Der Stuttgarter Premiumhersteller steht an einer spannenden Weggabelung: Auf der einen Seite warnen Analysten vor einem deutlichen Gewinneinbruch im vierten Quartal, auf der anderen Seite gilt die Bewertung als günstig und der neue CLA setzt technologisch Marken. Im Hintergrund verschärfen hohe Kosten in Deutschland, mögliche US-Zölle und drohende CO₂-Strafzahlungen den Druck. Wie robust ist die Investmentstory unter diesen Rahmenbedingungen?

Die Fakten im Überblick

  • Schlusskurs Freitag: 58,82 Euro (rund 1 % im Minus)
  • Abstand zum 52‑Wochen-Hoch von 70,10 Euro: etwa –16 %
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): 5,28
  • Dividendenrendite: knapp 8 %
  • JPMorgan-Kursziel: 70 Euro (Rating: Overweight)
  • Bernstein-Kursziel: 66 Euro (angehoben von 60 Euro, Einstufung: Market-Perform)
  • RSI (14 Tage): 36,3 – näher am überverkauften Bereich
  • Abstand zum 200‑Tage-Durchschnitt: +7,45 %

Damit bleibt der Titel fundamental attraktiv, auch wenn der Kurs seit Jahresbeginn um gut 5 % nachgegeben hat und zuletzt die Marke von 60 Euro von oben verloren ging.

Analysten: Warnung vor Gewinneinbruch, aber klare Kursziele

Gleich zwei große Häuser haben sich zuletzt zur Aktie geäußert – mit einem ähnlichen Muster: kurzfristige Vorsicht bei den Zahlen, mittelfristig positives Chance-Risiko-Verhältnis.

Bernstein Research hat das Kursziel in dieser Woche von 60 auf 66 Euro angehoben und die Einstufung „Market-Perform“ bestätigt. Analyst Stephen Reitman sieht 2026 Potenzial im Autosektor, rechnet aber damit, dass Mercedes-Benz mit den kommenden Ergebnissen unter den Konsensschätzungen bleiben könnte.

JPMorgan bleibt noch deutlicher auf der positiven Seite und bestätigte am 15. Januar das Votum „Overweight“ bei einem Kursziel von 70 Euro. Gleichzeitig verweist die Bank explizit auf einen erwarteten Gewinneinbruch im vierten Quartal 2025 – ein klarer Hinweis auf eine Belastungsphase, bevor mögliche Erholungseffekte greifen.

Kurzfristig dominieren damit Sorgen um das Ergebnis, während die Kursziele der Analysten deutlich über dem aktuellen Niveau liegen.

Produktionsverlagerung: Kostendruck versus Standortdebatte

Zusätzliche Bewegung bringt die Bestätigung weiterer Anpassungen im Produktionsnetzwerk. Kapazitäten der Kompaktklasse, insbesondere der A‑Klasse, werden von Deutschland nach Ungarn verlagert. Als Hauptgründe werden:

  • hohe Energiekosten
  • sowie regulatorische Belastungen in Deutschland

genannt.

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Die Maßnahme wird am Markt zweigeteilt gesehen:

  • Langfristig verspricht der Schritt niedrigere Fertigungskosten und damit bessere Margen.
  • Kurzfristig verstärkt er die Wahrnehmung, dass der Industriestandort Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit verliert – ein Signal, das auch auf die Stimmung im DAX drückt.

Erschwerend hinzu kommen angedrohte Zölle der USA im Zusammenhang mit dem politischen Streit um Grönland. Die Vereinigten Staaten gehören zu den wichtigsten Absatzmärkten des Konzerns, entsprechend sensibel reagiert der Kurs auf jede Eskalation im transatlantischen Handel.

Produktseite: CLA glänzt, CO₂-Ziele wackeln

Auf Produktebene meldet der Hersteller dagegen einen bemerkenswerten Erfolg: Der neue CLA wurde auf der Brussels Motor Show zum „European Car of the Year 2026“ gekürt – der erste Sieg in diesem Wettbewerb seit den 1970er-Jahren.

Das Modell basiert auf der neuen MMA-Plattform (Mercedes-Benz Modular Architecture) und ist zentral für die zukünftige Ausrichtung im Elektrosegment. Technische Eckpunkte:

  • WLTP-Reichweite von bis zu 790 Kilometern
  • 800‑Volt-Schnellladetechnik
  • Ausrichtung auf das Volumensegment mit Konkurrenzmodellen wie Škoda Elroq und Kia EV4

Der CLA soll helfen, die CO₂-Flottenziele der EU zu erreichen. Genau hier liegt jedoch ein weiterer Problempunkt: Laut Berichten droht der Konzern als einziger europäischer Hersteller die CO₂-Vorgaben für 2025–2027 zu verfehlen. Der Flottenausstoß könnte rund 10 g/km über dem erlaubten Grenzwert liegen. Ohne Gegenmaßnahmen – etwa über Pooling-Vereinbarungen mit emissionsärmeren Herstellern – wären Strafzahlungen die Folge.

Damit stehen sich zwei Entwicklungen gegenüber: technologischer Fortschritt und Auszeichnungen auf der einen Seite, potenzielle regulatorische Kosten auf der anderen.

Charttechnik: Unter 60 Euro, Unterstützung im Blick

Charttechnisch befindet sich die Aktie in einer heiklen Phase. Der Kurs ist unter die psychologisch und technisch wichtige 60‑Euro-Marke gefallen. Mit 58,82 Euro liegt der Titel:

  • leicht unter dem 50‑Tage-Durchschnitt (60,25 Euro)
  • aber noch klar über dem 200‑Tage-Durchschnitt (54,74 Euro)

Der Bruch der 59‑Euro-Zone signalisiert kurzfristige Schwäche. Sollte sich der von JPMorgan erwartete Gewinneinbruch im vierten Quartal bestätigen und die Prognosen verfehlen, könnte die Unterstützung im Bereich um 58 Euro erneut in den Fokus rücken. Auf der anderen Seite deuten das niedrige KGV, die hohe Dividendenrendite und die angehobenen Kursziele darauf hin, dass das mittelfristige Potenzial intakt bleibt – vorausgesetzt, die Kostenstruktur lässt sich durch Schritte wie die Verlagerung nach Ungarn verbessern und die CO₂-Thematik wird rechtzeitig entschärft.

Im Kern prallen damit drei Kräfte aufeinander: kurzfristiger Ergebnisdruck, struktureller Kostendruck im Heimatmarkt und gleichzeitig technologische Fortschritte sowie positive Analysten-Kursziele – die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, welche dieser Komponenten den Ton beim Kursverlauf vorgibt.

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