Die KI-Welle katapultiert Micron in neue Dimensionen. Der Speicherchiphersteller profitiert von einer Nachfrage, die weit über das Gewohnte hinausgeht – und die Kapazitäten für 2026 sind nach Unternehmensangaben praktisch ausverkauft. Parallel dazu liefern starke Quartalszahlen, ein historisches Fabrikprojekt in New York und eine Serie deutlicher Analysten-Upgrades zusätzliche Rückenwindsignale. Doch wie solide ist dieser Höhenflug untermauert?

Analysten drehen deutlich nach oben

Mehrere große Investmentbanken haben ihre Kursziele für Micron teils kräftig angehoben und sich klar positiv positioniert. Im Fokus steht vor allem die stark anziehende Nachfrage nach Speicher für KI-Rechenzentren und High-Bandwidth-Memory (HBM).

  • Piper Sandler erhöhte das Kursziel von 275 auf 400 US-Dollar
  • UBS setzte das Ziel ebenfalls auf 400 US-Dollar
  • Mizuho hob von 290 auf 390 US-Dollar an
  • JPMorgan bestätigt 350 US-Dollar bei „Overweight“
  • Morgan Stanley bleibt bei 350 US-Dollar und „Overweight“
  • Bernstein SocGen erhöhte von 270 auf 330 US-Dollar

Piper-Sandler-Analyst Harsh Kumar, einer der bestgerankten Analysten laut TipRanks, betonte, dass Microns Angebot für das Kalenderjahr 2026 im Wesentlichen vergriffen ist und kurzfristig kaum zusätzliche Kapazität aufgebaut werden kann. Das stützt die Erwartung, dass die Knappheit im Markt und damit die Preissetzungsmacht anhalten könnten.

Starke Zahlen, starke Prognose

Fundamental liefert Micron aktuell beeindruckende Daten. Im ersten Geschäftsquartal 2026 lagen Umsatz und Gewinn klar über den Erwartungen.

  • Umsatz: 13,64 Mrd. US-Dollar, ein Plus von 56,7 % gegenüber dem Vorjahr und deutlich über den erwarteten 12,62 Mrd. US-Dollar
  • Non-GAAP-Gewinn je Aktie: 4,78 US-Dollar, rund 1,01 US-Dollar über dem Konsens von 3,77 US-Dollar
  • GAAP-Nettogewinn: 5,24 Mrd. US-Dollar
  • Operativer Cashflow: 8,41 Mrd. US-Dollar (Vorquartal: 5,73 Mrd. US-Dollar)
  • DRAM-Umsatz: 10,8 Mrd. US-Dollar, ein Zuwachs von 69 % im Jahresvergleich
  • Bruttomarge: 45,56 %

Besonders auffällig ist der Blick nach vorn: Für das zweite Geschäftsquartal 2026 stellt das Unternehmen einen Gewinn je Aktie zwischen 8,22 und 8,62 US-Dollar in Aussicht. Das entspräche einem Wachstum von etwa 440 % gegenüber dem Vorjahr – ein Tempo, das klar die derzeitige Sonderkonjunktur im Speichermarkt widerspiegelt.

Kursseitig spiegelt sich der Optimismus bereits wider: Die Aktie schloss am Freitag bei 345,09 US-Dollar, was einem Anstieg von rund 53 % in den vergangenen 30 Tagen entspricht und zugleich ein neues 52‑Wochen-Hoch markiert.

Megafab in New York als strategischer Hebel

Parallel zur operativen Stärke treibt Micron ein Großprojekt in den USA voran. Am 16. Januar 2026 soll der erste Spatenstich für eine neue Megafabrik im Bundesstaat New York erfolgen. Mit einem geplanten Investitionsvolumen von 100 Mrd. US-Dollar handelt es sich um die größte private Investition in der Geschichte des Bundesstaates und um die künftig größte Halbleiterfertigung in den USA.

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Die Anlage soll langfristig bis zu vier Fertigungsstätten umfassen und 2,4 Mio. Quadratfuß Reinraumfläche bieten. Über mehr als 20 Jahre werden mehr als 50.000 Arbeitsplätze in New York erwartet, darunter 9.000 direkte Stellen bei Micron. Strategisch stärkt das Projekt die lokale Produktion von Speicherchips in den USA und soll die Kapazitäten für die nächste Generation von Speichertechnologien sichern.

CEO Sanjay Mehrotra stellte zudem klar, dass die HBM-Kapazität für 2026 vollständig ausgebucht ist. Volumen- und Preisverhandlungen für das gesamte Kalenderjahr sind bereits abgeschlossen – ein Hinweis darauf, wie eng der Markt in diesem Segment derzeit ist.

Angebotsknappheit stützt Preise

Der zentrale Treiber hinter Microns Rückenwind ist die strukturelle Knappheit im Speichermarkt. Analysten rechnen damit, dass diese bis 2026 und möglicherweise darüber hinaus anhalten könnte. Für DRAM werden im laufenden Quartal sequenzielle Preisanstiege von 20 bis 25 % erwartet.

Ursachen für die angespannte Lage:

  • Neue Speicherfabriken benötigen Jahre bis zur Inbetriebnahme
  • Der Umstieg auf fortgeschrittene Fertigungsknoten verlangt zusätzliche Reinraumfläche
  • KI-Workloads verbrauchen etwa die dreifache DRAM-Kapazität herkömmlicher Anwendungen
  • Hersteller schichten Kapazitäten verstärkt in Richtung HBM um

Micron selbst geht davon aus, in den kommenden Jahren nur etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Nachfrage einiger Schlüsselkunden bedienen zu können. Das unterstreicht die Schärfe des Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage und erklärt, warum der Markt derzeit hohe Preise durchsetzen kann.

Bewertung: Günstig auf den Gewinn, teuer auf den Cashflow

Nach dem kräftigen Kursanstieg ist die Bewertungsfrage in den Vordergrund gerückt. Auf Basis der erwarteten Gewinne wirkt die Aktie im Vergleich zum breiten Technologiemarkt weiterhin moderat bepreist: Micron kommt auf etwa das 10,5‑Fache der erwarteten Gewinne und liegt damit deutlich unter dem durchschnittlichen KGV des Nasdaq‑100 von rund 26.

Die Konsensschätzungen sehen für das Geschäftsjahr 2026 einen Gewinn von 32,22 US-Dollar je Aktie und für 2027 von 39,39 US-Dollar je Aktie. Damit preisen Investoren derzeit ein, dass der aktuelle Boom beim Speicherbedarf zumindest mittelfristig anhält.

Ein anderes Bild zeigt jedoch der freie Cashflow: Dieser lag zuletzt bei 4,7 Mrd. US-Dollar und damit deutlich unter dem ausgewiesenen Gewinn von 11,9 Mrd. US-Dollar. Daraus ergibt sich ein Kurs‑Free‑Cashflow‑Verhältnis von rund 78. Für eher wertorientierte Anleger ist das ein Kennwert, der genau beobachtet werden dürfte, zumal er sensibel auf jede Normalisierung der Margen reagieren kann.

Unterm Strich spiegelt Microns Bewertung die besondere Lage des Unternehmens wider: starke KI-getriebene Nachfrage, enges Angebot, hohe Gewinnschätzungen – aber auch die klare Abhängigkeit davon, dass dieser Ausnahmezustand im Speichermarkt nicht zu schnell abflaut.

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