Siemens stellt im März gleich mehrere Weichen – und zwar nicht nur operativ, sondern auch im Portfolio. 200 Millionen Euro für eine KI-Fabrik in Amberg, die Einziehung von 18 Millionen eigenen Aktien und die geplante Abgabe der Mehrheit an Siemens Healthineers: Das Paket wirkt wie aus einem Guss. Doch was steckt hinter der geballten Schlagzahl?

200 Millionen für Amberg – KI wird zur Fabriklogik

Kernstück der aktuellen Industrie-Agenda ist Amberg. Siemens will den Fertigungs- und Entwicklungsstandort für das Smart-Infrastructure-Geschäft umfassend modernisieren und bis 2030 rund 200 Millionen Euro investieren. Geplant ist eine KI-gesteuerte, digitalisierte und automatisierte Fabrik mit selbstlernenden, autonomen und flexiblen Abläufen.

Ziel: effizienter produzieren, nachhaltiger werden und schneller auf neue Anforderungen reagieren. Flankiert wird das Projekt durch Ausbildungsprogramme für die rund 2.400 Smart-Infrastructure-Beschäftigten am Standort. Politischen Rückenwind gibt es ebenfalls: Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger begrüßte die Investition heute ausdrücklich.

Der Schritt passt zur breiteren KI-Industriestrategie. Siemens arbeitet mit NVIDIA an KI-beschleunigten Industrielösungen; die „Electronics Factory“ in Erlangen dient dabei als Blaupause für vollständig KI-gesteuerte Fertigungsstandorte ab 2026.

Starkes Q1 als Fundament – Prognose steigt

Dass Siemens parallel mehrere Projekte anschiebt, ist auch eine Frage der finanziellen Basis. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 (Oktober bis Dezember 2025) stiegen die Konzernaufträge um 10% auf 21,4 Milliarden Euro, der Umsatz legte um 8% zu. Als Wachstumstreiber nannte Siemens vor allem Digital Industries und Smart Infrastructure.

Im Industriegeschäft kletterte der Gewinn um 15% auf 2,9 Milliarden Euro, die Marge erreichte 15,6%. Das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg von 2,22 Euro auf 2,80 Euro. Untermauert wird die Nachfrage durch einen Rekordauftragsbestand von 120 Milliarden Euro; das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,12 signalisiert weiter steigende Auftragseingänge relativ zur Umsatzrealisierung.

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Auffällig stark war das Datencenter-Geschäft: Im Segment Smart Infrastructure stiegen die Datencenter-Umsätze um 35%. Aus den USA kamen mehrere Großaufträge für Cloud- und KI-Infrastruktur mit 1,8 Milliarden Euro Bestellungen; dort legten die Orders in diesem Bereich um 54% zu.

Auf Basis des Quartals hob Siemens die EPS-Prognose (vor PPA) für das Gesamtjahr auf 10,70 bis 11,10 Euro an. CFO Ralf Thomas stellte zudem in Aussicht, eher die obere Hälfte der Umsatzwachstumsprognose von 6 bis 8% zu erreichen. Eine Dividende von 5,35 Euro ist geplant; die progressive Dividendenpolitik soll auch nach der Healthineers-Entkonsolidierung gelten.

Healthineers und Aktienrückkauf: Portfolio wird leichter, Aktie knapper

Parallel zum Wachstumsthema läuft der Konzernumbau: Vorstand und Aufsichtsrat haben beschlossen, die Mehrheitsbeteiligung an Siemens Healthineers abzugeben. Vorgesehen ist eine Direktabspaltung von rund 30% der Healthineers-Anteile an die Siemens-Aktionäre. Damit würde Siemens die Kontrolle abgeben und Healthineers mittelfristig nur noch als Finanzbeteiligung halten.

Fix ist das allerdings noch nicht. Es fehlen unter anderem die Zustimmungen der Hauptversammlungen beider Unternehmen sowie regulatorische Klärungen. Details zu Zeitplan und Struktur will Siemens Anfang des zweiten Quartals 2026 vorlegen.

Gleichzeitig beschleunigt Siemens die Kapitalrückführung: Im März sollen 18 Millionen Schatzaktien eingezogen werden, das Grundkapital sinkt damit auf 782 Millionen Aktien – was das Ergebnis je Aktie rechnerisch stützt. Zudem kaufte Siemens zwischen dem 16. und 22. Februar weitere 354.983 Aktien über Xetra zurück. Seit Programmstart im Februar 2024 flossen knapp 4,4 Milliarden Euro in Rückkäufe, bei einer Gesamtermächtigung von bis zu 6 Milliarden Euro über maximal fünf Jahre.

Am Marktbild lässt sich dennoch ablesen, dass zuletzt Gegenwind da war: Mit 231,60 Euro notiert die Aktie heute zwar 1,33% höher, liegt aber in den vergangenen 30 Tagen um 11,04% im Minus und bleibt deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 250,34 Euro.

Zum nächsten Belastungs- oder Bestätigungstest wird der 13. Mai 2026: Dann legt Siemens die Q2-Zahlen vor. Neben der Auftragsdynamik dürfte vor allem zählen, ob der Datencenter-Rückenwind anhält – und ob Siemens wie angekündigt Anfang Q2 konkrete Eckpunkte zur Healthineers-Abspaltung liefert.

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