Netflix verzichtet auf die größte Übernahme seiner Geschichte – und setzt stattdessen auf KI. Nach dem Rückzug aus dem Warner-Bros.-Bieterverfahren kauft der Streaming-Konzern das KI-Startup InterPositive, kassiert eine Abstandszahlung von 2,8 Milliarden Dollar und bekommt von Analysten gleich mehrere Hochstufungen.

Kein Studio-Deal, dafür KI

Im Dezember 2025 hatte Netflix ein Angebot für Teile von Warner Bros. Discovery unterbreitet – Gesamtwert: 82,7 Milliarden Dollar. Das hätte die Schuldenlast des Unternehmens auf das Fünf- bis Sechsfache erhöht. Als Paramount Skydance ein konkurrierendes Gebot vorlegte und Warner's Board dieses als überlegen einstufte, zog Netflix am 26. Februar zurück. Co-CEO Ted Sarandos fasste die Haltung danach in einem Bloomberg-Interview knapp zusammen: „We are builders, not buyers."

Der Markt quittierte das mit einem Kursanstieg von 26,6 Prozent allein in den letzten fünf Handelstagen des Februars – trotz zwei zwischenzeitlicher Rückgänge von jeweils 9,1 Prozent. Unterm Strich legte die Aktie im Februar um 15,3 Prozent zu.

Kurz nach dem Rückzug folgte ein anderer Deal: Netflix übernimmt InterPositive, das KI-Startup von Regisseur und Schauspieler Ben Affleck. Die Technologie analysiert Drehmaterial aus laufenden Produktionen und stellt das daraus erstellte KI-Modell in der Postproduktion zur Verfügung – etwa für Colorgrading, Relighting von Szenen oder visuelle Effekte. Affleck wechselt als Senior Adviser zu Netflix; sein Produktionsunternehmen Artists Equity erhält einen mehrjährigen First-Look-Deal. Finanzielle Details wurden nicht bekannt gegeben.

Die Übernahme ist nicht ohne Spannungsfeld: Derzeit verhandeln die wichtigsten Filmschaffenden-Gewerkschaften mit Studios und Streamern über neue Verträge, nachdem die Streiks von 2023 auch durch KI-Debatten ausgelöst wurden. Ein Medienexperte der Texas Christian University wertete gegenüber NPR Afflecks Beteiligung als positives Signal: Sein Status verleihe dem Thema „verantwortungsvoller KI-Einsatz" in der Branche erhebliches Gewicht.

Starke Kennzahlen, klare Wachstumsstory

Die Finanzlage unterstreicht den strategischen Spielraum. Netflix erzielte 2025 einen freien Cashflow von 9,5 Milliarden Dollar – über der eigenen Prognose. Mit 325 Millionen Abonnenten weltweit (plus 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und einem Umsatzziel von 50,7 bis 51,7 Milliarden Dollar für 2026 bleibt das Wachstum strukturell intakt.

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Besonders dynamisch: das Werbegeschäft. Die Werbeerlöse wuchsen 2025 um mehr als das Zweieinhalbfache. Für 2026 peilt das Management rund 3 Milliarden Dollar Umsatz allein aus diesem Segment an. Für das laufende erste Quartal erwartet Netflix einen Umsatz von 12,2 Milliarden Dollar – ein Plus von 15,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum – sowie ein operatives Ergebnis von 3,9 Milliarden Dollar, was einem Anstieg von 17 Prozent entspräche.

Das Inhaltsbudget für 2026 liegt bei rund 20 Milliarden Dollar. Die Nutzungsstunden der eigenen Originals stiegen im zweiten Halbjahr 2025 um 9 Prozent – eine Beschleunigung gegenüber den 7 Prozent aus dem ersten Halbjahr.

Analysten drehen auf Kauf

Die veränderte Lage nach dem Warner-Rückzug hat die Analystengemeinde mobilisiert. Am 2. März stufte JPMorgan Netflix auf „Overweight" hoch und setzte ein Kursziel von 120 Dollar. Am 6. März zog CFRA-Analyst Kenneth Leon nach: Hochstufung von „Hold" auf „Buy", Kursziel 115 Dollar.

Gegenwind kommt derweil vom wichtigsten Rivalen: Laut Nielsen-Daten vom Januar 2026 belegt Netflix bei der TV-Gesamtnutzung mit einem Marktanteil von 8,8 Prozent den dritten Platz – hinter YouTube und Disney.

Die nächste Bewährungsprobe kommt schnell: Am 15. April 2026 stehen die Quartalszahlen an. Dann zeigt sich, ob der Wachstumskurs der Standalone-Strategie auch in harten Zahlen überzeugt.

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