Ein unerwarteter Befreiungsschlag lässt Anleger aufatmen und sorgt für Erleichterung in Stuttgart. Das Verwaltungsgericht Schleswig-Holstein hat diverse Rückrufbescheide des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) einkassiert und beschert dem Autobauer einen wichtigen Etappensieg in der leidigen Diesel-Thematik. Doch ist die "Akte Abgas" damit endgültig geschlossen oder verschafft dieses Urteil dem Konzern lediglich eine juristische Atempause?

Behörden-Panne stoppt Rückruf

Es ist ein seltener Triumph der Autoindustrie gegen die Aufsichtsbehörden. Dabei musste sich das Gericht nicht einmal mit der komplexen Technik der Euro-5-Dieselmotoren oder der umstrittenen "Kühlmittelsolltemperaturregelung" befassen. Der Grund für den Erfolg von Mercedes-Benz ist banaler, aber folgenschwerer Natur: Das KBA hat schlichtweg veraltete Gesetze angewendet.

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Die Behörde stützte ihre Anordnungen auf die EG-Fahrzeuggenehmigungsverordnung, die bereits im September 2020 durch eine neue EU-Verordnung abgelöst wurde. Dieser gravierende Formfehler reichte den Richtern aus, um die Bescheide für rechtswidrig zu erklären und zu nullifizieren. Für Mercedes bedeutet dies konkret:

  • Rückruf-Stopp: Keine unmittelbaren Werkstattaktionen für die betroffenen Modelle.
  • Kostenbremse: Potenzielle Ausgaben für Nachrüstungen werden vorerst vermieden.
  • Verhandlungsmacht: Die Position in noch offenen Verfahren stärkt sich erheblich.

Zwar kann das KBA noch Berufung einlegen, doch die unmittelbare Last ist von den Schultern des Managements genommen.

China-Sorgen bleiben bestehen

Während die Juristen feiern, mahnt CEO Ola Källenius zur Vorsicht im operativen Geschäft. Der wichtigste Einzelmarkt China bereitet weiterhin Kopfzerbrechen. Källenius fand deutliche Worte für die aktuelle Lage: Er erwartet keine schnelle Entspannung des brutalen Preiskampfes. Die "bereinigende Phase" im Fernen Osten werde andauern.

Die Strategie bleibt dennoch defensiv: Profitabilität vor Volumen. Mercedes will sich nicht um jeden Preis Marktanteile erkaufen, sondern die Margen schützen. Ob diese Rechnung im konjunkturellen Gegenwind aufgeht, bleibt die entscheidende Wette für die kommenden Quartale.

Charttechnik: Bullen bleiben am Drücker

Die Kombination aus juristischer Entlastung und strategischer Härte kommt am Markt gut an. Die Aktie zeigte sich zum Wochenausklang stabil und ging mit 58,15 Euro aus dem Handel.

Besonders technisch sendet das Papier positive Signale: Der Kurs hält sich wacker über dem 200-Tage-Durchschnitt von 53,80 Euro, was den langfristigen Aufwärtstrend untermauert. Auch der Abstand zum 52-Wochen-Tief von rund 23 Prozent zeigt, dass sich der Titel deutlich von den Tiefstständen gelöst hat. Nun richten sich alle Blicke auf die psychologisch wichtige Marke von 60 Euro – ein Ausbruch hierüber könnte die nächste Rallye zünden.

Das Urteil verschafft Luft, doch der wahre Test steht noch aus: Kann Mercedes die Luxusstrategie auch in einem stürmischen Marktumfeld profitabel durchsetzen? Die nächsten Jahreszahlen werden hierauf die Antwort liefern müssen.

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