Nvidia, Deutsche Telekom & Aixtron: Warum starke Zahlen plötzlich nicht mehr ausreichen
Liebe Leserinnen und Leser,
68 Milliarden Dollar Umsatz, 73 Prozent Wachstum, ein Ausblick, der selbst optimistische Analysten übertrifft – und trotzdem steigt die Nvidia-Aktie vorbörslich nur um magere 1,2 Prozent. Willkommen in einer Börsenwelt, in der Rekorde zur Selbstverständlichkeit geworden sind und Anleger nach neuen Maßstäben suchen. Während in den USA die KI-Euphorie einer nüchternen Prüfung unterzogen wird, liefern deutsche Konzerne am Donnerstag eine Flut von Geschäftszahlen – mit teils überraschenden Marktreaktionen. Von der Telekom über Aixtron bis zu den Versicherungsriesen: Die Märkte sortieren neu, wer überzeugt und wer enttäuscht.
Nvidia glänzt – und lässt die Börse kalt
Die Zahlen des KI-Chip-Giganten sind schlichtweg spektakulär: Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 kletterte der Umsatz um 73 Prozent auf 68 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie lag bei 1,62 Dollar – deutlich über den Erwartungen von 1,54 Dollar. Das Rechenzentrumsgeschäft, das über 90 Prozent der Erlöse ausmacht, erreichte mit 62,3 Milliarden Dollar einen neuen Rekord. Und der Ausblick? 78 Milliarden Dollar für das laufende Quartal, während Analysten nur 73 Milliarden erwartet hatten.
Doch die Begeisterung hält sich in Grenzen. Analysten von Morgan Stanley sprechen vom "größten, saubersten Beat in der Geschichte der Halbleiterindustrie" – und zeigen sich zugleich überrascht von der verhaltenen Kursreaktion. Der Grund: Die Märkte haben sich daran gewöhnt, dass Nvidia liefert. 14 Quartale in Folge hat der Konzern die Erwartungen übertroffen. Was früher für Kursfeuerwerke sorgte, gilt heute als Basiserwartung.
Hinzu kommen neue Sorgen. Finanzchefin Colette Kress deutete an, dass chinesische Konkurrenten langfristig stärker werden könnten. Zudem bleibt unklar, wie es mit dem China-Geschäft weitergeht: Zwar hat die US-Regierung den Verkauf der H200-Chips nach China genehmigt – allerdings mit einem 25-Prozent-Zoll und unter der Bedingung, dass Peking die Importe überhaupt zulässt. Nvidia rechnet vorerst nicht mit Umsätzen aus China.
Die eigentliche Frage aber lautet: Wann sehen Aktionäre etwas von den massiven Cashflows zurück? Nvidia generierte im vierten Quartal 35 Milliarden Dollar Cash, gab aber nur 12 Prozent an die Aktionäre zurück – deutlich weniger als die 52 Prozent vor einem Jahr. Diese Zurückhaltung irritiert Investoren, die sich fragen, ob das Management selbst an die Nachhaltigkeit des Booms glaubt.
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Deutsche Telekom: Solide, aber ohne Überraschungen
Während Nvidia mit Rekorden hadert, liefert die Deutsche Telekom genau das, was der Markt erwartet hat – nicht mehr, nicht weniger. Der DAX-Konzern steigerte seinen Umsatz 2025 organisch um 4,2 Prozent auf 119,1 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA AL kletterte um 4,7 Prozent auf 44,2 Milliarden Euro. Für 2026 plant CEO Tim Höttges einen weiteren Anstieg des operativen Gewinns um 7 Prozent auf rund 47,4 Milliarden Euro.
Die Aktie reagiert mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent – eine unspektakuläre Reaktion auf unspektakuläre Zahlen. Positiv hervorzuheben: Auf dem deutschen Heimatmarkt ist die Telekom im vierten Quartal wieder gewachsen, nachdem der Umsatz dort im dritten Quartal noch rückläufig war. Das Glasfasergeschäft nimmt Fahrt auf: 164.000 neue Kunden im Schlussquartal bedeuten das beste Ergebnis aller Zeiten. Die Netzauslastung stieg auf 16,4 Prozent – ein Zeichen dafür, dass die milliardenschweren Investitionen langsam Früchte tragen.
Analysten von Goldman Sachs sehen die Telekom auf dem richtigen Weg: Die Neubewertung der Aktie dürfte weitergehen, getrieben von der starken US-Tochter T-Mobile und der Stabilisierung des Deutschland-Geschäfts. Mit einem Kursziel von 40 Euro sehen sie noch Luft nach oben – die Aktie notiert aktuell bei 33,87 Euro.
