Schwache Verkäufe, politische Risiken und trotzdem eine auffallend günstige Bewertung: Bei der Mercedes-Benz Aktie prallen derzeit gegensätzliche Signale aufeinander. Absatzrückgänge in wichtigen Märkten und neue US-Zolldrohungen treffen den Konzern mitten in einer strategischen Neuaufstellung. Spannend ist vor allem die Frage, ob der aktuelle Kursrückgang vor allem Risiko widerspiegelt – oder bereits eine Chance andeutet.

Absatzdruck und US-Zölle belasten

Das operative Umfeld ist deutlich rauer geworden. Im vierten Quartal 2025 sanken die Verkäufe im Pkw-Segment um 12 % auf 459.400 Fahrzeuge. Der Rückgang zieht sich durch zentrale Regionen, wenn auch in unterschiedlicher Intensität:

  • USA: 12 % Absatzrückgang im Gesamtjahr
  • China: 22 % Minus im Q4
  • Europa: weitgehend stabile Entwicklung

Auf Jahressicht lieferte der Konzern 2025 rund 2,16 Millionen Fahrzeuge aus – etwa 10 % weniger als im Vorjahr. Damit steht das Kerngeschäft im Premiumsegment klar unter Druck, vor allem wegen der Schwäche in China und einem schwierigeren US-Umfeld.

Zusätzliche Unsicherheit kommt aus Washington. Präsident Trump kündigte am 19. Januar Strafzölle von zunächst 10 % auf Importe aus Deutschland und weiteren europäischen Ländern an, mit einer geplanten Erhöhung auf 25 % ab Juni 2026. Für Mercedes, das in den USA eine wichtige Absatzregion hat, könnten sich Margen und Wettbewerbsposition dort spürbar eintrüben. Entsprechend reagierte der Markt: Am Tag der Ankündigung verlor die Aktie rund 2,5 bis 3 %.

Kursentwicklung: Korrektur nach Hoch

Die jüngsten Belastungsfaktoren spiegeln sich im Chart wider. Am Freitag schloss die Aktie bei 58,30 Euro, ein Tagesminus von 0,87 %. In den letzten 30 Tagen summiert sich der Rückgang auf rund 16,7 %, womit ein Großteil der vorangegangenen Erholung wieder abgegeben wurde.

Im größeren Bild bleibt das Bild gemischt:

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  • Abstand zum 52‑Wochen-Hoch bei 70,10 Euro: etwa -16,8 %
  • Abstand zum 52‑Wochen-Tief bei 47,05 Euro: knapp +24 %
  • 50‑Tage-Durchschnitt: 60,38 Euro (Aktie leicht darunter)
  • 200‑Tage-Durchschnitt: 54,86 Euro (Aktie noch darüber)

Der 14-Tage-RSI liegt mit 36,3 im unteren neutralen Bereich und signalisiert eine fortgesetzte Schwächephase, ohne dass der Titel technisch klar überverkauft wäre. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 70 % zeigt, wie nervös der Handel zuletzt lief.

Bewertung und Kapitalrückführung

Trotz der operativen Gegenwinde bewegt sich die Bewertung auf einem sehr niedrigen Niveau. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei rund 9 und damit deutlich unter dem Branchendurchschnitt von 18,6. Intern wird ein fairer Wert von etwa 12,5 KGV-Multiples unterstellt, was auf eine gewisse Diskrepanz zwischen Marktpreis und Bewertungsansatz hinweist.

Auffällige Kennzahlen zur Bewertung und Ausschüttung:

  • KGV: ca. 9x
  • Branchen-KGV: ca. 18,6x
  • Dividendenrendite: rund 7,3 %

Parallel dazu läuft ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm, das im November 2025 gestartet wurde. Bis Mitte Januar 2026 wurden bereits 7.116.122 Aktien eingezogen. Allein in der Woche vom 12. bis 16. Januar kamen weitere 708.121 Stück hinzu. Damit setzt das Management ein deutliches Signal, dass es den aktuellen Kurs für attraktiv hält und gleichzeitig die Anzahl ausstehender Aktien reduziert.

Produktoffensive und Markenstärke

Operativ versucht Mercedes, den Gegenwind mit einer breiten Produktoffensive zu kontern. Der neue CLA wurde zum „Car of the Year 2026“ gewählt – ein Prestigeerfolg in einem umkämpften Segment. Der Konzern spricht für dieses Jahr vom größten Produkt- und Technologie-Launch-Programm seiner Geschichte.

Kurz vor einem weiteren Highlight: Am 29. Januar steht das Facelift der S‑Klasse an, einem Kernmodell für Marke und Marge. Gleichzeitig sorgt die Motorsport-Sparte für zusätzliche Aufmerksamkeit: Das Formel‑1‑Team absolvierte am 22. Januar den ersten Tracktest des neuen W17 in Silverstone. Begleitet wird dies von einem neuen Sponsoring-Deal mit Microsoft, der laut Branchenkreisen rund 60 Millionen US‑Dollar pro Jahr wert sein könnte. Solche Partnerschaften stärken Reichweite und Markenimage, auch wenn sie kurzfristig die Absatzschwäche nicht ausgleichen.

Ausblick bis zu den Quartalszahlen

Kurzfristig dürften vor allem zwei Themen die Kursentwicklung bestimmen: die drohenden US-Strafzölle und die schwache Nachfrage in China. Der Markt blickt daher gespannt auf die anstehenden Quartalszahlen, die für den 11. Februar 2026 terminiert sind. Dann wird sich zeigen, wie stark sich die Absatzrückgänge in den Ergebnissen niederschlagen und ob das Management den Ausblick anpasst.

Aktuell liegt das durchschnittliche Analystenkursziel bei 63,49 Euro, was ausgehend vom aktuellen Niveau einem Aufwärtsspielraum im einstelligen Prozentbereich entspricht. Entscheidend wird sein, ob Mercedes mit der Produktoffensive und der konsequenten Kapitalrückführung genügend Vertrauen zurückgewinnen kann, um den jüngsten Kursrückgang in eine nachhaltige Stabilisierung zu drehen.

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