank of America: „Top-Pick“ mit hohem Kursziel

Auf der Seite der Optimisten positioniert sich auch die Bank of America. Die US-Bank führt die Aktie weiterhin als einen ihrer „Top-Picks“ für 2026 und sieht das Kurspotenzial sogar bei bis zu 170 Euro.

Im Fokus stehen dabei zwei zentrale Treiber:

  1. Rechenzentren und KI-Boom
    Der rapide steigende Strombedarf durch neue Rechenzentren und KI-Anwendungen erhöht den Bedarf an Netz- und Energietechnik. Siemens Energy wird hier als Profiteur einer langfristigen Nachfragewelle gesehen.

  2. Globale Elektrifizierung
    Die weltweite Elektrifizierung von Industrie, Verkehr und Infrastruktur sorgt aus Sicht der Bank für gut gefüllte Auftragsbücher. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Bank of America einen Auftragseingang von 16,4 Milliarden Euro – rund 14 % über dem aktuellen Marktkonsens.

In Summe stützt diese Sichtweise ein Szenario, in dem die aktuelle Bewertung durch überdurchschnittliches Wachstum im Auftragsbestand und in den Umsätzen gerechtfertigt werden könnte.

Fazit: Hohe Erwartungen vor wichtigen Zahlen

Die Siemens Energy Aktie steht an einem Punkt, an dem starke fundamentale Argumente und eine beeindruckende Kursbilanz auf sehr hohe Erwartungen treffen. Positive Impulse aus der britischen Windauktion, struktureller Rückenwind durch Elektrifizierung und Rechenzentren sowie ambitionierte Kursziele von RBC und Bank of America zeichnen ein konstruktives Bild.

Gleichzeitig zeigt die deutliche Unterbewertung im Barclays-Modell, dass ein Teil des Marktes die Rally kritisch sieht und Bewertungsrisiken nicht ignoriert. Kurzfristig dürfte damit weniger der Trend als solcher, sondern die Frage der Ergebnisqualität entscheidend sein.

Der nächste Belastungstest steht bereits fest: Am 11. Februar 2026 legt Siemens Energy die Zahlen für das erste Quartal vor. Dann wird sich zeigen, inwieweit Auftragseingang und Marge die optimistischen Szenarien der Bullen stützen oder den vorsichtigen Ansatz der Skeptiker untermauern.

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