Hohe Investitionen in künstliche Intelligenz, eine Klage von Anleihegläubigern und wachsender Zweifel an der Bewertung setzen die Oracle-Aktie unter Druck. Dem stehen ein prall gefülltes Auftragsbuch und überwiegend positive Analystenempfehlungen gegenüber. Oracle steckt damit in einem Spannungsfeld zwischen langfristiger KI-Story und kurzfristigen Bilanzrisiken.

Heute notiert die Aktie bei rund 190,85 US‑Dollar und liegt damit leicht im Minus. Die Marktkapitalisierung beträgt etwa 549 Milliarden US‑Dollar. Seit dem 52‑Wochen-Hoch von 345,72 US‑Dollar im September 2025 hat der Titel deutlich korrigiert.

Klage der Anleihegläubiger

Den stärksten Belastungsfaktor stellt derzeit eine Klage von Anleihegläubigern dar. Laut Berichten von Reuters und Robinhood nehmen Investoren Oracle wegen Verlusten im Zusammenhang mit den aggressiven KI-Investitionen ins Visier.

Im Zentrum steht eine Anleiheemission über 18 Milliarden US‑Dollar aus dem September. Die Kläger werfen dem Unternehmen vor, die Risiken der massiven Mittelverwendung für KI-Infrastruktur nicht ausreichend offengelegt zu haben. Nach Bekanntwerden der Klage gab die Aktie in den vorangegangenen Sitzungen zeitweise um knapp 5 % nach.

Damit rückt auch die Frage stärker in den Fokus, ob Oracle das hohe Investitionstempo ohne größere Einschnitte durchhalten kann. Im weiteren Verlauf des Artikels lassen sich dafür einige konkrete Belastungsfaktoren benennen.

Explodierende Ausgaben und Bewertungsdruck

Marktbeobachter hinterfragen zunehmend die Tragfähigkeit der aktuellen Ausgabenpolitik. Ein Bewertungsmodell vom 19. Januar 2026 kommt auf einen inneren Wert von 133,14 US‑Dollar je Aktie – rund 33 % unter dem aktuellen Kurs.

Im Mittelpunkt der Skepsis stehen drei Punkte:

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  • Capex-Sprung: Oracle hat die jährliche Investitionsprognose auf 50 Milliarden US‑Dollar angehoben, vor allem für KI- und Cloud-Infrastruktur.
  • OpenAI-Exposure: Das Unternehmen ist mit Verpflichtungen im Umfang von 300 Milliarden US‑Dollar gegenüber OpenAI engagiert. Diese Summe bildet einen erheblichen Anteil künftiger Umsatzverpflichtungen.
  • Cashflow-Belastung: Im zweiten Quartal fiel ein freier Cashflow von minus 10 Milliarden US‑Dollar an, ausgelöst durch 12 Milliarden US‑Dollar Investitionsausgaben – mehr als vom Markt erwartet.

Analysten warnen: Bricht die Euphorie rund um KI-Großdeals ein oder gerät ein Schlüsselpartner wie OpenAI in Liquiditätsschwierigkeiten, könnte sich die Bilanz von Oracle spürbar verschlechtern.

Fundamentaldaten und geteilte Analystenlage

Trotz der Bedenken beim kurzfristigen Cashflow bleibt die Analystengemeinde gespalten. Aktuell stufen 79 % der Analysten die Aktie weiterhin mit „Kaufen“ ein. Das positive Lager verweist vor allem auf die hohe Planbarkeit der künftigen Erlöse.

Zentral ist dabei die Kennzahl der Remaining Performance Obligations (RPO) – also vertraglich zugesicherte, noch nicht realisierte Umsätze. Diese sind auf 523 Milliarden US‑Dollar angewachsen, getrieben von Cloud-Buchungen.

Wichtige Kennzahlen im Überblick:

  • KGV: 35,91
  • Dividendenrendite: ca. 1,0 % (annualisiert 2,00 US‑Dollar je Aktie)
  • 52‑Wochen-Spanne: 118,86 – 345,72 US‑Dollar
  • Gesamtverschuldung: rund 108 Milliarden US‑Dollar

Die Bewertung bleibt damit ambitioniert, während die Verschuldung hoch ist und der freie Cashflow zuletzt negativ ausfiel.

Veränderungen in der Unternehmensführung

Parallel zu den finanziellen Themen strukturiert Oracle die Führungs- und Kontrollgremien um. Am 9. Januar 2026 kündigte das Unternehmen den Rücktritt von zwei Board-Mitgliedern an. Der Verwaltungsrat umfasst damit noch 12 Mitglieder.

Direkte Kursreaktionen blieben aus. Vor dem Hintergrund der Anleiheklage rücken Governance-Fragen jedoch stärker in den Vordergrund.

Fazit: Spannungsfeld zwischen Wachstum und Risiko

Oracle bewegt sich derzeit zwischen großen Chancen im KI-Geschäft und konkreten kurzfristigen Belastungen. Auf der einen Seite stehen ein Auftragsbestand von 523 Milliarden US‑Dollar und mehrheitlich positive Analystenratings. Auf der anderen Seite drücken ein Capex-Programm von 50 Milliarden US‑Dollar pro Jahr, eine Gesamtverschuldung von rund 108 Milliarden US‑Dollar, ein zuletzt negativer freier Cashflow und die Klage der Anleihegläubiger.

Die deutliche Distanz zum 52‑Wochen-Hoch verdeutlicht, wie stark der Markt die Risikoprämie in den vergangenen Monaten nach oben gesetzt hat. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird sein, ob Oracle die hohe Investitionslast zügig in profitables Wachstum und stabilen Cashflow ummünzen kann.

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