Rwe Aktie: Warten auf April
Ein Milliardenprojekt in der Nordsee hängt in der Luft: Die britische Regierung verschiebt eine zentrale Genehmigung für den geplanten Offshore-Windpark Dogger Bank South um mehrere Monate. Gleichzeitig sorgt ein technischer Zwischenfall an einer Windkraftanlage in Deutschland für zusätzliche Aufmerksamkeit. Wie belastend sind diese Themen für die Rwe Aktie tatsächlich?
Dogger Bank South: Entscheidende Genehmigung vertagt
Im Mittelpunkt steht das Offshore-Projekt Dogger Bank South mit einer geplanten Leistung von 3 Gigawatt. Das britische Energieministerium hat die Frist für die Entscheidung über die sogenannte Development Consent Order (DCO) deutlich verschoben.
Statt wie ursprünglich für den 10. Januar 2026 vorgesehen, soll die Entscheidung nun bis spätestens 30. April 2026 fallen. Energieminister Martin McCluskey begründete den Schritt mit dem Bedarf an zusätzlichen Informationen. Vor allem die möglichen Auswirkungen des Projekts auf militärische Radarsysteme und benachbarte Windparks müssen genauer geprüft werden.
Die Eckpunkte des Projekts:
- Kapazität: 3 GW, aufgeteilt in DBS East und DBS West
- Standort: rund 100 bis 122 Kilometer vor der Nordostküste Englands
- Umfang: etwa 200 geplante Turbinen
- Partner: Umsetzung gemeinsam mit Masdar (49-%-Beteiligung seit Anfang 2024)
- Geplanter Start: Inbetriebnahme ab 2031, vorbehaltlich finaler Genehmigung
Für Rwe ist die Verzögerung ein spürbarer Dämpfer in der mittelfristigen Projektplanung, aber kein Bruch der Strategie. Offshore-Windkraft zählt zu den Kernbausteinen im Ausbau der Erneuerbaren, Dogger Bank South ist eines der größten Vorhaben in der Pipeline. Die Beteiligung des finanzstarken Partners Masdar verteilt zwar die finanziellen Lasten, ändert aber nichts daran, dass regulatorische Entscheidungen den Takt vorgeben.
Verzögerungen dieser Art sind im Offshore-Segment nicht neu, insbesondere wenn militärische Belange und komplexe Meeresnutzungen zusammentreffen. Genau hier setzt die britische Behörde an und fordert zusätzliche Daten, bevor grünes Licht erteilt wird.
Technischer Zwischenfall im Windpark Bedburg
Parallel zur Nachricht aus Großbritannien meldet Rwe auch ein operatives Problem im deutschen Onshore-Geschäft. Am 8. Januar wurde ein Teilstück einer Autobahn gesperrt, weil an einer Nordex-Turbine im Windpark Bedburg A44n ein Rotorblatt abzustürzen drohte.
Der Vorfall ereignete sich während starker Schneefälle und turbulenter Wetterbedingungen. Er wirft Fragen zur technischen Belastbarkeit einzelner Anlagen unter Extremwetter auf, wird von Marktbeobachtern aber eher als isoliertes Ereignis eingeordnet. Kurzfristig dürfte Rwe dennoch zusätzliche Ressourcen in Sicherheitsprüfungen und Inspektionen investieren müssen.
Ein strukturelles Problem im gesamten Onshore-Portfolio lässt sich aus dem Einzelfall bislang nicht ableiten. Für das Tagesgeschäft bedeutet der Vorfall vor allem organisatorischen und operativen Mehraufwand.
Marktreaktion und Einordnung der Aktie
Trotz der regulatorischen Verzögerung in Großbritannien und des technischen Zwischenfalls bleibt der Kurs der Rwe Aktie bislang robust. Gestern schloss das Papier bei 47,86 Euro und liegt damit rund 10 % unter dem 52‑Wochen-Hoch, aber deutlich über den mittelfristigen Durchschnittspreisen.
Auffällige Punkte aus der Kurs- und Kennzahlenperspektive:
- Die Aktie hat sich in den letzten zwölf Monaten mit einem Plus von rund 67 % deutlich verteuert.
- Der aktuelle Kurs liegt etwa 25 % über dem 200‑Tage-Durchschnitt, was die starke Aufwärtsbewegung der vergangenen Monate unterstreicht.
- Der RSI von knapp 60 signalisiert eine eher neutrale bis leicht erhöhte Nachfrage, ohne akute Überhitzung.
Die gelassene Marktreaktion auf die Verschiebung der DCO-Entscheidung deutet darauf hin, dass Investoren die Risiken eines zeitlichen Aufschubs kennen und einpreisen. Entscheidend ist: Es handelt sich um eine Verzögerung, nicht um eine Absage. Solange die Perspektive auf eine Genehmigung erhalten bleibt, bleibt auch die wirtschaftliche Logik des Projekts intakt – nur zeitlich nach hinten verschoben.
Der Vorfall im Windpark Bedburg wirkt im Vergleich eher lokal begrenzt. Er kann kurzfristig Schlagzeilen erzeugen, ändert aber wenig an der grundlegenden Bewertung des regenerativen Portfolios.
Ausblick: April als Schlüsseltermin
Für Anleger rückt nun der 30. April 2026 als entscheidender Termin in den Mittelpunkt. Bis dahin müssen Rwe und Masdar die von der britischen Regierung geforderten Zusatzinformationen liefern, um die offenen Fragen rund um Radar- und Umfeldverträglichkeit zu klären. Erst mit einer positiven DCO-Entscheidung lassen sich die nächsten Schritte angehen: insbesondere die Sicherung von Differenzverträgen (CfD) und die finale Investitionsentscheidung für Dogger Bank South.
Kurzfristig kann die Aktie schwankungsanfälliger bleiben, da der Markt das Risiko weiterer Verzögerungen gegen die langfristigen Erlöspotenziale des 3‑GW‑Projekts abwägt. Solange das Kursniveau aber klar über den längerfristigen Durchschnittslinien notiert und die Genehmigungsperspektive bestehen bleibt, bleibt Dogger Bank South ein zentraler, wenn auch zeitlich gestreckter Baustein in der Ausbauplanung von Rwe.
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