Redcare Pharmacy und Hensoldt führen Erholung an — Thyssenkrupp auf Rekordtief
Zum Quartalsende spaltet sich der MDAX in zwei Lager. Rüstungs- und Immobilientitel springen an, Industriewerte rutschen weiter ab. Drei Gewinner stehen drei deutlichen Verlierern gegenüber — und hinter jeder Bewegung steckt mehr als bloße Marktstimmung.
Die Neuordnung des Index mit den Aufsteigern Deutz, Salzgitter und Jenoptik verschiebt die Gewichte im MDAX. Gleichzeitig treiben politische Weichenstellungen bei Verteidigung und Regulierung die Kurse auseinander. Ein Überblick über die sechs auffälligsten Titel des Tages.
| Gewinner | Kurs | Veränderung |
|---|---|---|
| Redcare Pharmacy | 33,68 € | +8,65 % |
| Hensoldt | 70,45 € | +6,26 % |
| TAG Immobilien | 13,51 € | +5,55 % |
| Verlierer | Kurs | Veränderung |
|---|---|---|
| Gerresheimer | 19,57 € | -4,26 % |
| Thyssenkrupp | 7,19 € | -3,65 % |
| Jungheinrich | 26,04 € | -2,62 % |
Redcare Pharmacy: Technische Gegenbewegung nach dem Absturz
Der Kurssprung von über 8 % täuscht leicht über die Dimension des Problems hinweg. Noch am vergangenen Freitag markierte Redcare Pharmacy bei 31,00 Euro ein neues Jahrestief. Seit Jahresbeginn hat die Aktie knapp die Hälfte ihres Werts eingebüßt.
Die Ursache liegt in einer schmerzhaften Prognosekorrektur. Statt 16 % Wachstum im Non-Rx-Bereich peilt das Management nur noch 8 bis 10 % an. Die EBITDA-Marge von 2,5 % bleibt hinter den Konsenserwartungen zurück. Verschärft wird die Lage durch dm und Rossmann, die aggressiv in den Online-Apothekenmarkt drängen und das Kerngeschäft mit rezeptfreien Medikamenten attackieren.
Ein struktureller Vorteil bleibt Redcare allerdings erhalten: Im regulierten Rx-Markt hält das Unternehmen einen Marktanteil von 67 % in Deutschland. Rossmann schließt den Verkauf verschreibungspflichtiger Arzneimittel vorerst aus. Zusätzlich könnte eine geplante Anhebung der festen Vergütung je E-Rezept durch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken das Ergebnis direkt stützen — jeder zusätzliche Cent schlägt hier nahezu vollständig auf den Gewinn durch. Ob das reicht, um den Abwärtstrend zu brechen, ist eine andere Frage. Die heutige Erholung bleibt ein kurzfristiger Effekt.
Hensoldt: Bank-of-America-Upgrade trifft auf volle Auftragsbücher
Hensoldt legt heute um über 6 % zu und klettert auf 70,45 Euro. Auslöser ist eine frische Kaufempfehlung von Analyst Benjamin Heelan bei der Bank of America, der das Rating von „Neutral" auf „Buy" hochstufte. Sein Kursziel: 88,50 Euro. Die Begründung überzeugt: Hensoldts starke Positionierung im Bereich Luftverteidigung, der geschätzt 65 bis 70 % des Umsatzes ausmacht.
Operativ untermauert das Unternehmen diese Einschätzung. Der am 26. März veröffentlichte Geschäftsbericht für 2025 bestätigt alle Prognosen — teilweise wurden sie sogar übertroffen. Für 2026 stellt das Management einen Umsatz von rund 2,75 Milliarden Euro in Aussicht bei einer bereinigten EBITDA-Marge zwischen 18,5 und 19,0 %. Die Dividende soll auf 0,55 Euro je Aktie steigen.
