Lufthansa Aktie: Trotzige Zurückhaltung?
Tarifkonflikt am Boden, Verzögerungen in der Premiumkabine in der Luft: Die Lufthansa steht zu Wochenbeginn gleich an zwei Fronten unter Druck. Höhere Personalkosten und entgangene Erlöse im Langstreckengeschäft treffen einen Konzern, der sich ohnehin in einer Phase der Konsolidierung befindet. Wie schwer wiegen diese Risiken für die weitere Entwicklung der Aktie?
Tarifverhandlungen erhöhen Kostendruck
Im Mittelpunkt steht der Auftakt der Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi für rund 20.000 Beschäftigte im Bodenpersonal. Die Forderungen fallen deutlich aus und zielen sowohl auf prozentuale als auch absolute Erhöhungen ab.
Die zentralen Punkte:
- Gehaltsplus von 6 Prozent
- Zusätzlicher Festbetrag von 250 Euro monatlich für untere Lohngruppen
- Kurze Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten
Diese Kombination aus prozentualer Erhöhung, sozialem Ausgleich für niedrigere Einkommen und kurzer Laufzeit könnte zu einem wiederkehrend hohen Anpassungsdruck führen. Marktbeobachter sehen darin ein spürbares Risiko für die Margen, insbesondere wenn es zu einem teuren Abschluss oder zu Warnstreiks kommt.
Anleger reagieren entsprechend vorsichtig: Die Aktie gab im Tagesverlauf moderat nach und schloss heute bei 8,40 Euro, leicht unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 8,46 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt der Kurs aber immer noch gut 40 Prozent im Plus und damit deutlich über dem 52-Wochen-Tief von 5,80 Euro.
Barclays wird skeptischer – Premiumsegment bremst
Neben den Tarifgesprächen setzt eine Herabstufung durch Barclays zusätzliche Akzente. Die britische Investmentbank senkte die Einstufung der Lufthansa-Aktie von „Equal Weight“ auf „Underweight“. Im Fokus steht dabei vor allem das Premiumgeschäft auf der Langstrecke.
Konkret geht es um die neue „Allegris“-Business-Class für die Boeing-787-Flotte. Deren Einführung verzögert sich, weil die US-Luftfahrtbehörde FAA die nötige Zulassung nun erst für April 2026 erwartet. Bis dahin bleiben auf den betroffenen Flugzeugen 24 von 28 Business-Class-Sitzen unverkäuflich. Das schränkt die Erlösmöglichkeiten im besonders margenstarken Segment deutlich ein und verlängert eine Phase, in der die Flotte nicht optimal genutzt werden kann.
Diese operative Einschränkung trifft den Konzern in einem Umfeld, in dem Premiumkunden und Langstreckenverbindungen eine wichtige Rolle für die Profitabilität spielen.
Gemischtes Bild im Branchen- und Marktumfeld
Die aktuelle Nachrichtenlage reiht sich in eine ohnehin komplexe Ausgangssituation ein. Operativ hat sich die Stabilität im Konzern zuletzt verbessert, gleichzeitig bleibt das Umfeld anspruchsvoll.
Einige Eckpunkte:
- Die Aktie notiert rund 17 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 10,20 Euro
- Seit Jahresanfang liegt der Titel leicht im Minus
- Der RSI von 45,2 signalisiert aktuell weder Überkauf- noch Überverkauft-Situation
- Die 200-Tage-Linie bei 7,60 Euro verläuft deutlich unter dem aktuellen Kurs und zeigt den übergeordneten Aufwärtstrend
Zusätzlich wirken geopolitische Faktoren belastend. So wurden Nachtflüge nach Tel Aviv bis mindestens Ende Januar ausgesetzt, was die Flexibilität in der Flugplanung mindert und die Netzplanung erschwert.
Analystenseitig ergibt sich ein uneinheitliches Bild: Während Barclays klar skeptischer wird, bleiben andere Häuser zurückhaltender. Deutsche Bank Research belässt die Einstufung bei „Hold“, Bernstein Research sieht ein „Market-Perform“-Profil. Das unterstreicht die Unsicherheit darüber, wie gut steigende Kosten und operative Hürden am Ende aufgefangen werden können.
Ausblick: Verhandlungen, Premiumzulassung und Charttechnik
In den kommenden Wochen dürfte der Fortgang der Tarifverhandlungen in Frankfurt den Takt vorgeben. Eine zügige Einigung mit moderatem Kostenanstieg könnte die Lage beruhigen. Verzögerungen oder Eskalationen mit Streiks würden dagegen das operative Risiko klar erhöhen.
Auf der Erlösseite richtet sich der Blick auf April 2026. Gelingt dann wie geplant die Zulassung der neuen Allegris-Kabinen durch die FAA, könnte die Lufthansa auf den betroffenen Boeing-787-Langstrecken ihre volle Business-Class-Kapazität von 28 Sitzen je Maschine vermarkten und damit das Premiumsegment stärken.
Charttechnisch bleibt der Bereich um den 50-Tage-Durchschnitt bei 8,46 Euro kurzfristig eine wichtige Marke. Solange der Kurs nur knapp darunter pendelt und die deutlich tiefer verlaufende 200-Tage-Linie intakt bleibt, dominiert das Bild einer konsolidierenden Aktie innerhalb eines übergeordneten Aufwärtstrends.
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