Oracle steht nach dem abgeschlossenen TikTok-Deal in den USA und einer deutlichen Kurszielsenkung durch Morgan Stanley im Mittelpunkt einer grundlegenden Neubewertung. Auf der einen Seite wächst der cloudbasierte Auftragsbestand rasant, auf der anderen Seite steigen die Infrastrukturkosten massiv. Entscheidend wird, ob das Unternehmen die zugesicherten Cloud-Umsätze schnell genug in Ergebnisse umwandeln kann.

TikTok-Deal als Cloud-Treiber

Am vergangenen Wochenende wurde die lange erwartete Übernahme des US-Geschäfts von TikTok formal abgeschlossen. Ein Konsortium unter Führung von Oracle übernimmt dabei die Mehrheit, um US-Sicherheitsvorgaben zu erfüllen. Die neue US-Einheit gehört zu 80,1 % US-Investoren, ByteDance behält 19,9 %.

Für Oracle bedeutet die Transaktion einen direkten Anteil von 15 % an der neuen Gesellschaft. Wichtiger ist jedoch die operative Komponente: Oracle wird exklusiver Cloud-Anbieter für TikTok in den USA. Die Vereinbarung schreibt vor, dass der Algorithmus von TikTok auf Basis von US-Nutzerdaten innerhalb der Oracle Cloud Infrastructure (OCI) neu trainiert wird.

Damit rückt Oracle in eine zentrale Rolle als Technologie- und Compliance-Partner und sichert sich gleichzeitig einen Großkunden mit hohem Datenvolumen für das wachsende Netz an Rechenzentren.

Morgan Stanley wird deutlich vorsichtiger

Trotz dieses strategischen Erfolgs geriet die Aktie nach einer deutlichen Anpassung durch Morgan Stanley unter Druck. Die Investmentbank senkte am 23. Januar ihr Kursziel von 320 auf 213 US-Dollar, das Rating bleibt bei „Equal Weight“.

Im Fokus steht der stark steigende Investitionsbedarf (Capex) zur Umsetzung der KI-Strategie. Oracle hat seine Capex-Prognose für das laufende Geschäftsjahr auf 50 Milliarden US-Dollar angehoben. Die Analysten von Morgan Stanley warnen, dass diese hohen Ausgaben zur AI-Infrastruktur die angepeilten Gewinne je Aktie (EPS) belasten und den Finanzierungsbedarf erhöhen könnten.

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Damit stellt sich Morgan Stanley klar gegen die optimistischere Einschätzung von Guggenheim, wo das Kursziel unverändert bei 400 US-Dollar liegt und damit deutlich mehr Aufwärtspotenzial unterstellt wird.

Rekord-Auftragsbestand als Gegengewicht

Die Ursache für den massiven Ausbau der Infrastruktur liegt im prall gefüllten Auftragsbuch. Oracle meldet eine Remaining Performance Obligation (RPO) von 523 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 438 % gegenüber dem Vorjahr. Diese Kennzahl steht für vertraglich zugesicherte, aber noch nicht realisierte Umsätze.

Der Sprung im RPO wird vor allem durch sehr große Cloud-Infrastrukturverträge mit führenden KI-Unternehmen wie Meta Platforms und Nvidia getrieben. Allein das Cloud-Infrastrukturgeschäft wuchs im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 im Jahresvergleich um 34 %.

Damit zeigt sich: Die von Morgan Stanley kritisierten Kosten stehen konkreten, unterschriebenen Kundenverträgen gegenüber und resultieren nicht aus einem rein spekulativen Kapazitätsaufbau.

Marktbild und Kennzahlen

Die Aktie notiert derzeit bei rund 176,51 US-Dollar und hat sich in den letzten Handelstagen leicht schwächer entwickelt, auch vor dem Hintergrund einer allgemein volatileren Tech-Stimmung. Die Spanne der letzten zwölf Monate reicht von 118,86 bis 345,72 US-Dollar und verdeutlicht die starke Neubewertung von Titeln mit KI-Bezug.

Wichtige aktuelle Daten im Überblick:

  • Aktueller Kurs: ca. 176,51 US-Dollar (Marktkapitalisierung rund 509 Mrd. US-Dollar)
  • Analystenstimmung: überwiegend „Kaufen“ (rund 77 %), Kursziele liegen jedoch weit auseinander (213 bis 400 US-Dollar)
  • Umsatzentwicklung: Q2-Umsatz stieg um 14,2 % auf 16,06 Mrd. US-Dollar
  • Dividende: 2,00 US-Dollar pro Jahr, Rendite etwa 1,1 %

Ausblick: Belastungsprobe für die Strategie

Für die weitere Entwicklung ist entscheidend, ob Oracle die Umsätze aus dem Auftragsbestand von 523 Milliarden US-Dollar zügig in die GuV bringen kann und damit den Margendruck aus dem 50-Milliarden-Investitionsprogramm abfedert. Die Integration der rechenintensiven TikTok-Workloads in die Oracle-Cloud wird dabei zu einem unmittelbaren Praxistest für Leistungsfähigkeit, Skalierbarkeit und Ertragskraft der ausgebauten Infrastruktur.

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