Oracle steht vor einem strategisch wichtigen Schritt: Die Übernahme des US-Geschäfts von TikTok soll in Kürze abgeschlossen sein und könnte dem Konzern einen langfristig zahlungskräftigen Cloud-Großkunden sichern. Parallel dazu treiben hohe Investitionen in KI-Infrastruktur und optimistische Analystenkommentare die Fantasie – aber auch die Sorgen um die Kapitaldisziplin. Wie gut passt dieser neue Großdeal zu Oracles ohnehin ambitionierter AI-Strategie?

TikTok-Deal als Cloud-Hebel

US-Regulierer haben laut Berichten den Verkauf des US-Geschäfts von TikTok an ein Konsortium um Oracle, Silver Lake und MGX genehmigt. Der Abschluss der Transaktion wird noch für diese Woche erwartet.

Für Oracle ist das mehr als ein Finanzinvestment. TikTok ist bereits ein wichtiger Cloud-Kunde; durch den Deal würde diese Beziehung deutlich vertieft. Oracle soll sich als zentraler Technologie- und Sicherheitspartner für die US-Aktivitäten von TikTok positionieren und damit:

  • langfristige Hosting- und Datenumsätze sichern
  • die eigene Cloud-Plattform mit einem extrem volumenstarken Workload stärken
  • die eigene Rolle im sensiblen Umfeld datenintensiver, regulierungsnaher Anwendungen untermauern

Damit wirkt der Deal zugleich als Signal in Richtung Politik und Großkunden: Oracle kann komplexe geopolitische und regulatorische Rahmenbedingungen managen und daraus ein skalierbares Cloud-Geschäft ableiten.

Kursseitig kommt das nach einer schwachen Phase: Die Aktie liegt auf Sicht von 30 Tagen über 15 % im Minus und handelt rund 40 % unter ihrem 52‑Wochen-Hoch, was die Bedeutung positiver Impulse wie der TikTok-Einigung zusätzlich erhöht.

KI-Offensive und Analystenlob

Neben der M&A-Story rund um TikTok rückt erneut Oracles KI-Strategie in den Vordergrund. Der Konzern positioniert sich als Infrastruktur-Anbieter für rechenintensive AI-Anwendungen – ein Geschäft, das hohe Umsätze verspricht, aber enorme Vorleistungen erfordert.

Am 22. Januar bekräftigten große Finanzhäuser ihre positive Sicht. Guggenheim-Analyst John DiFucci wiederholte sein „Buy“-Votum und beließ das Kursziel bei 400 US-Dollar; er bezeichnete die Aktie als seine „beste Idee im Softwaresektor“. Unterstützung erhält diese Einschätzung durch neue Produkte wie die „Retail Supply Chain Collaboration Cloud“, eine Lösung, die KI-gestützte Anwendungen direkt in branchenspezifische Prozesse bringt. Aus Analystensicht zeigt das, dass Oracle nicht nur Infrastruktur liefert, sondern KI-Funktionen in konkrete Unternehmensanwendungen übersetzen kann.

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Im Sektorpositionierungskontext sieht sich Oracle als eine Art „Infrastruktur-Rückgrat“ des KI-Booms: Während Chiphersteller vom kurzfristigen Hardwarehunger profitieren, setzt der Konzern auf langfristig wiederkehrende Cloud-Erlöse, die aus großen, dauerhaft angebundenen Kunden wie TikTok stammen sollen.

Kapitalbedarf vs. Bilanzdisziplin

Die KI-Offensive hat allerdings ihren Preis. Besonders im Fokus steht das Großprojekt „Stargate“ – ein gemeinsam mit OpenAI vorangetriebener Verbund riesiger Rechenzentren, der weltweit in den kommenden Jahren Investitionen von bis zu 500 Milliarden US-Dollar erfordern soll. Ein Großteil davon verteilt sich auf mehrere Partner und Zeiträume, dennoch erhöht das Projekt den Druck auf Oracles Kapitalplanung spürbar.

  • Die Remaining Performance Obligations (RPO) sind auf 523 Milliarden US-Dollar gestiegen. Das zeigt eine starke vertraglich gesicherte Nachfrage für künftige Leistungen.
  • Die non-GAAP-Bruttomarge liegt bei rund 67,8 % – ein Wert, der dem Geschäftsmodell entspricht, zuvor jedoch falsch dargestellt worden war und nun korrigiert wurde.
  • Für das Geschäftsjahr 2026 rechnen Analysten mit Investitionsausgaben (CapEx) von rund 50 Milliarden US-Dollar, was die Gefahr spürbarer Cash-Abflüsse erhöht.

Trotz dieser hohen Investitionen hält Oracle an Ausschüttungen fest: Für morgen, Freitag, den 23. Januar 2026, ist eine Dividendenzahlung von etwa 1,4 Milliarden US-Dollar vorgesehen. Der Konzern versucht damit, Wachstum und Aktionärsrendite zu kombinieren – ein Balanceakt, der angesichts der geplanten Milliardeninvestitionen aufmerksam verfolgt wird.

Einordnung nach Kursrückgang

Die aktuelle Entwicklung erfolgt vor dem Hintergrund eines schwachen vorherigen Quartals. Die Aktie hatte sich zeitweise um etwa 34 % von ihren jüngsten Hochs entfernt – eine der schwächeren Phasen der vergangenen Jahre. Hauptgrund waren Befürchtungen, dass die massiven Kosten der Zusammenarbeit mit OpenAI im Rahmen von „Stargate“ die Bilanz und künftige Margen belasten könnten.

Die jetzt vorliegende Zustimmung zum TikTok-Deal wirkt wie eine Art Bestätigung der strategischen Stoßrichtung: Oracle kann einen politisch und regulatorisch hochsensiblen Cloud-Kunden nicht nur halten, sondern dessen Bindung intensivieren. Gleichzeitig unterstreicht das Management mit dem Ausbau dieser Partnerschaft, dass man bereit ist, große, kapitalintensive Projekte einzugehen, um sich als zentraler Provider im KI-Zeitalter zu etablieren.

Im Branchenvergleich versucht Oracle damit, sich als Anbieter der „Schaufeln und Infrastruktur“ im KI-Boom zu positionieren – mit dem Ziel, über wiederkehrende, langlaufende Verträge von Anwendungen wie TikTok zu profitieren, statt vor allem vom volatilen Hardwarezyklus.

Ausblick: Zahlencheck im März

Kurzfristig stehen drei Punkte im Fokus:

  • Morgen fließt die angekündigte Dividende an die Aktionäre.
  • Technisch betrachtet versucht der Kurs, sich nach einem deutlichen Rücksetzer der letzten Tage zu stabilisieren.
  • Am 16. März 2026 legt Oracle die Zahlen für das dritte Quartal vor.

Spätestens mit diesem Bericht wird sich zeigen, ob die gewaltigen KI-Investitionen – vom TikTok-Ausbau bis zum „Stargate“-Projekt – sich bereits in beschleunigtem Cloud-Umsatzwachstum und robusten Margen niederschlagen. Für die Bewertung der Aktie dürfte dieser „Realitätscheck“ entscheidend sein, weil er konkret offenlegt, wie tragfähig die aktuell aufgebaute Pipeline und das hochkapitalintensive KI-Modell im operativen Alltag wirklich sind.

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