Lufthansa Aktie: Tarifrisiken wachsen
Die Lufthansa startet mit Gegenwind ins neue Jahr. Gleich mehrere Tarifkonflikte und eine technische Verzögerung bei Premium-Sitzen bremsen die Fantasie, während Analysten beim Kurspotenzial deutlich auseinanderliegen. Entscheidend wird nun, ob das Management die wachsenden Arbeitsmarktrisiken vor der Sommerreisesaison einfangen kann.
Tarifrunde mit Verdi: Friedenspflicht läuft aus
Seit dem 19. Januar verhandelt Lufthansa in Frankfurt mit Verdi über neue Tarifverträge für rund 20.000 Bodenbeschäftigte in mehr als 20 Konzerngesellschaften. Die Gewerkschaft verlangt sechs Prozent mehr Gehalt, mindestens jedoch 250 Euro monatlich für die unteren Lohngruppen. Verdi-Verhandlungsführer Marvin Reschinsky stellt sich auf „durchaus schwierige Verhandlungen“ ein.
Betroffen sind zentrale Bereiche des Konzerns: Check-in, Kundenbetreuung, Flugzeugwartung und Administration – inklusive Einheiten wie Lufthansa Technik und Lufthansa Cargo. Damit steht ein großer Teil der betrieblichen Infrastruktur auf dem Spiel, sollte der Konflikt eskalieren.
Noch gilt die vertragliche Friedenspflicht bis Mitte Februar. Erst danach wären Warnstreiks oder andere Arbeitskampfmaßnahmen zulässig. In der letzten Tarifrunde vor rund zwei Jahren kam es bereits zu mehreren mehrtägigen Warnstreiks, die erst durch ein Schlichtungsverfahren beendet wurden – ein Szenario, das Anleger nicht vergessen haben.
Zuspitzung bei City Airlines
Zusätzlich belastet der Konflikt bei der Tochter City Airlines das Bild. Dort brach Verdi am 21. Januar die Tarifverhandlungen ab, nachdem die Arbeitgeberseite ein wochenlang bestehendes Angebot zur Vergütungserhöhung wieder vom Tisch nahm. Über 500 Beschäftigte sind betroffen.
Die Gewerkschaft wirft dem Unternehmen vor, Termine mehrfach abgesagt oder unzureichend vorbereitet zu haben. Für Investoren verstärkt das den Eindruck, dass die Arbeitsbeziehungen im Konzern an mehreren Stellen angespannt sind – mit entsprechendem Risiko für Störungen im Flugbetrieb.
Analysten gespalten: Von Underweight bis Top-Pick
Parallel zu den Tarifrisiken liefern die großen Investmentbanken ein gemischtes Bild. Während einige Institute Verbesserungen im operativen Geschäft sehen, warnen andere explizit vor den Arbeitsmarktrisiken.
Die wichtigsten Punkte im Überblick:
- BofA Securities hebt das Rating von „Underperform“ auf „Neutral“
- Barclays stuft von „Equal Weight“ auf „Underweight“ ab, Kursziel 7,80 Euro
- Bernstein bleibt bei „Market-Perform“ mit Kursziel 7,75 Euro
- Morgan Stanley sieht Lufthansa als Top-Pick im europäischen Transportsektor 2026
BofA Securities begründet das Upgrade vom 19. Januar mit einer stärkeren Performance auf Transatlantikrouten, einer Erholung im Geschäftsreiseverkehr und geringeren Belastungen durch Flugausfälle. Die EBIT-Prognose für 2026 wurde um 3 Prozent auf 2,247 Milliarden Euro angehoben.
Auf der Gegenseite steht Barclays: Analyst Andrew Lobbenberg senkte am 14. Januar das Rating auf „Underweight“ und sieht „exzessiven Optimismus“ bei Netzwerk-Airlines. Besonders kritisch bewertet er die Arbeitsmarktrisiken und hält das Streikrisiko bei Piloten für höher, als es der Markt aktuell einpreist. Bernstein Research bestätigt mit einem Kursziel von 7,75 Euro zwar nur „Market-Perform“, verweist aber zugleich auf solide Nachfrage auf Nordatlantikstrecken und eine günstige Entwicklung der Treibstoffkosten.
Ein klar positives Signal kam bereits am 7. Januar von Morgan Stanley: Die Bank stufte auf „Overweight“ hoch und erklärte Lufthansa zum Top-Pick im europäischen Transportsektor für 2026. Damit steht eine ausgesprochen optimistische Sicht gegen zwei defensivere Einschätzungen.
Verzögerung bei Allegris-Sitzen: Premiumerlöse in der Warteschleife
Zusätzlichen Druck erzeugt ein technisches Detail mit finanzieller Wirkung: Die Einführung der neuen Allegris-Business-Class-Sitze auf den Boeing 787 Dreamlinern verzögert sich weiter. Nach Informationen von Bloomberg könnte sich die FAA-Zertifizierung nun bis Ende Juni hinziehen, nachdem ursprünglich eine Genehmigung bis Ende April angestrebt war.
Die Konsequenz: Auf den betroffenen Maschinen können 24 von 28 Business-Class-Sitzen weiterhin nicht verkauft werden. In einer Phase, in der immer mehr Passagiere in die vordere Kabine upgraden, ist das ein teurer Engpass. Die Verzögerung trifft ausgerechnet den margenstarken Premiumbereich und schmälert damit mögliche Ertragszuwächse im Langstreckengeschäft.
Kursbild und Ausblick: Volatilität voraus?
Trotz des Rückgangs am Freitag auf 8,80 Euro (minus 1,89 Prozent) liegt die Aktie auf Jahressicht weiterhin deutlich im Plus. Mit einem Anstieg von rund 45 Prozent über zwölf Monate und einem Abstand von knapp 52 Prozent zum 52-Wochen-Tief bei 5,80 Euro zeigt der Titel, dass sich die Marktstimmung gegenüber dem Konzern zuletzt spürbar aufgehellt hat.
Charttechnisch notiert die Aktie über den wichtigen gleitenden Durchschnitten: Der Schlusskurs liegt rund 3 Prozent über dem 50-Tage- und gut 15 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Der 14-Tage-RSI von 45,2 signalisiert ein neutrales Momentum, also weder überkauft noch überverkauft. Gleichzeitig deutet eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 80 Prozent auf kräftige Schwankungen hin – ein Umfeld, das durch Tarifschlagzeilen leicht angeheizt werden kann.
Der nächste klare Orientierungspunkt ist der 6. März: Dann legt der Konzern den Geschäftsbericht 2025 vor. Aktuell rechnen Analysten im Schnitt mit einem Gewinn je Aktie von 1,07 Euro für 2025 und einem Anstieg auf 1,25 Euro für 2026. Zusammen mit dem Auslaufen der Friedenspflicht Mitte Februar zeichnet sich damit ein doppelter Test für die Aktie ab: Gelingt es Lufthansa, sowohl bei den Tarifrunden als auch bei den Zahlen überzeugende Lösungen zu präsentieren, kann der positive Trend bestätigt werden – bleiben Einigungen oder Fortschritte aus, drohen erneut stärkere Ausschläge nach unten.
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