Siemens drückt gleich auf mehrere Hebel: 200 Millionen Euro für eine KI-gestützte Zukunftsfabrik, ein beschleunigtes Aktienrückkaufprogramm und ein Konzernumbau rund um Healthineers. Operativ liefert der Konzern dazu starke Quartalszahlen. Trotzdem bleibt der Kurs zuletzt eher zäh – warum also diese Diskrepanz?

Zukunftsfabrik Amberg: KI und Dekarbonisierung bis 2030

Am Standort Amberg plant Siemens eine umfassende Erneuerung für den Bereich Smart Infrastructure. Bis 2030 soll dort eine „intelligente Fabrik“ entstehen, die selbstlernend, autonom und besonders flexibel produzieren kann – mit KI als zentralem Steuerungsbaustein. Das Ziel: effizientere und nachhaltigere Abläufe sowie schnellere Reaktionsfähigkeit auf Marktentwicklungen.

Konkret investiert Siemens rund 200 Millionen Euro in den Neubau. Außerdem will der Konzern die rund 2.400 Beschäftigten im Geschäftsbereich Smart Infrastructure über Qualifizierungs- und Weiterbildungsprogramme in den digitalen Wandel mitnehmen. Parallel soll die Fertigung am Standort bis 2030 vollständig dekarbonisiert werden. Siemens ordnet das Projekt auch als Bekenntnis zur „Made for Germany“-Initiative ein.

Starke Q1-Basis – Prognose nach oben

Das Fundament für die Investitionsoffensive lieferte ein operativ starkes erstes Quartal des Geschäftsjahres 2026 (per 31. Dezember 2025). Die Gruppenaufträge stiegen im Jahresvergleich um 10% auf 21,4 Milliarden Euro, der Umsatz legte um 8% auf 19,1 Milliarden Euro zu. Im Industriegeschäft kletterte der Gewinn um 15% auf 2,9 Milliarden Euro, die Marge erreichte 15,6%.

Auffällig: Das bereinigte Ergebnis je Aktie sprang von 2,22 auf 2,80 Euro. Dazu kommt ein Rekordauftragsbestand von 120 Milliarden Euro. Mit einem Book-to-Bill von 1,12 überstiegen die Neuaufträge erneut die Umsatzrealisierung – ein Signal, dass der Auftragseingang das Geschäft weiter trägt.

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Folgerichtig hob Siemens die Prognose für das bereinigte EPS im Geschäftsjahr 2026 auf 10,70 bis 11,10 Euro an. Beim Umsatzwachstum erwartet der Konzern nun Werte in der oberen Hälfte der Zielspanne von 6 bis 8%.

Rückkäufe und Healthineers: Struktur wird neu justiert

Beim Aktienrückkauf geht Siemens schneller voran als zunächst gedacht. Aus dem Programm über bis zu 6 Milliarden Euro (maximal fünf Jahre; Start Februar 2024) sind bereits rund 4,4 Milliarden Euro umgesetzt. Zwischen dem 16. und 22. Februar kamen über Xetra weitere 354.983 Aktien hinzu. Zusätzlich geplant: der Einzug von 18 Millionen eigenen Aktien – was die Zahl der ausstehenden Anteile reduziert und den Gewinn je Aktie rechnerisch stützen kann.

Parallel stellt Siemens die Beteiligungsstruktur um: Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen die Abgabe der Mehrheitsbeteiligung an Siemens Healthineers. Geplant ist eine Direktabspaltung von rund 30% der Anteile an die Siemens-Aktionäre. Siemens würde damit die Kontrollmehrheit verlieren und Healthineers künftig als Minderheitsbeteiligung führen. Zustimmungen der Hauptversammlungen sowie regulatorische Freigaben stehen noch aus. Details zu Zeitplan und Struktur will Siemens Anfang des zweiten Quartals 2026 vorlegen.

Beim operativen Rückenwind hebt Siemens zudem die Zusammenarbeit mit NVIDIA für KI-beschleunigte Industrielösungen hervor. Im Bereich Smart Infrastructure stützten insbesondere Rechenzentrumslösungen das Wachstum: Siemens nennt hier einen Umsatzanstieg von 35% im Segment, mehrere Großaufträge aus den USA für Cloud- und KI-Infrastrukturprojekte im Gesamtvolumen von 1,8 Milliarden Euro sowie ein Auftragswachstum in diesem Sektor aus dem US-Markt von 54%.

Zum Kursbild: Heute notiert die Siemens-Aktie bei 227,55 Euro, in den letzten sieben Tagen steht ein Minus von 7,58% zu Buche. Der Kurs liegt zudem spürbar unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 249,89 Euro – ein Hinweis, dass der Markt die positiven Nachrichten kurzfristig nicht eins zu eins in Kursstärke übersetzt.

Der nächste Fixpunkt ist bereits terminiert: Am 13. Mai 2026 veröffentlicht Siemens die Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026. Dann wird sich zeigen, ob das starke Auftragsmomentum – inklusive des Schubs aus dem Rechenzentrumsgeschäft – im laufenden Jahr operativ weiter durchzieht.

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