Oracle greift tief in die Tasche – sehr tief sogar. Der Software-Konzern kündigte am Sonntag an, im Kalenderjahr 2026 zwischen 45 und 50 Milliarden Dollar über eine Kombination aus Aktienverkäufen und Anleihen aufnehmen zu wollen. Eine der größten Finanzierungsrunden in der Unternehmensgeschichte. Der Grund: Der massive Ausbau der Cloud-Infrastruktur soll finanziert werden, allen voran für den 300-Milliarden-Deal mit OpenAI.

Die Reaktion an der Börse fiel zunächst positiv aus. Am Montag legte die Aktie um 2,5 Prozent zu. Analysten zeigten sich erleichtert, dass Oracle nun einen konkreten Plan vorlegt, wie der kapitalintensive Rechenzentrum-Ausbau gestemmt werden soll. Doch die Erholung wirkt fragil angesichts der Vorgeschichte: Im vergangenen Jahr verlor der Titel über 15 Prozent, nachdem die Dezember-Zahlen einen Cash-Burn von rund 10 Milliarden Dollar allein in der ersten Jahreshälfte offenlegten.

Die Finanzierungslücke klafft

Warum dieser drastische Schritt? Oracle steht vor einem fundamentalen Problem: Die prognostizierten Investitionsausgaben für das Geschäftsjahr 2026 übersteigen 50 Milliarden Dollar. Dem gegenüber steht eine Liquidität von lediglich 45 Milliarden – 20 Milliarden in bar, 25 Milliarden aus erwartetem operativem Cashflow. Die Lücke musste geschlossen werden, und zwar schnell.

Der Plan sieht vor, etwa 20 Milliarden über Aktienverkäufe zum aktuellen Marktpreis einzusammeln. Die restlichen rund 25 bis 30 Milliarden sollen Anfang 2026 über eine einzige Anleihe-Emission fließen. Oracle betont, darüber hinaus keine weiteren Schulden in diesem Jahr aufnehmen zu wollen – ein Signal an die Rating-Agenturen, dass man das Investment-Grade-Rating verteidigen will.

Großkunden treiben den Hunger nach Kapazität

Hinter dem gigantischen Kapitalbedarf stecken bereits vertraglich zugesicherte Aufträge von Hyperscale-Kunden. Neben OpenAI zählen dazu Meta, Elon Musks xAI, TikTok sowie die Chip-Riesen AMD und NVIDIA. Die Nachfrage nach Cloud-Kapazität ist real und vertraglich gebunden – das unterscheidet Oracles Situation von reiner Spekulation.

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Doch genau hier liegt auch das Risiko: Oracle hat sich massiv von OpenAI abhängig gemacht. Die Wahrnehmung am Markt ist eindeutig – das Schicksal des Konzerns scheint eng mit dem des KI-Hoffnungsträgers verknüpft. Und OpenAI steht selbst unter Druck, nachdem Google mit seinem neuesten KI-Modell starke Akzente setzte und einen Deal mit Apple eintüten konnte.

Investoren bleiben skeptisch

Trotz der positiven Erstreaktion herrscht Vorsicht. Die Frage, ob die hunderten Milliarden, die Tech-Konzerne in KI-Infrastruktur pumpen, sich wirklich auszahlen, bleibt unbeantwortet. Konkrete Produktivitätsgewinne in der realen Wirtschaft lassen auf sich warten.

Jefferies-Analysten warnen vor kurzfristigen Belastungen: Die Finanzierung kaufe Oracle zwar Zeit für seine KI-Ambitionen, dürfte aber die Margen belasten. Der freie Cashflow werde voraussichtlich erst im Geschäftsjahr 2029 wieder positiv. Die geplante Aktienemission führt zudem zu Verwässerungseffekten, die auf den Gewinn je Aktie drücken.

Am Kreditmarkt entspannte sich die Lage leicht. Sowohl die 5-Jahres- als auch die 10-Jahres-Credit-Default-Swaps von Oracle fielen um etwa 35 Basispunkte. Investoren reduzierten ihre Absicherungen gegen einen möglichen Zahlungsausfall – ein Zeichen, dass die angekündigte Kapitalerhöhung die Bonität stabilisieren könnte.

Zeitgewinn oder Zeitbombe?

Oracle manövriert sich in eine Zwickmühle. Einerseits zwingt die OpenAI-Partnerschaft zu massiven Investitionen, um die versprochenen Kapazitäten bereitzustellen. Andererseits belastet der Kapitalhunger die Bilanz und die Profitabilität erheblich. Mit einem aktuellen Kurs von rund 164 Dollar liegt die Aktie deutlich unter den optimistischeren Analystenschätzungen von bis zu 400 Dollar.

Die Nervosität wird wohl anhalten. Oracle hat sich festgelegt – auf KI, auf OpenAI, auf Cloud. Ob diese Wette aufgeht, entscheidet sich in den kommenden Jahren. Bis dahin bleibt die Frage: Ist der 50-Milliarden-Plan ein visionärer Schachzug oder der Beginn einer teuren Odyssee?

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