Oracle Aktie: Zwischenchance
Oracle startet ins neue Jahr mit einem deutlichen Dämpfer im Rücken. Nach dem Höhenflug im Herbst 2025 steht der Kurs inzwischen rund 30 % unter dem Rekordstand – und die Anleger ringen mit der Frage, ob der Konzern sich mit seinen milliardenschweren KI-Investitionen übernimmt oder einen Vorsprung aufbaut, den die Konkurrenz so schnell nicht einholen kann. Im Mittelpunkt stehen dabei der Mega-Deal mit OpenAI, der Einstieg bei TikTok USA und die wachsenden Schulden.
Nach dem Rekord: Ernüchterung am Markt
Im September 2025 schoss die Aktie nach den Quartalszahlen in die Höhe und markierte ein Allzeithoch. Seitdem hat sich der Kurs deutlich zurückgezogen. Am Freitag schloss das Papier bei 195,77 US‑Dollar und liegt damit gut 30 % unter dem 52‑Wochen-Hoch, obwohl es auf 12‑Monats-Sicht noch klar im Plus ist.
Der Rücksetzer hängt vor allem mit neuen Risiken auf der Bilanzseite zusammen:
- Stark steigende Investitionen: Die Prognose für die Investitionsausgaben wurde von 35 auf 50 Milliarden US‑Dollar im Gesamtjahr angehoben.
- Negativer Free Cashflow: Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 (Q2 GJ26) fiel ein freier Cashflow von minus 10 Milliarden US‑Dollar an.
- Höhere Verschuldung: Die gesamten Finanzschulden übersteigen inzwischen 100 Milliarden US‑Dollar.
- Klumpenrisiko: Ein erheblicher Teil der künftigen vertraglichen Verpflichtungen hängt am Großkunden OpenAI.
Diese Kombination sorgt dafür, dass der Markt die aggressive Ausbau-Strategie bei KI und Cloud kritischer hinterfragt, selbst wenn das operative Wachstum beeindruckend bleibt.
OpenAI-Deal als Kern der KI-Story
Der Fünfjahresvertrag mit OpenAI im Volumen von 300 Milliarden US‑Dollar ist das Herzstück der aktuellen Investmentstory. Die sogenannten Remaining Performance Obligations (RPO) – also vertraglich zugesicherte, aber noch nicht realisierte Umsätze – schossen in Q2 GJ26 um 438 % auf 523 Milliarden US‑Dollar nach oben, rund 300 Milliarden davon entfallen auf OpenAI.
Oracle widerspricht Berichten über Verzögerungen beim Bau neuer Rechenzentren und betont, alle Meilensteine seien im Plan. Ab 2027 soll die Vereinbarung nach Unternehmensangaben jährlich rund 30 Milliarden US‑Dollar Umsatz beitragen.
Operativ zeigt sich die KI- und Cloud-Offensive bereits in den Zahlen:
- Umsatz gesamt: 16,1 Mrd. US‑Dollar (+14 % gegenüber Vorjahr)
- Cloud-Umsatz: 8,0 Mrd. US‑Dollar (+34 %)
- Cloud Infrastructure (IaaS): 4,1 Mrd. US‑Dollar (+68 %)
- GAAP-EPS: 2,10 US‑Dollar (+91 %)
- Non-GAAP-EPS: 2,26 US‑Dollar (+54 %)
Das Wachstum ist also klar sichtbar – der Preis dafür sind hohe Vorleistungen und eine spürbar angespanntere Bilanz.
TikTok-Einstieg bringt neue Facette
Zusätzlich zur OpenAI-Partnerschaft hat Oracle im Dezember 2025 eine weitere Baustelle aufgemacht: Ein Konsortium, an dem der Konzern beteiligt ist, übernimmt 45 % an den US‑Aktivitäten von TikTok. Oracle soll dabei als „Trusted Security Partner“ auftreten und die Einhaltung nationaler Sicherheitsauflagen überwachen.
Das knüpft an die bestehende Zusammenarbeit an, bei der Oracle bereits Cloud-Services bereitstellt und US‑Nutzerdaten von TikTok verwaltet. Aus Marktsicht hat der Deal zwei mögliche Effekte:
- Zusätzlicher Schub für die Cloud-Infrastruktur-Umsätze durch die tiefergehende Integration.
