Die Rally bei Micron nimmt beeindruckende Ausmaße an – und die Wall Street legt noch eine Schippe drauf. Mehrere große Investmenthäuser haben ihre Kursziele deutlich angehoben, gestützt von einem außergewöhnlich engen Markt für Speicherchips. Der entscheidende Treiber: die ungebrochene Nachfrage nach Rechenkapazität für Künstliche Intelligenz.

Aktuell notiert die Aktie mit 327,02 US‑Dollar nur knapp unter ihrem jüngsten Rekordstand, nachdem sie sich binnen zwölf Monaten mehr als verdreifacht hat. Damit spiegelt der Kurs ziemlich genau wider, was Analysten und Branchenbeobachter inzwischen als „Hyper-Bull“-Phase im Speichersegment bezeichnen.

Analysten drehen Kursziele deutlich hoch

Gleich mehrere renommierte Adressen haben diese Woche ihre Erwartungen für Micron nach oben geschraubt. Im Mittelpunkt steht die Einschätzung, dass Angebot und Nachfrage im Speicherchip-Markt in den kommenden Jahren klar zugunsten der Anbieter ausfallen.

  • Piper Sandler erhöhte das Kursziel von 275 auf 400 US‑Dollar
  • UBS hob parallel von 300 auf ebenfalls 400 US‑Dollar an (Rating: Buy)
  • Bernstein SocGen zog bereits zuvor von 270 auf 330 US‑Dollar nach

Piper-Sandler-Analyst Harsh Kumar verweist darauf, dass Microns Speicherproduktion für das Kalenderjahr 2026 bereits komplett verplant ist. Besonders wichtig: Bei hochwertigen Produkten wie HBM4 (High Bandwidth Memory) orientieren sich die Preise stärker am Wert für den Kunden als an reinen Stückzahlen – ein klarer Vorteil in einem knappen Markt.

Bernstein-Analyst Mark Li rechnet zudem im laufenden Quartal mit einem sequenziellen Preissprung von 20 bis 25 Prozent bei DRAM, dem Kerngeschäft von Micron. Steigende Preise bei bereits ausgelasteter Produktion sind genau die Kombination, auf die Optimisten setzen.

Samsung-Zahlen untermauern Speicherboom

Rückenwind kommt auch von der Konkurrenzseite. Samsung Electronics hat am 8. Januar vorläufige Zahlen für das vierte Quartal 2025 vorgelegt – und damit die Stärke des aktuellen Zyklus eindrucksvoll bestätigt.

  • Operativer Gewinn Q4 2025: 20 Billionen Won (rund 13,8 Mrd. US‑Dollar)
  • Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr
  • Neues Rekordquartal, über dem bisherigen Hoch aus Q3 2018 (17,6 Billionen Won)

Noch deutlicher wird das Bild bei den Marktpreisen: Laut TrendForce sind die Vertragspreise für DRAM im vierten Quartal im Jahresvergleich um 313 Prozent gestiegen. Für das erste Quartal 2026 erwartet der Datendienst einen weiteren Anstieg konventioneller DRAM-Vertragspreise um 55 bis 60 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Counterpoint Research spricht in einem Bericht vom 8. Januar von einer „Hyper-Bull“-Phase im Speichermarkt. Die Verhandlungsmacht der Anbieter sei so hoch wie nie, getrieben von der enormen Nachfrage nach KI- und Serverkapazitäten. Für Micron ist das ein ideales Umfeld: starke Preise, hohe Auslastung und begrenztes Angebot auf der Industrieseite.

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Megafab in New York als langfristiger Hebel

Parallel treibt das Unternehmen seine Kapazitätsplanung in den USA voran. Am 7. Januar kündigte Micron an, am 16. Januar 2026 offiziell mit dem Bau seiner Megafab im Onondaga County im Bundesstaat New York zu beginnen.

Der Komplex soll:

  • die fortschrittlichste Speicherfertigung weltweit beherbergen
  • bis zu vier sogenannte „Fabs“ umfassen
  • zur größten Halbleiterproduktionsstätte in den USA werden

CEO Sanjay Mehrotra bezeichnet den Spatenstich als „entscheidenden Moment für Micron und die Vereinigten Staaten“. Hintergrund: Mit eigenen, hochmodernen Fertigungskapazitäten in den USA stärkt der Konzern seine strategische Position gegenüber großen Kunden, gerade im KI- und Rechenzentrumsbereich, und profitiert zugleich von politischen Förderprogrammen.

Prognose: Gewinnexplosion in Sicht

Die im Dezember vorgestellte Prognose für das zweite Geschäftsquartal 2026 liefert die fundamentale Basis für den Optimismus der Analysten.

Micron stellt in Aussicht:

  • Non-GAAP-Gewinn je Aktie: 8,42 US‑Dollar (plus 440 % gegenüber dem Vorjahr)
  • Umsatz: 18,7 Mrd. US‑Dollar, plus/minus 400 Mio.
  • Bruttomarge: 68 %

Entscheidend ist dabei nicht nur das kurzfristige Wachstum, sondern die Klarheit über die Auslastung: Die Kapazitäten für High-Bandwidth-Memory im Kalenderjahr 2026 sind nach Unternehmensangaben vollständig ausverkauft. Für den Großteil dieser Mengen stehen die Preise bereits fest.

Mehrotra betonte im Earnings-Call am 17. Dezember, Micron könne im mittleren Zeithorizont bei einigen wichtigen Kunden lediglich „die Hälfte bis zwei Drittel“ der Nachfrage bedienen. Das unterstreicht, wie knapp das Angebot in Schlüsselbereichen des KI-Speichermarktes derzeit ist.

Bewertung und Ausblick

Trotz der jüngsten Konsolidierung liegt der Kurs mit 327,02 US‑Dollar lediglich rund fünf Prozent unter dem 52‑Wochen-Hoch von 343,43 US‑Dollar, während die Aktie auf Sicht von zwölf Monaten um mehr als 230 Prozent zugelegt hat. Dass der Titel damit deutlich über den langfristigen Durchschnittskursen handelt, ist vor allem Ausdruck des erwarteten Gewinnsprungs und der außergewöhnlichen Preisdynamik.

Der Blick nach vorn bleibt eng mit dem KI-Boom verknüpft. Für das am 18. März 2026 erwartete nächste Zahlenwerk rechnen Konsensschätzungen mit einem Gewinn je Aktie von 32,29 US‑Dollar im Gesamtjahr 2026 – knapp das Vierfache des Vorjahreswertes. Macquarie Equity Research geht zudem davon aus, dass der globale DRAM-Markt bis 2026 auf 311 Mrd. US‑Dollar mehr als doppelt so groß sein wird wie heute.

Mit einem Buy-Anteil von 88,6 Prozent unter den Analysten und anhaltenden Angebotsengpässen über 2026 hinaus bleibt Micron damit ein Kernprofiteur des KI-getriebenen Speicherzyklus. Kurzfristig steht noch eine Dividendenzahlung von 0,115 US‑Dollar je Aktie an, die am 14. Januar an Aktionäre ausgeschüttet wird, die am 29. Dezember im Aktienregister standen.

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