Oracle steht unter Druck. Eine Sammelklage von Anleihegläubigern, steigende Verschuldung und Fragen zur KI-Strategie belasten die Aktie des Software-Konzerns. Seit dem Höchststand im September 2025 hat der Titel fast die Hälfte seines Wertes verloren – allein diese Woche ging es um rund 6% abwärts.

Anleihegläubiger klagen wegen fehlender Transparenz

Auslöser der jüngsten Kursschwäche ist eine Klage vor einem New Yorker Gericht. Die Ohio Carpenters' Pension Plan wirft Oracle vor, Investoren über den Kapitalbedarf der KI-Expansion getäuscht zu haben.

Im Zentrum steht die Emission von Anleihen im Volumen von etwa 18 Milliarden Dollar Ende September – nur wenige Wochen nach der Ankündigung eines angeblich bis zu 300 Milliarden Dollar schweren Fünfjahresvertrags mit OpenAI. Die Kläger bemängeln, Oracle habe nicht offengelegt, wie viel zusätzliches Fremdkapital für solche Verpflichtungen nötig sei.

Hauptvorwürfe der Anleihegläubiger:
- Mangelnde Transparenz über künftigen Finanzierungsbedarf
- Unzureichende Offenlegung der Kosten für KI-Infrastruktur
- Risiko steigender Kapitalkosten in einem angespannten Zinsumfeld

Wie hoch ist der tatsächliche Kapitalbedarf?

Die Klage lenkt den Blick auf Oracles Verschuldung. Schätzungen zum künftigen Finanzierungsbedarf gehen weit auseinander:

  • BNP Paribas rechnet mit zusätzlichen 25 bis 30 Milliarden Dollar
  • Andere Analysten warnen vor einem Gesamtbedarf von bis zu 70 Milliarden Dollar bis 2026
  • In einem Umfeld dauerhaft höherer Zinsen würden auch die Zinslasten spürbar steigen

Oracle weist derzeit ein Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital von 0,24 auf, die Cash-Quote liegt bei 0,1. Was früher als solide Finanzierung galt, wird nun kritischer bewertet.

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Freier Cashflow rutscht tief ins Minus

Operativ läuft es bei Oracle durchaus solide. Der Quartalsumsatz stieg um 14% im Jahresvergleich, die Erlöse mit Cloud-Diensten und Anwendungen legten sogar um über 30% zu. Doch der freie Cashflow hat sich massiv verschlechtert und ist mit mehr als 13 Milliarden Dollar negativ.

Für Investoren wird das zum Problem. Wachstum allein reicht im aktuellen Marktumfeld nicht mehr aus. Ohne klare Perspektive bei der Liquiditätsgenerierung und Bilanzstabilität lassen sich hohe Bewertungen kaum rechtfertigen.

Handelspolitik belastet zusätzlich

Die angekündigten US-Zölle auf europäische Importe verschärfen die Lage. Ab 1. Februar sollen Einfuhrzölle von 10% greifen, bei gescheiterten Verhandlungen um Grönland könnten daraus 25% werden. Das sorgt für Verunsicherung im gesamten Tech-Sektor.

Optimisten setzen auf OpenAI-Deal

Trotz der Gegenwinde bleiben einige Analysten zuversichtlich. Guggenheim-Analyst John DiFucci stuft Oracle als seine Top-Empfehlung für 2026 ein und hält am Kursziel von 400 Dollar fest – mehr als doppelt so hoch wie der aktuelle Kurs.

DiFucci prognostiziert, dass Oracles Umsatz bis 2030 auf 228 Milliarden Dollar steigen wird, von geschätzten 67 Milliarden in 2026. Er argumentiert, das "Bring-Your-Own-Chip"-Modell könne den tatsächlichen Kapitalbedarf auf unter 100 Milliarden Dollar begrenzen, da Kunden eigene GPUs beisteuern.

OpenAI macht derzeit rund 60% der verbliebenen Leistungsverpflichtungen aus – etwa 315 Milliarden Dollar künftiges Geschäft. DiFucci erwartet, dass die Erlöse aus der OpenAI-Partnerschaft von 3,6 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2026 auf 62,4 Milliarden bis 2030 ansteigen.

Technisches Bild zeigt Schwäche

Die Aktie notiert mit 165,90 Euro deutlich unter wichtigen Durchschnittslinien. Das entspricht einem Rückgang von rund 49% gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 280,70 Euro im September. Ein nachhaltiger Bruch der aktuellen Unterstützung würde den Fokus auf die Marke um 150 Euro lenken, im Extremfall droht ein Rückfall in Richtung der April-Tiefs bei etwa 111 Euro.

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