Microsoft musste diese Woche Klartext reden. Als OpenAI eine 110-Milliarden-Dollar-Finanzierungsrunde verkündete – mit Amazon als größtem neuen Investor – stellten sich Anleger umgehend die Frage: Verliert der Tech-Riese seinen privilegierten Zugang zum wertvollsten KI-Partner der Branche? Eine gemeinsame Stellungnahme mit OpenAI sollte die Wogen glätten, während gleichzeitig neue Partnerschaften und starke Quartalszahlen die Aufmerksamkeit auf sich zogen.

Amazon investiert 50 Milliarden – Azure bleibt zentral

OpenAI sicherte sich in einer Finanzierungsrunde bei einer Bewertung von 730 Milliarden Dollar insgesamt 110 Milliarden Dollar frisches Kapital. SoftBank steuert 30 Milliarden bei, Nvidia ebenfalls 30 Milliarden, und Amazon verpflichtet sich zu 50 Milliarden Dollar – zunächst 15 Milliarden sofort, weitere 35 Milliarden folgen bei Erfüllung bestimmter Bedingungen.

Das schiere Volumen von Amazons Engagement löste unmittelbar Spekulationen aus, ob Microsofts Sonderstellung bei OpenAI erodiert. Die Antwort kam prompt: In einer separaten Erklärung bekräftigten beide Unternehmen, dass die bestehende Partnerschaft unverändert fortbesteht. Azure bleibt exklusiver Cloud-Anbieter für sogenannte "stateless APIs" – jene einfachen, zustandslosen Anfragen an OpenAI-Modelle, die den Großteil des kommerziellen API-Geschäfts ausmachen.

Entscheidend dabei: Selbst wenn OpenAI mit Dritten wie Amazon zusammenarbeitet und dabei stateless API-Aufrufe anfallen, werden diese über Azure abgewickelt. Microsofts exklusive Lizenz für OpenAIs geistiges Eigentum bleibt ebenfalls unangetastet, ebenso die Umsatzbeteiligung – das heißt, auch Erlöse aus der AWS-Partnerschaft fließen anteilig an Microsoft.

Amazons Rolle beschränkt sich auf die Bereitstellung von AWS als exklusivem Drittanbieter für "OpenAI Frontier", die Unternehmensplattform für den Aufbau komplexer KI-Agenten. Solche "stateful"-Umgebungen sind für Anwendungen gedacht, die Kontext speichern und über längere Zeit arbeiten – ein anderes Segment als die API-Calls, die Microsoft kontrolliert.

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Starlink-Kooperation erweitert Azure-Reichweite

Parallel zur OpenAI-Debatte gab Microsoft eine strategische Partnerschaft mit Starlink bekannt. Ziel ist es, die globale Internetabdeckung auszubauen und Azure in bisher unterversorgte Regionen zu bringen. Über 299 Millionen Menschen weltweit haben durch Microsofts Initiativen mittlerweile Zugang zu Internet erhalten.

Den Anfang macht Kenia: 450 Community-Hubs – darunter Bauernkooperativen, Lagerhäuser und digitale Zentren – sollen angebunden werden. Die Kombination aus Satellitentechnologie und lokalen Partnerschaften soll Lücken schließen, die herkömmliche Infrastruktur nicht erreicht. Microsoft verweist darauf, dass weltweit noch etwa 2,2 Milliarden Menschen offline sind – eine Kluft, die sich mit der Verbreitung künstlicher Intelligenz weiter vertiefen könnte.

Starke Zahlen, aber Margendruck spürbar

Die Entwicklungen der Woche fußen auf soliden operativen Fundamentaldaten. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 (zum 31. Dezember 2025) erzielte Microsoft einen Umsatz von 81,3 Milliarden Dollar – ein Plus von 17 Prozent. Der Gewinn je Aktie (Non-GAAP) stieg um 24 Prozent auf 4,14 Dollar.

Das Intelligent-Cloud-Segment, zu dem Azure gehört, brachte 32,91 Milliarden Dollar und wuchs um 29 Prozent. Azure und andere Cloud-Dienste legten um 39 Prozent zu, nach 40 Prozent im Vorquartal. Microsoft Cloud insgesamt verbuchte 51,5 Milliarden Dollar Umsatz, was einem Anstieg von 26 Prozent entspricht.

Trotz dieser Zahlen zeigt sich Druck auf die Profitabilität: Die Bruttomarge fiel auf knapp 68 Prozent – der niedrigste Wert seit drei Jahren. Verantwortlich dafür sind die massiven Investitionen in KI-Infrastruktur. Microsoft gab im Quartal 37,5 Milliarden Dollar für Investitionsausgaben aus – 66 Prozent mehr als im Vorjahr und 3,2 Milliarden über den Analystenschätzungen.

Ausblick: Balanceakt zwischen Wachstum und Kosten

Microsoft navigiert durch ein Spannungsfeld: Auf der einen Seite steht das operative Wachstum in Cloud und KI, auf der anderen die rekordhohen Kapitalausgaben und ein sich verändernder Wettbewerb um OpenAI. Die Klarstellung mit OpenAI sichert Azure zwar die Rolle als exklusiver Anbieter für stateless APIs – kommerziell ein bedeutender Anker – doch Amazons Einstieg zeigt, dass sich das Rennen um KI-Infrastruktur zwischen allen großen Cloud-Anbietern verschärft.

Die zentrale Herausforderung bleibt der Abstand zwischen Infrastrukturaufbau und Umsatzwachstum. Während Microsoft in beispiellosem Tempo in KI investiert, verlangsamt sich das Umsatzwachstum leicht. Die Starlink-Partnerschaft eröffnet langfristig neue Märkte, in denen klassische Infrastruktur fehlt. Am 28. April folgen die Zahlen für das dritte Geschäftsquartal – dann wird sich zeigen, ob die Investitionen sich in beschleunigtem Umsatzwachstum niederschlagen.

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