ATX rutscht unter Jahresstartwert – launige Semperit-Statements, Verfallstag morgen und eine ärgerliche Zusatz-Steuer
In der Episode 1118 der Wiener Börse Party analysiert Moderator Christian Drastil einen turbulenten Handelstag, an dem der ATX deutlich unter Druck gerät und die Semperit-Übernahmestory an Dynamik gewinnt.
ATX im „Elvis-Modus": Return to Sender
Der Wiener Leitindex ATX befindet sich am Donnerstagvormittag in einer klaren Abwärtsbewegung. Um 11:36 Uhr notiert der Index bei 5.309 Punkten und verliert damit 2,14 Prozent. Besonders schmerzhaft: Der ATX fällt wieder unter seinen Jahresstartwert von 5.326 Punkten – und das nur einen Tag nach einer positiven Sitzung. Christian Drastil beschreibt die Lage treffend als „Elvis-Modus: Return to Sender".
Trotz des breiten Abverkaufs gibt es vereinzelte Lichtblicke. Der Flughafen Wien, Verbund und die Österreichische Post können sich jeweils mit einem Plus von rund einem Prozent gegen den Trend stemmen. Der Rest des Marktes steht jedoch klar im Minus.
Die Handelsvolumina waren bereits am Vortag mit über 400 Millionen Euro bemerkenswert hoch. Der Grund dafür liegt im bevorstehenden großen Verfallstag am Freitag – ein Termin, an dem Optionen und Futures auslaufen und der traditionell für massive Umsätze sorgt. Dass dieser Verfallstag in ohnehin nervöse Marktphasen fällt, die Drastil als „Shaky Times" bezeichnet, lässt für den Freitag ein „riesiges Volumen" erwarten.
DAX ebenfalls unter Druck – Deutsche Börse profitiert
Auch der deutsche Leitindex DAX zeigt sich am Donnerstag deutlich schwächer. Mit 22.966 Punkten verliert er 2,28 Prozent. Von den insgesamt 40 DAX-Titeln notieren nahezu alle im Minus. Lediglich drei Werte können sich behaupten: Die Deutsche Börse legt um 0,76 Prozent zu – ein Profiteur der enormen Handelsvolumina, die im DAX kumuliert täglich rund 10 Milliarden Euro erreichen. Die Hannover Rück schafft ein kleines Plus von 0,3 Prozent, während die RWE unverändert notiert.
Der bevorstehende Verfallstag wirkt sich auch auf den DAX-Handel spürbar aus und verstärkt die ohnehin vorhandene Nervosität an den Märkten.
Semperit: B&C bietet 15 Euro – Kernaktionärin sieht Preis als zu gering
Die dominante Nachricht des Tages ist die Weiterentwicklung rund um das Übernahmeangebot der B&C Holding für Semperit zu 15 Euro je Aktie. Chefredakteurin Christine Petzwinkler hat für ein Interview mit Isabella de Krassny gesprochen, die über die de Krassny GmbH Kernaktionärin von Semperit ist.
De Krassnys Position ist differenziert: Eine endgültige Entscheidung über das Angebot hat sie noch nicht getroffen. Zunächst möchte sie ein intensives Gespräch mit Semperit-CEO Manfred Stanek führen. Grundsätzlich aber sieht sie die 15 Euro als zu gering an.
Die Research-Häuser stützen diese Einschätzung. Warburg stuft die Aktie weiterhin mit „Buy" ein und hebt das Kursziel von 19 auf 21 Euro an. In einem vielleicht ironischen Kommentar heißt es, „das Angebot von B&C scheint nicht überzogen." Auch NuWays bestätigt die Kaufempfehlung und erhöht das Kursziel von 18,50 auf 21 Euro – das B&C-Angebot wird explizit als zu niedrig bewertet. Die Baader Bank stuft ebenfalls mit „Buy" ein, allerdings bei einem konservativeren Kursziel von 17,50 Euro.
Trotz der Kritik am Preisniveau würdigt Drastil den Schritt der B&C als positiv für Aktionäre: Die Semperit-Aktie hätte in den aktuell schwierigen Marktbedingungen wohl kaum 20 Prozent zugelegt, wäre die B&C nicht mit ihrem 15-Euro-Angebot vorgeprescht. Die Aktie notiert derzeit knapp unter der Angebotsmarke, was für bestehende Aktionäre eine Art Absicherung – einen „nice put" – darstellt.
Weitere Unternehmensnachrichten: Wienerberger und Strabag
Abseits der Semperit-Story gibt es weitere Unternehmensmeldungen aus dem ATX-Universum. Wienerberger übernimmt die schwedische Nibe Group, einen Anbieter nachhaltiger Wassermanagementlösungen für den Anschluss von Wohnhäusern an kommunale Abwassernetze. Zum Kaufpreis macht Wienerberger keine Angaben.
Bei Strabag wurden die CO2-Reduktionsziele von der Science-Based Targets Initiative (SBTI) validiert – ein Qualitätssiegel für die Klimastrategie des Baukonzerns.
Research-Updates: Post mit Kurszielerhöhung, Verbund unter politischem Druck
Montega bestätigt die Kaufempfehlung für die Österreichische Post und hebt das Kursziel von 36 auf 38 Euro an. Für den Verbund hingegen bleibt die Baader Bank bei ihrer „Reduce"-Einstufung mit einem Kursziel von 62,40 Euro. Die Begründung: Das Aufwärtspotenzial der Aktie sei durch die verlängerte Energiekrisenabgabe in Österreich begrenzt.
Drastil sieht in dieser Abgabe eine „zusätzliche Kapitalmarktsteuer über den Verbund", die die Regierung zur Einnahmenerzielung nutze. Eine Einschätzung, die der Moderator mit einem klaren „Schade drum" kommentiert – und der die Baader Bank nach seiner Einschätzung leider recht gibt.
Börsenhistorie: Covid-Crash vor sechs Jahren und Verbunds Kursverdoppelung
Ein Blick in die Börsengeschichte rundet die Episode ab. Vor genau sechs Jahren, also im März 2020, erlebte der Wiener Markt den Covid-Crash mit dramatischen Kursverlusten: Do & Co verlor 62 Prozent in nur elf Tagen, der Flughafen Wien 40,7 Prozent in sechs Tagen, die BAWAG 48,9 Prozent in neun Tagen und RHI Magnesita 43,5 Prozent in sechs Tagen. Die BAWAG verzeichnete damals mit neun Minustagen in Folge die längste negative Serie ihrer Börsengeschichte.
Deutlich erfreulicher ist der Blick 36 Jahre zurück: Am 19. März 1990 hatte der Verbund die schnellste Kursverdoppelung seiner Börsengeschichte erreicht – von Kurs 2,70 auf 5,60 (bereinigt um Splits und Euro-Umrechnung) in nur 132 Tagen. Heute notiert die Aktie bei knapp 70 Euro. Drastil zieht daraus ein klares Fazit: „Viva Longtime Investment."
Zusammenfassung: Nervöser Markt vor dem Verfallstag
Der Handelstag am 19. März 2026 steht im Zeichen hoher Volatilität und eines bevorstehenden großen Verfallstags. Der ATX verliert seinen Jahresgewinn, während die Semperit-Übernahmestory mit dem 15-Euro-Angebot der B&C die Anleger beschäftigt – Kernaktionärin de Krassny und sämtliche Research-Häuser halten den gebotenen Preis für zu niedrig. Beim Verbund belastet die verlängerte Energiekrisenabgabe die Kursperspektive. Die enormen Handelsvolumina in Wien und Frankfurt dürften am Freitag mit dem Verfallstag ihren Höhepunkt erreichen.








