Oracle sichert sich eine Schlüsselrolle bei der Neuaufstellung von TikTok in den USA – und zugleich wachsen die Sorgen um die Finanzierung des teuren KI- und Cloud-Ausbaus. Strategischer Rückenwind trifft auf finanziellen Gegenwind. Wie stark kann der TikTok-Deal die Bedenken rund um Infrastrukturkosten und Verschuldung ausgleichen?

TikTok-US-Deal steht

Die wichtigste Neuigkeit: ByteDance hat verbindliche Verträge zur Auslagerung des US-Geschäfts von TikTok unterzeichnet. Ein Investorenkonsortium unter Führung von Oracle, Silver Lake und MGX soll die Kontrolle übernehmen.

Die Kernelemente der Transaktion:

  • Struktur: Ein neues Joint Venture mit dem Namen „TikTok USDS“ übernimmt die US-Operationen.
  • Eigentümerstruktur: Das Konsortium um Oracle und bestehende Investoren sollen die Mehrheit halten, ByteDance bleibt Minderheitsaktionär mit rund 20 %.
  • Rolle von Oracle: Oracle erhält nicht nur einen Eigenkapitalanteil, sondern fungiert als „Trusted Security Partner“ mit Verantwortung für Datensicherheit, Content-Moderation und den Schutz der Algorithmen.
  • Zeitplan: Der Abschluss der Transaktion ist für den 22. Januar 2026 vorgesehen.

Damit findet eine jahrelange regulatorische Hängepartie um TikTok in den USA ein klares Ende. Gleichzeitig wird Oracles Cloud-Infrastruktur als technisches Rückgrat einer der meistgenutzten Apps der Welt fest verankert. Für die strategische Positionierung im Cloud- und Datenbereich ist das ein deutliches Plus.

Kursdruck trotz strategischem Erfolg

Trotz dieser Nachricht steht die Aktie unter Druck. Gestern schloss der Titel bei 192,78 US‑Dollar und liegt damit rund 31 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 280,70 US‑Dollar. Auf Sicht von zwölf Monaten steht zwar noch ein Plus von gut 20 %, doch zuletzt dominieren Gewinnmitnahmen und Skepsis.

Auslöser der jüngsten Schwäche waren vor allem deutliche Kurszielsenkungen und neue Fragezeichen bei der Infrastrukturfinanzierung. Am 5. Januar reduzierte RBC Capital Markets sein Kursziel kräftig von 250 auf 195 US‑Dollar und beließ die Einstufung auf „Sector Perform“. Begründung: Die Ausgaben der Unternehmenskunden stabilisieren sich zwar, doch die unmittelbaren Erträge aus den massiven KI-Investitionen werden vorsichtiger eingeschätzt.

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Auch UBS wurde zurückhaltender und senkte das Kursziel von 325 auf 280 US‑Dollar, wenn auch bei weiterhin positivem Votum („Buy“). Unterm Strich signalisiert das: Die Wachstumsstory rund um Cloud und KI bleibt intakt, aber die Erwartungen an Tempo und Profitabilität werden angepasst.

Technisch betrachtet notiert die Aktie knapp über ihrem 200‑Tage-Durchschnitt (191,90 US‑Dollar), der RSI von 69,3 deutet auf ein bereits weit fortgeschrittenes Momentum hin. Der Markt ringt also eher um eine Neubewertung als um einen klaren Trendbruch.

Finanzierungslücke sorgt für Unruhe

Für zusätzlichen Druck sorgten Berichte, dass Blue Owl Capital aus einer geplanten Finanzierung über 10 Milliarden US‑Dollar für ein großes Oracle-Rechenzentrumsprojekt im US-Bundesstaat Michigan ausgestiegen ist. Dieses Geld sollte in den Ausbau der Infrastruktur fließen, die insbesondere für KI-Workloads und Cloud-Kunden benötigt wird.

Mit dem Rückzug rücken zwei Punkte in den Vordergrund:

  • Kapitalbedarf: Der Aufbau leistungsfähiger KI- und Cloud-Infrastruktur ist extrem kapitalintensiv. Fällt eine große Finanzierungsquelle weg, muss Oracle alternative Wege finden – etwa über andere Kreditgeber, Anleihen oder eigene Mittel.
  • Verschuldung & Risiko: Der Abbruch des Deals hat bestehende Sorgen über die Verschuldung und die Belastung der Bilanz neu entfacht. Im Originalbericht wird darauf verwiesen, dass Kreditausfallversicherungen (CDS) auf Oracle-Anleihen Niveaus erreicht haben, wie man sie zuletzt in früheren Finanzkrisen gesehen hat – ein Indiz für wachsende Nervosität im Bondmarkt.

Vor diesem Hintergrund verschiebt sich der Fokus der Anleger: Weg von der reinen Wachstumsstory, hin zur Frage, zu welchem Preis dieses Wachstum finanziert wird.

Bewertung und kurzfristige Trigger

Im Kontext dieser Entwicklungen ist Oracle deutlich von seinem Hoch zurückgekommen. Im Ausgangsartikel wird ein KGV (TTM) von rund 34–36 genannt – kein Schnäppchen, aber auch nicht extrem für einen großen Technologie- und Cloudanbieter mit KI-Fantasie. Die jüngste Kurskorrektur von rund 11,5 % (aus Sicht des Originaltexts über 30 Tage) spiegelt eine Neubewertung von KI- und Cloud-Providern wider, nicht nur bei Oracle.

Kurzfristig stehen mehrere potenzielle Katalysatoren an:

  • Closing des TikTok-Deals: Am 22. Januar 2026 wird sich zeigen, ob der vollzogene Abschluss und mehr Klarheit über Struktur und Umsatzpotenzial das Sentiment aufhellen.
  • Dividende: Noch in dieser Woche (8. oder 9. Januar) steht der Ex-Dividenden-Tag für eine Ausschüttung von 0,50 US‑Dollar je Aktie an. Die Rendite liegt bei rund 1 % und ist eher ein Nebenfaktor, unterstreicht aber Oracles Bereitschaft, Aktionäre am Gewinn zu beteiligen.
  • Charttechnische Marke: Der aktuelle Kurs bewegt sich nahe am von RBC gesetzten Kursziel von 195 US‑Dollar, das damit kurzfristig als Orientierungsmarke fungiert.

Der nächste große fundamentale Prüfstein folgt mit dem Quartalsbericht am 16. März 2026. Dann wird das Management konkrete Antworten liefern müssen: Wie soll der KI- und Rechenzentrumsplan nach dem Ausstieg von Blue Owl finanziert werden – und welchen Beitrag wird das neue TikTok-Joint-Venture zu Umsatz und Ertrag leisten? Die Reaktion auf diese Details dürfte maßgeblich bestimmen, ob die jüngste Korrektur in eine längere Seitwärtsphase mündet oder wieder Raum nach oben entsteht.

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