Der geopolitische Rückenwind ist dabei mehr als eine kurzfristige Konjunktur:
- Deutschlands Verteidigungsetat 2026 erreicht rund 108 Milliarden Euro — über 30 % mehr als im Vorjahr
- Mehrere Aufträge deutscher und europäischer Streitkräfte für Radarsysteme und elektronische Kampffähigkeiten stärken den Order-Backlog
- Die europäische Aufrüstungsdebatte sorgt für Mehrjahres-Sichtbarkeit bei den Umsätzen
Trotz des Anstiegs notiert die Aktie noch immer rund 39 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 115,10 Euro. Die Volatilität im Verteidigungssektor bleibt hoch — Investoren reagieren sensibel auf jedes Signal aus den europäischen Budgetverhandlungen.
TAG Immobilien: Operative Stärke und Polen-Expansion als Doppelmotor
Mit einem Plus von 5,55 % auf 13,51 Euro gehört TAG Immobilien zu den auffälligsten Erholungswerten des Tages. Die Bewegung kommt nicht aus dem Nichts: Mitte März hatte das Unternehmen starke Jahreszahlen vorgelegt, die der Markt zunächst nicht vollständig honorierte.
Der operative Gewinn (FFO I) stieg um 3 % auf 181,0 Millionen Euro und übertraf sowohl die eigene, im November angehobene Prognose als auch die Konsenserwartungen. Analysten reagierten prompt: Berenberg bestätigte das „Buy"-Rating mit einem Kursziel von 19 Euro und lobte die operative Dynamik. Die Deutsche Bank hält ebenfalls an „Buy" mit 18 Euro Kursziel fest und hebt besonders die Wachstumsdynamik in Polen hervor.
Das polnische Geschäft liefert beeindruckende Zahlen. Mit 2.823 verkauften Wohnungen — ein Plus von 46 % — erzielte das Segment ein Verkaufsergebnis von 68,0 Millionen Euro bei einem Volumen von 467 Millionen Euro. Strategisch geht TAG noch weiter: Ein Vertrag über 565 Millionen Euro für 5.300 Neubau-Mieteinheiten wurde unterzeichnet, der kartellrechtliche Vollzug steht noch aus. Gleichzeitig prüft die Tochter Robyg Kapitalmarktoptionen inklusive eines Börsengangs in Warschau. Für 2026 plant TAG zudem eine Erhöhung der Ausschüttungsquote, die zu einer rund 30 % höheren Dividende führen soll. Kein Wunder, dass Anleger hier zugreifen.
Gerresheimer: BaFin-Prüfung und Bilanzfrist halten den Druck hoch
Gerresheimer verliert 4,26 % auf 19,57 Euro. Die Aktie steht unter einem Belastungsmix, der sich nicht so leicht auflösen lässt.
Der chronologische Ablauf der vergangenen Tage verdeutlicht das Ausmaß der Krise: Am 19. März stürzte der Kurs um rund 10 % auf 17,32 Euro ab. Einen Tag später sorgte ein Reuters-Bericht über ein mögliches Übernahmeinteresse von Silgan Holdings zu 41 Euro je Aktie für eine scharfe Erholung. Gerresheimer selbst äußerte sich nicht — und die Fantasie verpuffte ebenso schnell.
Das eigentliche Problem sitzt tiefer. Ende 2025 räumte das Unternehmen Bilanzierungsfehler ein: Mitarbeiter hatten Umsätze verbucht, bevor die Ware ausgeliefert war. Die BaFin hat ihre Untersuchung dieser sogenannten Bill-and-Hold-Deals inzwischen ausgeweitet. Zwei parallele Prüfungen laufen, der testierte Jahresabschluss 2025 wird den ursprünglichen Termin am 31. März verfehlen und soll nun erst im Juni 2026 vorliegen. Wertminderungen von bis zu 240 Millionen Euro stehen im Raum.
Die anhaltende Unsicherheit rund um Bilanz und BaFin-Prüfung hält institutionelle Investoren auf Abstand. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von über 110 % ist Gerresheimer derzeit einer der schwankungsintensivsten MDAX-Titel überhaupt.
