Hundert Jahre Lufthansa – doch statt großer Feierlaune dominiert zum Jahresauftakt 2026 ein anderer Termin den Blick der Investoren: die Tarifrunde mit Verdi am 19. Januar. Zwischen Jubiläumsmarketing und harten Lohnforderungen steht der Konzern vor einem Spannungsfeld, das auch den Aktienkurs in Bewegung bringen dürfte. Wie robust ist die aktuelle Erholung, wenn der Arbeitskampf eskaliert?

Ausgangslage am Markt

Die Lufthansa-Aktie hat die erste Handelswoche 2026 mit einem Plus beendet und schloss am Freitag bei 8,58 Euro, rund 2 Prozent höher als am Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Rückgang von knapp 13 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass Anleger die anstehenden Belastungsfaktoren bereits einpreisen.

Im größeren Bild zeigt sich ein anderes Bild: Auf Zwölfmonatssicht liegt der Titel rund 40 Prozent im Plus. Mit einem Abstand von gut 15 Prozent zum 52‑Wochen‑Hoch bei 10,20 Euro und einem RSI von 45,2 wirkt die Aktie derzeit weder überhitzt noch stark überverkauft. Sie pendelt leicht oberhalb der gleitenden Durchschnitte der vergangenen 50, 100 und 200 Tage – ein typisches Muster für eine abwartende Marktphase.

Wichtige Kennzahlen im Überblick:

  • Schlusskurs Freitag: 8,58 Euro
  • Veränderung Freitag: +2,09 %
  • Veränderung 7 Tage: -12,74 %
  • Veränderung 12 Monate: +39,50 %
  • Abstand zum 52‑Wochen‑Hoch: -15,86 %
  • Abstand zum 52‑Wochen‑Tief: +53,20 %

100 Jahre Lufthansa: Symbolik statt Kursimpuls

Am Dienstag, den 6. Januar 2026, jährt sich die Gründung der ursprünglichen „Deutsche Luft Hansa AG“ zum 100. Mal. Das Management verlegt die großen Feierlichkeiten zwar in den April, nutzt das Datum aber dennoch für eine sichtbare Image-Offensive.

Ein Dreamliner vom Typ Boeing 787‑9 wird mit einer speziellen Jubiläumslackierung „1926 | 2026“ als fliegender Botschafter eingesetzt. Solche Maßnahmen sollen die Marke emotional stärken und im stark umkämpften Luftverkehr positive Akzente setzen. Für den kurzfristigen Aktienkurs bleibt der Effekt jedoch begrenzt – zumal der Kalender nur zwei Wochen später ein deutlich brisanteres Ereignis bereithält.

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Tarifrunde mit Verdi: Konfliktpotenzial steigt

Im Zentrum der Kursfantasie für das erste Quartal steht die anstehende Tarifrunde mit dem Bodenpersonal. Verdi geht mit klar formulierten Forderungen in die Verhandlungen, die am 19. Januar 2026 beginnen:

  • Erhöhung der Tabellenentgelte um 6 Prozent
  • zusätzlicher Sockelbetrag von mindestens 250 Euro pro Monat
  • Laufzeit des Tarifvertrags: 12 Monate

Diese Forderungen treffen auf einen Konzern, der parallel ein Effizienzprogramm mit dem Namen „Turnaround“ umsetzt. Rund 4.000 Stellen in der Verwaltung stehen dabei auf dem Prüfstand, um die Kostenbasis zu senken und die Profitabilität der Kernmarke zu steigern.

Die Konstellation ist damit klar: Auf der einen Seite der Druck zur Kostensenkung, auf der anderen Seite höhere Personalausgaben. Gelingt in den Januar-Gesprächen keine rasche Annäherung, sind Streiks bis hin zu spürbaren Einschränkungen im Flugbetrieb eine naheliegende Folge. Solche Arbeitskampfmaßnahmen würden nicht nur operative Abläufe treffen, sondern auch den Aktienkurs belasten – vor allem nach der jüngsten, noch fragilen Erholung.

Strategischer Fortschritt: ITA und Star Alliance

Neben den tarifpolitischen Risiken gibt es jedoch auch strukturelle Lichtblicke. Die Integration der italienischen ITA Airways schreitet voran. Nach der Übernahme von 41 Prozent der Anteile durch die Lufthansa Group steht nun ein wichtiger Schritt an: Der Beitritt von ITA zur Star Alliance ist für Anfang 2026 vorgesehen.

Für den Konzern und damit indirekt auch für die Aktie ergeben sich daraus mehrere potenzielle Vorteile:

  1. Erweitertes Streckennetz: ITA bringt etwa 360 tägliche Flüge in das Netzwerk des Airline-Bündnisses ein.
  2. Stärkere Hubs in Italien: Rom und Mailand werden enger in das bestehende Drehkreuzsystem eingebunden.
  3. Synergieeffekte: Die engere Verzahnung verspricht langfristig Effizienzgewinne, die im aktuellen Kurs nach heutigem Stand nicht vollständig reflektiert erscheinen.

Diese positiven Strukturimpulse wirken eher mittel- bis langfristig und können kurzfristige Belastungen durch Tarifkonflikte nicht sofort ausgleichen, schaffen aber eine solidere Basis für künftiges Wachstum.

Fazit: Entscheidende Wochen im Januar

Die Lufthansa-Aktie befindet sich zum Jahresauftakt in einer abwartenden Phase: Das Jubiläum sorgt für positive Schlagzeilen, entscheidend für die weitere Kursentwicklung dürften aber die Tarifverhandlungen ab dem 19. Januar sein. Kommt es dort zu einer konstruktiven Verständigung ohne größere Streikwellen, könnte die aktuelle Kursbasis um 8,50 Euro als Fundament für eine erneute Annäherung an das 52‑Wochen‑Hoch dienen. Scheitert der Auftakt dagegen und führt in der Folge zu umfangreichen Arbeitskämpfen, wäre eine erneute Korrektur trotz der grundsätzlich verbesserten Fundamentaldaten ein plausibles Szenario.

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