OMV Aktie: Wertberichtigung belastet
OMV muss für das vierte Quartal 2025 hohe Wertberichtigungen verbuchen, gleichzeitig laufen Raffinerie- und Chemiegeschäft robuster als gedacht. Die Aktie schwankte zunächst spürbar, stabilisierte sich zum Wochenschluss aber deutlich. Wie stark trüben die Sondereffekte den Blick auf das operative Geschäft wirklich?
Die wichtigsten Punkte im Überblick
- Rund 700 Mio. Euro nicht-zahlungswirksame Wertberichtigungen im Q4/25
- 400 Mio. Euro aus geringerer Produktion in Rumänien, Tunesien und Neuseeland
- 300 Mio. Euro im Zusammenhang mit Lizenzverlängerungen und höheren Abgaben in Rumänien
- Operativ gemischtes Bild: schwächeres Preisumfeld, aber bessere Raffineriemargen und höhere Chemie-Volumina
- Analyst Jefferies sieht das Update „weitgehend im Rahmen der Erwartungen“
700 Millionen Euro Wertberichtigungen
Im Trading Update vom 15. Januar kündigte OMV für das vierte Quartal 2025 Wertberichtigungen und Wertanpassungen von insgesamt rund 700 Mio. Euro an. Es handelt sich um nicht-zahlungswirksame Sondereffekte, die das bereinigte operative Ergebnis (Clean CCS Operating Result) laut Unternehmen nicht beeinflussen sollen.
Den größten Anteil machen 400 Mio. Euro aus, die aus geringerer Produktion in drei Kernregionen stammen:
- Rumänien: sinkende Fördermengen aus reifen Feldern
- Tunesien: Einbußen im Bereich Exploration & Produktion
- Neuseeland: schwächere Upstream-Performance
Zusätzlich kommen 300 Mio. Euro im Zusammenhang mit der Verlängerung von Produktionslizenzen in Rumänien hinzu. Die rumänische Koalitionsregierung hatte im Dezember 2025 die Explorations- und Produktionsgenehmigungen für OMV Petrom verlängert. Gleichzeitig steigen die Onshore-Royalty-Steuern um rund 40 %. Diese Kombination aus längeren Laufzeiten und höheren Abgaben führt bilanziell zu einer Anpassung der Werte.
Preisumfeld schwächer, Volumina leicht rückläufig
Auf der operativen Seite zeigt das Update ein etwas kühleres Umfeld im Energiegeschäft. Die Gesamtproduktion sank im vierten Quartal von 304.000 auf 300.000 Barrel Öläquivalent pro Tag, also um rund 1,3 %. Auch der durchschnittliche Erdgaspreis lag im Quartalsvergleich niedriger, der realisierte Rohölpreis von 62,4 US-Dollar pro Barrel war rückläufig.
Damit bestätigt OMV ein Umfeld, in dem sowohl Preise als auch Volumina im Upstream-Bereich leicht unter Druck standen. Die jetzt genannten Belastungsfaktoren – geringere Produktion, schwächere Preise – waren nach Unternehmensangaben im Vorfeld bereits skizziert worden.
Fuels & Feedstock: Stärkere Margen, begrenzter Effekt
Im Raffinerie- und Kraftstoffgeschäft zeigt sich ein anderes Bild. Die europäische Refining-Indikator-Marge stieg im vierten Quartal auf 13,96 US-Dollar pro Barrel und lag damit klar über den 11,54 US-Dollar aus dem dritten Quartal. Das spricht für ein freundlicheres Umfeld für die Verarbeitung von Rohöl zu Produkten wie Benzin und Diesel.
Allerdings konnte OMV diesen Rückenwind nicht vollständig nutzen. Operative Einschränkungen an den Raffinerien Schwechat und Burghausen sowie Einmaleffekte dämpften den positiven Margen-Effekt. Unterm Strich liefert das Segment dennoch einen Beitrag, der die Schwäche im Upstream zumindest teilweise abfedert.
Chemiegeschäft: Mehr Volumen, gemischte Margen
Im Chemiebereich meldet OMV deutlich höhere Polyolefin-Absatzmengen. Die Verkäufe stiegen von 1,47 Mio. Tonnen im dritten Quartal auf 1,80 Mio. Tonnen im vierten Quartal. Unterstützt wurde die Entwicklung durch höhere Olefin-Indikator-Margen.
Gleichzeitig war die Auslastung der Steamcracker niedriger, und die Polyolefin-Indikator-Margen fielen gegenüber dem Vorquartal schwächer aus. Das Ergebnis ist ein gemischtes Bild: Operativ mehr Volumen und gewisse Margenunterstützung, aber ohne klaren Durchbruch – eher eine Stabilisierung auf ordentlichem Niveau.
Analystenreaktion: „Ohne große Überraschungen“
Jefferies-Analyst Mark Wilson ordnete das Q4-Update als weitgehend im Rahmen der Erwartungen ein – sowohl auf EBIT- als auch auf Nettoergebnis-Ebene. Aus seiner Sicht enthält die Mitteilung „keine großen Überraschungen“. Die wesentlichen Belastungen – niedrigere Upstream-Volumina, Raffinerieausfälle und eine geringere Auslastung in der Chemie – seien bereits gut kommuniziert gewesen.
Damit stützt die Analysteneinschätzung den Eindruck, dass es sich eher um die Konkretisierung bekannter Themen als um einen Kurswechsel in letzter Minute handelt.
Kursbild und Bewertung
Trotz der angekündigten Wertberichtigungen konnte sich die Aktie zuletzt behaupten. Nach der anfänglichen Schwäche nach Bekanntgabe des Updates bewegt sich der Kurs aktuell im Bereich von 49 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Plus von gut 26 %, seit Jahresanfang ergibt sich ein Zuwachs von etwas mehr als 2 %.
Charttechnisch notiert die Aktie damit rund 11 % unter ihrem 52‑Wochen-Hoch von 55,00 Euro und deutlich über dem 52‑Wochen-Tief von 38,10 Euro. Der aktuelle Kurs liegt leicht über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 48,17 Euro und rund 5 % über dem 200‑Tage-Durchschnitt von 46,75 Euro – ein Hinweis auf einen moderaten Aufwärtstrend ohne Überhitzung. Der RSI von 47,9 signalisiert ein neutrales Niveau.
Ausblick: Wichtige Details Anfang Februar
Die vollständigen Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 will OMV am 4. Februar 2026 vorlegen. Dann wird sichtbar, wie stark sich die Sondereffekte und das schwächere Upstream-Umfeld im berichteten Ergebnis niederschlagen und welche Impulse aus Raffinerie- und Chemiegeschäft tatsächlich ankommen.
Spannend wird zudem, ob die angekündigte vollständige Umkehr der im dritten Quartal verzeichneten Working-Capital-Abflüsse von 0,4 Mrd. Euro gelingt. Gelingt dieser Schritt und bestätigen sich die bislang skizzierten Trends in den Segmenten, dürfte das Bild der operativen Ertragskraft deutlich schärfer werden als im aktuellen Trading Update.
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