Thyssenkrupp: Neues 52-Wochen-Tief bei 7,19 Euro
Der Abwärtstrend hält an. Thyssenkrupp fällt heute um 3,65 % auf 7,19 Euro und markiert damit ein neues 52-Wochen-Tief. Seit dem 12. März hat die Aktie knapp 15 % verloren, im Monatsvergleich sind es über 31 %.
Die Belastungsfaktoren sind struktureller Natur. Der Konzern will die Elektrostahl-Fertigung in einem Werk erneut aussetzen — ein Signal für anhaltend schwache Stahlnachfrage. Im ersten Quartal 2026 erwirtschaftete Thyssenkrupp zwar Umsätze von 7,2 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBIT von 211 Millionen Euro. Hohe Restrukturierungskosten, besonders bei Steel Europe, drückten das Ergebnis unter dem Strich jedoch ins Minus.
Ein Analysten-Upgrade von Morgan Stanley am 24. März — von „Underweight" auf „Equal Weight" bei einem Kursziel von 8,30 Euro — konnte den Verfall nur kurzzeitig bremsen. Der Impuls verpuffte innerhalb weniger Tage. Für eine nachhaltige Trendwende fehlt dem Markt der Beweis, dass die laufende Transformation tatsächlich greift. Der Konzern pendelt zwischen Restrukturierung, geopolitischen Risiken und neuen Wachstumsfeldern wie Wasserstofftechnologie — ohne dass eines dieser Themen bisher für klare Richtung sorgt.
Jungheinrich: Dividendenkürzung überschattet solide Substanz
Jungheinrich verliert 2,62 % auf 26,04 Euro und nähert sich damit gefährlich seinem 52-Wochen-Tief von 25,76 Euro. Die Aktie verdaut noch immer die Jahreszahlen vom vergangenen Freitag — und vor allem eine unerwartete Entscheidung bei der Ausschüttung.
Die Dividende soll auf 0,29 Euro je Vorzugsaktie sinken. Das sind 51 Cent weniger als im Vorjahr. Für einkommenorientierte Anleger ein harter Schlag, der die soliden operativen Kennzahlen in den Hintergrund drängt.
Dabei zeigt Jungheinrich durchaus Substanz: Der Auftragseingang lag bei 5,4 Milliarden Euro, der Umsatz bei 5,5 Milliarden Euro. Besonders der Free Cashflow stach mit 314 Millionen Euro hervor und übertraf die Markterwartungen deutlich. Die Diskrepanz zwischen bereinigtem EBIT (448 Millionen Euro) und berichtetem EBIT (228 Millionen Euro) offenbart allerdings massive Einmalbelastungen. Bernstein Research hält trotzdem an einem „Outperform"-Rating mit einem Kursziel von 45 Euro fest — fast das Doppelte des aktuellen Kursniveaus. Ob der Markt diese Einschätzung teilt, hängt davon ab, ob der Intralogistik-Spezialist 2026 die versprochene Ergebniswende liefern kann.
MDAX zum Quartalsende: Bruchlinien bleiben bestehen
Der letzte Handelstag des ersten Quartals offenbart die tektonischen Verschiebungen im MDAX. Politisch getriebene Sektoren wie Rüstung und Wohnimmobilien profitieren von steigenden Verteidigungsbudgets, starken Fundamentaldaten und attraktiver Dividendenpolitik. Klassische Industriewerte kämpfen dagegen mit Konjunktursorgen, Restrukturierungslasten und enttäuschten Anlegererwartungen.
Der frisch restrukturierte Index mit seinen neuen Mitgliedern wird im zweiten Quartal zeigen müssen, ob die Neuordnung frische Impulse bringt. Für Anleger stellt sich die zentrale Frage: Markieren die tiefen Bewertungsabschläge bei Industrie- und Healthcare-Titeln bereits Einstiegspunkte — oder verzögert die makroökonomische Drucklage eine Erholung weiter?
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