- Entlastung beim Klumpenrisiko, weil neben OpenAI ein weiterer großer Digitalkunde stärker ins Gewicht fällt.
Damit erweitert Oracle seine Rolle im Schnittfeld von Cloud, Sicherheit und geopolitisch sensiblen Plattformen – ein Feld, das politisch heikel, aber wirtschaftlich attraktiv ist.
Analysten zwischen Wachstumseuphorie und Bilanzsorgen
Trotz Kursrückgang ist die Grundstimmung an der Wall Street eher positiv. Das Konsensrating liegt bei „Moderate Buy“ mit 24 Kaufempfehlungen und 10 Halteempfehlungen. Das durchschnittliche Kursziel von 312,34 US‑Dollar signalisiert rechnerisch einen deutlichen Abstand nach oben.
Die Einschätzungen gehen jedoch weit auseinander:
- Goldman Sachs hat das Kursziel von 320 auf 220 US‑Dollar gesenkt und bleibt bei „Neutral“. Im Fokus stehen Bedenken zur Kapitaleffizienz – also der Frage, ob die enormen Investitionen ausreichend Rendite bringen.
- Mizuho hält an „Outperform“ fest und sieht das Kursziel bei 400 US‑Dollar. Dort hebt man die Flexibilität bei der Finanzierung der KI-Infrastruktur hervor.
Auf der skeptischen Seite positioniert sich Morgan Stanley: Ende November empfahl die Bank, die Aktie leerzuverkaufen, und verwies explizit auf Risiken aus der Bilanz. Passend dazu sind die Credit-Default-Swap-Spreads von Oracle auf das höchste Niveau seit 2009 gestiegen – ein deutliches Signal, dass der Markt die Verschuldung kritischer bewertet.
Das Management versucht gegenzuhalten: Modelle wie „Bring-your-own-Chip“, bei denen Kunden eigene Hardware mitbringen, oder GPU-Vermietungen sollen helfen, den Kapitalbedarf zu senken und die Bilanz zu entlasten.
Multicloud als stiller Gewinner
Abseits der Schlagzeilen um KI und TikTok gibt es einen Bereich, der sich besonders dynamisch entwickelt: das Multicloud-Datenbankgeschäft. In Q2 legte dieser Bereich um bemerkenswerte 817 % zu.
Mehr als die Hälfte der geplanten 72 Multicloud-Rechenzentren, die in die Umgebungen von Amazon, Google und Microsoft eingebettet werden sollen, ist bereits umgesetzt. Damit kann Oracle Datenbank-Workloads auch dann bedienen, wenn Kunden primär auf andere Hyperscaler setzen.
Für das Geschäftsmodell bedeutet das:
- Oracle hängt weniger stark an einem einzelnen Cloud-Anbieter.
- Die adressierbare Kundenzahl wächst, weil bestehende Infrastrukturen der Kunden nicht vollständig migriert werden müssen.
- Der Wettbewerbsdruck im klassischen „Entweder-oder“-Cloudgeschäft nimmt ab, weil Oracle sich stärker als ergänzende Plattform positioniert.
Fazit: Hohe Wetten, klare Kennzahlen
Die aktuelle Gemengelage ist eindeutig: Operativ liefert Oracle starkes Wachstum in Cloud, KI-Infrastruktur und Multicloud-Datenbanken, gleichzeitig steigt der Druck durch hohe Investitionen und zunehmende Verschuldung. Der Einstieg bei TikTok USA und der gigantische OpenAI-Vertrag verankern den Konzern zwar tief in zwei zentralen Technologietrends, sie vergrößern aber auch die Abhängigkeit von wenigen Großkunden und die Notwendigkeit, die Kapitalbasis im Griff zu behalten. Für die nächsten Quartale werden daher vor allem zwei Themen entscheidend sein: ob die Wachstumsdynamik in Cloud und Multicloud anhält – und ob es Oracle gelingt, die Bilanzrisiken Schritt für Schritt zu entschärfen.
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