Aixtron: Übergangsjahr mit Hoffnung auf 2027
Deutlich volatiler zeigt sich die Aixtron-Aktie: Nach einem anfänglichen Kursrutsch von über 10 Prozent drehte das Papier ins Plus und notiert am Vormittag rund 2 Prozent höher. Der Chipindustrie-Ausrüster kämpft mit einer schwachen Nachfrage nach Leistungshalbleitern für E-Autos und Smartphones. Der Umsatz sank 2025 um 12 Prozent auf 557 Millionen Euro, das operative Ergebnis brach um ein Viertel auf 100 Millionen Euro ein.
Für 2026 erwartet CEO Felix Grawert einen weiteren Rückgang auf rund 520 Millionen Euro Umsatz – vor allem wegen anhaltender Überkapazitäten bei Siliziumkarbid-Halbleitern (SiC). Doch mittelfristig sieht das Management Licht am Horizont: Die Einführung von 800-Volt-Batteriesystemen in E-Autos und der geplante Hochlauf von Nvidias 800-Volt-Architektur in KI-Rechenzentren dürften 2027 für eine deutliche Belebung sorgen.
Analyst Armin Kremser von der DZ Bank geht davon aus, dass bereits in der zweiten Jahreshälfte 2026 steigende Bestellungen sichtbar werden. "Für den Markt dürfte die Tatsache, dass 2026 ein weiteres Übergangsjahr wird, daher weniger stark ins Gewicht fallen", so der Experte. Die Dividende bleibt trotz des Gewinnrückgangs stabil bei 0,15 Euro – ein Signal, dass das Management an die langfristigen Wachstumstreiber glaubt.
Versicherer enttäuschen trotz Milliardengewinnen
Auch bei Allianz und Munich Re zeigt sich: Starke Zahlen allein reichen nicht mehr. Die Allianz steigerte ihren Gewinn 2025 auf ein Rekordniveau und kündigte ein Aktienrückkaufprogramm an – trotzdem verliert die Aktie 0,9 Prozent. Der Grund: Der Ausblick für 2026 liegt mit 17,4 Milliarden Euro operativem Gewinn (plus/minus 1 Milliarde) unter den Analystenschätzungen von 18,1 Milliarden.
Munich Re übertraf zwar das eigene Gewinnziel trotz der verheerenden Waldbrände in Los Angeles, blieb aber hinter den Markterwartungen zurück. Die Aktie gibt 2,4 Prozent nach. Beide Versicherer kämpfen mit sinkenden Preisen im Rückversicherungsgeschäft – ein Zeichen dafür, dass der Markt nach den Rekordgewinnen der vergangenen Jahre wieder wettbewerbsintensiver wird.
Was Anleger jetzt im Blick haben sollten
Die Börsen befinden sich in einer Phase der Neubewertung. Nach Jahren, in denen vor allem Wachstum und Momentum zählten, rücken nun Profitabilität, Kapitalallokation und nachhaltige Geschäftsmodelle in den Fokus. Nvidia zeigt eindrucksvoll, dass selbst spektakuläre Zahlen nicht mehr automatisch zu Kurssprüngen führen – wenn Zweifel an der langfristigen Entwicklung bestehen.
Für deutsche Anleger bedeutet das: Genau hinschauen lohnt sich. Die Deutsche Telekom profitiert von ihrer diversifizierten Aufstellung und dem starken US-Geschäft. Aixtron bietet eine spekulative Wette auf die Erholung des E-Auto- und KI-Infrastrukturmarktes ab 2027. Und bei den Versicherern könnte die aktuelle Schwäche eine Kaufgelegenheit darstellen – wenn man an eine Fortsetzung des Gewinnwachstums glaubt.
Morgen stehen weitere Geschäftsberichte deutscher Unternehmen an, darunter Siemens Energy nach der heutigen Hauptversammlung. Zudem dürften die Märkte weiter die Implikationen der Nvidia-Zahlen für die gesamte KI-Lieferkette verdauen. Spannend bleibt auch die Entwicklung im Emissionshandel: Italiens Forderung nach einer Aussetzung des EU-Systems belastet Zementhersteller wie Heidelberg Materials, während Chemiekonzerne wie BASF profitieren.
Beste Grüße und ein wachsames Auge auf die Märkte
Andreas Sommer








