Redcare hat starke Wachstumszahlen vorgelegt – und trotzdem reagieren Anleger mit Rückzug. Der Grund liegt weniger im Boom bei E-Rezepten als in der spürbaren Abkühlung im klassischen Apothekensortiment. Entscheidend ist nun, ob das Unternehmen die Schwäche im margenstarken Nicht-Rezeptgeschäft in den Griff bekommt.

Jahreszahlen mit Bruch im Schlussquartal

Am 7. Januar hat Redcare vorläufige Umsatzdaten für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 vorgelegt. Auf Jahressicht legten die Erlöse um 24 % auf 2,9 Mrd. Euro zu. Damit bestätigt das Unternehmen grundsätzlich seinen Wachstumskurs.

Im Schlussquartal zeigt sich jedoch eine deutliche Abschwächung der Dynamik. Der Umsatz stieg zwar noch um 18 % auf 794 Mio. Euro, doch ausgerechnet das wichtige Nicht-Rezeptgeschäft (Non-Rx) enttäuschte. Hier kletterten die Erlöse im vierten Quartal lediglich um 9 % auf 483 Mio. Euro – und das trotz anhaltender Krankheitswelle, die üblicherweise die Nachfrage nach freiverkäuflichen Medikamenten stützt.

Nach Angaben der Analysten blieb das Non-Rx-Wachstum damit klar hinter den Erwartungen zurück. Marktteilnehmer werten dies als Zeichen, dass entweder der Wettbewerb zunimmt oder die Kunden im Standardsortiment zurückhaltender agieren. Diese Diskrepanz zwischen Gesamtwachstum und Segmententwicklung hat die Verunsicherung im Markt spürbar erhöht.

Kursseitig spiegelt sich die Skepsis vor allem im langen Rückblick wider: Obwohl die Aktie in den vergangenen 30 Tagen um rund 8 % zulegen konnte und gestern bei 67,30 Euro schloss, liegt sie auf Sicht von zwölf Monaten noch immer fast 45 % im Minus und deutlich mehr als 50 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch.

E-Rezept als Wachstumsmotor

Auf der anderen Seite steht ein sehr dynamisches Rezeptgeschäft. Die Einführung und Etablierung des elektronischen Rezepts (E-Rx) in Deutschland war 2025 der zentrale Wachstumstreiber.

Die wichtigsten Punkte:

  • Rx-Umsatz in Deutschland: Plus 98 % auf 503 Mio. Euro im Gesamtjahr 2025
  • Kundenbasis: Zuwachs um 1,4 Mio. auf insgesamt 13,9 Mio. aktive Kunden
  • Kundenzufriedenheit: Net Promoter Score (NPS) im vierten Quartal leicht verbessert auf 74 (Vorquartal: 72)

Damit baut Redcare seine Position im verschreibungspflichtigen Bereich deutlich aus. Der starke Anstieg im Rx-Segment deutet darauf hin, dass das Unternehmen Marktanteile zulasten stationärer Apotheken gewinnt.

Gleichzeitig entsteht jedoch ein Spannungsfeld: Während das E-Rezept strukturelles Wachstum verspricht, schwächelt der traditionelle Non-Rx-Bereich, der für Margen und planbares Geschäft besonders wichtig ist. Genau diese „Zweiteilung“ im Zahlenwerk sorgt dafür, dass Investoren die Nachhaltigkeit des Wachstums neu bewerten.

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Analysten mit großer Spannbreite

Wie umstritten die Bewertung der Aktie ist, zeigt der Blick auf die aktuellen Analysteneinschätzungen nach den vorläufigen Zahlen. Die Institute bleiben zwar bei ihren Ratings, die Kursziele liegen jedoch weit auseinander.

  • Jefferies bestätigt „Buy“ mit einem Kursziel von 150 Euro. Analyst Martin Comtesse verweist auf das starke Momentum im Rx-Geschäft, betont aber zugleich das gemischte Bild durch die schwächere Non-Rx-Entwicklung.
  • UBS bleibt deutlich vorsichtiger und stuft die Aktie weiterhin mit „Neutral“ ein, bei einem Kursziel von nur 74 Euro. Analyst Olivier Calvet hebt hervor, dass die Umsätze im vierten Quartal die Konsensschätzungen verfehlt haben – vor allem wegen der schwachen Nachfrage nach freiverkäuflichen Produkten in der DACH-Region und im internationalen Geschäft.
  • Barclays und Baader Bank halten nach der Zahlenvorlage an ihren „Buy“-Einstufungen fest und signalisieren damit Vertrauen in die langfristige strategische Ausrichtung, trotz des verfehlten Quartals.

Die Spanne zwischen 74 und 150 Euro Kursziel unterstreicht, wie unterschiedlich das Verhältnis von Risiko und Chance derzeit eingeschätzt wird.

Gegen den Markttrend unter Druck

Besonders auffällig: Der Kursrückgang erfolgte in einem insgesamt positiven Marktumfeld. Am 7. Januar markierte der DAX ein neues Allzeithoch und legte um 0,83 % zu, der MDAX stieg um 0,95 %. Redcare dagegen gehörte mit einem deutlichen Tagesverlust zu den schwächsten Werten im Index.

Diese klare Unterperformance spricht dafür, dass der Verkaufsdruck vor allem unternehmensspezifisch getrieben ist. Kurzfristige Anleger reagieren auf die Diskrepanz zwischen den hohen Erwartungen an das margenstarke Non-Rx-Geschäft und der nun sichtbaren Wachstumsdelle. In der Folge kommt es zu einer Neubewertung, insbesondere bei Investoren mit stark auf das Quartal fokussiertem Blick.

Ausblick: Profitabilität und Balance im Fokus

Im Vordergrund steht nun, wie Redcare die Balance zwischen weiterem Rx-Wachstum und einer Stabilisierung des Non-Rx-Geschäfts findet. Die vorläufigen Zahlen zeigen klar: Die strategische Verlagerung hin zu verschreibungspflichtigen Medikamenten funktioniert, schützt aber nicht vor Nachfrageschwankungen bei Standardprodukten.

Das Management muss Wachstum im nicht verschreibungspflichtigen Bereich wiederbeleben, ohne die Profitabilität zu gefährden. Gleichzeitig gilt es, die Integration des E-Rezepts weiter voranzutreiben und die gewonnenen Kunden langfristig zu binden.

Für den Markt werden die final geprüften Jahreszahlen und der detaillierte Ausblick auf 2026 zum nächsten Prüfstein. Solange keine Klarheit über die künftige Dynamik im Non-Rx-Segment und den Ergebniseffekt des Rx-Booms besteht, dürfte die Aktie angeschlagen bleiben und deutlich unter den Kursniveaus notieren, die die optimistischsten Analysten derzeit ansetzen.

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