Oracle steckt in einem klaren Abwärtstrend. Seit dem Hoch im September 2025 hat die Aktie fast die Hälfte ihres Werts eingebüßt. Auslöser des jüngsten Verkaufsdrucks ist eine Sammelklage von Anleihegläubigern, die dem Konzern unzureichende Transparenz zu seiner rasant steigenden Verschuldung für den Ausbau der KI-Infrastruktur vorwerfen. Die Frage dahinter: Wie viel Risiko verträgt das Wachstumsversprechen rund um die OpenAI-Partnerschaft?

Sammelklage und Kursreaktion

Am 14. Januar wurde in New York eine Sammelklage eingereicht, die sich gegen Anleihen und Notes im Volumen von 18 Milliarden US‑Dollar richtet, die Oracle Ende September 2025 begeben hatte. Die Kläger argumentieren, sie seien überrumpelt worden, als Oracle nur sieben Wochen später erneut an den Kapitalmarkt ging und zusätzlich 38 Milliarden US‑Dollar an Krediten aufnahm, um Rechenzentren für das OpenAI-Abkommen zu finanzieren.

Kernvorwurf: Oracle habe nicht ausreichend offengelegt, dass kurzfristig weitere erhebliche Schulden geplant waren – obwohl gleichzeitig ein Fünfjahresvertrag mit OpenAI über 300 Milliarden US‑Dollar verkündet wurde. In der Folge preisen Kreditmärkte das Risiko der Oracle-Verbindlichkeiten nun ähnlich wie bei Emittenten mit niedrigerem Rating ein.

Die Börse reagiert deutlich:

  • Der Kurs verlor nach Bekanntwerden der Klage in den jüngsten Sitzungen 11,1 %
  • Die Aktie schloss gestern bei 173,88 US‑Dollar, ein Tagesminus von 3,36 %
  • Vom September-Hoch bei 345,72 US‑Dollar aus gerechnet liegt das Minus bei rund 50 %
  • Über 100 Milliarden US‑Dollar an Schulden finanzieren inzwischen den Ausbau der KI-Rechenzentren
  • Das Handelsvolumen stieg auf 37,7 Millionen Stück und lag damit klar über dem Durchschnitt von 24,8 Millionen

Starke Auftragslage, wachsende Bilanzrisiken

Operativ präsentiert Oracle beeindruckende Wachstumszahlen. Die Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026, veröffentlicht im Dezember, zeigten einen Cloud-Auftragsbestand von 523 Milliarden US‑Dollar – ein Plus von 438 % im Jahresvergleich. Der Quartalsumsatz stieg um 14 % auf 16,1 Milliarden US‑Dollar, Cloud-Umsätze legten um 34 % auf 8,0 Milliarden US‑Dollar zu.

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Wesentliche Kennzahlen im Überblick:

  • GAAP-Gewinn je Aktie: 2,10 US‑Dollar, plus 91 % gegenüber dem Vorjahr
  • Operatives Ergebnis: 4,7 Milliarden US‑Dollar
  • Das Umsatzwachstum von 11 % bleibt im zweistelligen Bereich
  • Operative Marge: stabile 32 %

Trotz dieser Zahlen rückt der Markt die Bilanz stärker in den Vordergrund. Die rapide gestiegene Verschuldung und die hohen Investitionen in KI-Rechenzentren nähren Zweifel an der Stabilität. Die Aktie wird inzwischen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 33 gehandelt. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 500 Milliarden US‑Dollar, nachdem sie am Hoch über 900 Milliarden US‑Dollar betragen hatte.

Geteilte Analystenmeinungen

An der Wall Street gehen die Einschätzungen auseinander. UBS bestätigte am 5. Januar zwar ein Kaufvotum, senkte das Kursziel aber von 325 auf 280 US‑Dollar. Der durchschnittliche Analysten-Konsens liegt bei 291,61 US‑Dollar und signalisiert damit ein deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Kursniveau – allerdings vor dem Hintergrund erheblicher Unsicherheit über die Umsetzungsrisiken.

Besonders optimistisch äußert sich Guggenheim-Analyst John DiFucci. Er sieht in Oracle eine seltene „Dekaden-Aktie“ und prognostiziert, dass die Umsätze bis zum Geschäftsjahr 2030 nahezu auf 228 Milliarden US‑Dollar vervierfacht werden könnten. Diese Einschätzung setzt jedoch voraus, dass Oracle den enormen Auftragsbestand tatsächlich in Barmittel umwandelt und die erhöhte Verschuldung im Griff behält.

Warnsignale vom Kreditmarkt

Deutlich skeptischer zeigen sich die Anleihemärkte. Die Renditen und Spreads der Oracle-Anleihen bewegen sich inzwischen in Bereichen, wie sie typischerweise bei Emittenten mit niedrigerem Rating zu finden sind. Das signalisiert eine gestiegene Wahrnehmung von Kreditrisiken.

Parallel dazu ist der Free Cashflow ins Negative gedreht. Grund sind massiv erhöhte Investitionen, um die Infrastruktur für die KI-Nachfrage bereitzustellen. Die Spannbreite der Kursbewegung der vergangenen zwölf Monate – von 118,86 bis 345,72 US‑Dollar – unterstreicht die hohe Volatilität des Titels. Vom Niveau vom 12. Januar bei 204,68 US‑Dollar aus gerechnet hat die Aktie in nur neun Handelstagen mehr als 15 % verloren.

In den kommenden Monaten wird entscheidend sein, ob Oracle Fortschritte bei der Monetarisierung des hohen Cloud-Auftragsbestands zeigen und gleichzeitig Signale der Entspannung bei Verschuldung, Cashflow und Kreditspreads setzen kann.

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