Netflix stellt sein milliardenschweres Übernahmeangebot für Warner Bros. Discovery offenbar um – und verschärft damit einen der größten Übernahmekämpfe der Hollywood-Geschichte. Statt einer Mischung aus Bargeld und Aktien soll der Kauf komplett in bar bezahlt werden. Ziel ist es, den Abschluss zu beschleunigen und den Rivalen Paramount Skydance auszubremsen.

All-Cash-Deal soll Abstimmung vorziehen

Laut übereinstimmenden Berichten von CNBC und Reuters plant Netflix, die im Dezember 2025 vereinbarte Transaktion mit Warner Bros. Discovery in ein reines Barangebot umzuwandeln. Die ursprüngliche Vereinbarung bewertete Warner Bros. Discovery mit 27,75 US-Dollar je Aktie und einem Unternehmenswert von rund 82,7 Milliarden US-Dollar (davon 72,0 Milliarden US-Dollar Eigenkapitalwert).

Bisher war vorgesehen, dass Warner-Bros.-Aktionäre 23,25 US-Dollar in bar und 4,50 US-Dollar in Netflix-Stammaktien erhalten. Mit einem vollständigen Barangebot würde sich der Zeitplan für die Zustimmung der Aktionäre deutlich verkürzen:

  • Ursprünglicher Zeitplan: Abstimmung im Frühjahr oder Frühsommer erwartet
  • Überarbeiteter Zeitplan: Abstimmung bereits Ende Februar oder Anfang März möglich
  • Hauptgrund: Reine Bartransaktionen erfordern weniger Finanzdokumentation und regulatorische Unterlagen

Damit erhöht Netflix den Druck, bevor die Konkurrenz ihrerseits weiter aufdreht.

Aktie unter Druck durch M&A-Sorgen

Die Aktie gab gestern um 2 % nach, nachdem TD Cowen das Kursziel von 142,00 auf 115,00 US-Dollar gesenkt hatte. Im Tagesverlauf fiel der Kurs bis auf 87,95 US-Dollar und schloss bei 88,55 US-Dollar. Seit Beginn der Warner-Bros.-Offerte im Oktober hat das Papier damit rund 25 % an Wert verloren.

Wichtige Kennzahlen

  • Marktkapitalisierung: rund 375 Milliarden US-Dollar
  • 50-Tage-Linie: 100,26 US-Dollar
  • 200-Tage-Linie: 113,71 US-Dollar
  • 52-Wochen-Spanne: 82,11 – 134,12 US-Dollar

Der Kurs liegt aktuell klar unter sowohl der 50- als auch der 200-Tage-Linie – ein technisches Bild, das auf einen etablierten Abwärtstrend hindeutet.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Netflix?

Paramount Skydance erhöht den Druck

Die geplante Umstellung auf ein Voll-Barangebot fällt in eine Phase, in der Paramount Skydance seine feindliche Offerte für Warner Bros. Discovery weiter verschärft. Paramount bietet 30 US-Dollar je Aktie für das gesamte Unternehmen inklusive der TV-Netzwerke – ein Deal im Volumen von 108,4 Milliarden US-Dollar.

Zu den aggressiven Schritten von Paramount gehören:

  • Eine Klage gegen Warner Bros. Discovery und CEO David Zaslav
  • Die Zusage von 40,4 Milliarden US-Dollar Eigenkapital durch Oracle-Mitgründer Larry Ellison
  • Pläne zur Nominierung eigener Kandidaten in den Verwaltungsrat von Warner Bros.
  • Die Vorbereitung eines öffentlichen Übernahmeangebots direkt an die WBD-Aktionäre

Der Verwaltungsrat von Warner Bros. unterstützt bislang konsequent das Angebot von Netflix und verweist darauf, dass Paramounts Gebot stark von Fremdfinanzierung abhänge und dadurch ein höheres Vollzugsrisiko berge.

Belastung durch möglichen EPS-Rückgang

Analysten sehen in der All-Cash-Struktur eine Belastung für den Gewinn je Aktie von Netflix im Geschäftsjahr 2026. Hintergrund ist der höhere Finanzierungsbedarf: Netflix hat sich bereits 59 Milliarden US-Dollar an Kreditzusagen von Großbanken gesichert und plant, rund 25 Milliarden US-Dollar in länger laufende Schulden umzuschulden.

Ende September 2025 lag das Verhältnis von Nettoschulden zu EBITDA unter 1,0. Dem standen 9,3 Milliarden US-Dollar an Barmitteln 14,5 Milliarden US-Dollar Gesamtschulden gegenüber. Analysten von Bloomberg Intelligence betonen, dass Netflix noch zusätzlichen Spielraum für weitere Kreditaufnahme hat, ohne robuste Bonitätsnoten zu gefährden.

Q4-Zahlen als nächster Test

Am 20. Januar legt Netflix die Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor. Morningstar sieht den fairen Wert der Aktie bei 770 US-Dollar je Anteilsschein – deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Das Researchhaus rechnet in den kommenden fünf Jahren mit durchschnittlich rund 10 % jährlichem Umsatzwachstum und erwartet deutlich steigende Margen, insbesondere durch die Reifung der internationalen Märkte.

Die Übernahme von Warner Bros. Discovery würde Netflix die Kontrolle über einige der wertvollsten Entertainment-Marken der Branche sichern – darunter Harry Potter, Game of Thrones, das DC-Comics-Universum und Klassiker wie Casablanca. Damit stünde ein Content-Paket im Raum, das die Kräfteverhältnisse im globalen Streaming-Markt über Jahre hinweg spürbar verschieben könnte.

Netflix-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Netflix-Analyse vom 15. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Netflix-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Netflix-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 15. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Netflix: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...