Ein kräftiger Jahresauftakt, Rückenwind aus Washington und volle Auftragsbücher: Leonardo startet mit hohem Tempo ins Börsenjahr 2026. Der italienische Rüstungskonzern profitiert von einer breiten Sektor-Rally und von der Aussicht auf deutlich steigende Verteidigungsetats. Wie viel davon ist bereits im Kurs eingepreist?

Sektor-Rally dank US-Budgetplänen

Auslöser der jüngsten Kursdynamik im Verteidigungssektor war der 8. Januar: US-Präsident Donald Trump forderte für das Haushaltsjahr 2027 ein Militärbudget von 1,5 Billionen US‑Dollar. Die Aussicht auf einen so starken Anstieg der Rüstungsausgaben löste weltweit eine Neubewertung von Defence-Werten aus.

Leonardo legte am Tag der Ankündigung zeitweise um mehr als 4 % zu und schloss den Handel mit einem Plus von 2,7 %. Der Markt setzt darauf, dass höhere Budgets nicht nur in den USA, sondern auch bei NATO-Partnern direkt in zusätzliche Beschaffungen münden. Als einer der größten europäischen Rüstungskonzerne könnte Leonardo auf zwei Ebenen profitieren: in Europa über das Stammgeschäft und in den USA über die Tochter Leonardo DRS.

Parallel dazu stützen geopolitische Spannungen die Nachfrage nach Defence-Titeln. Militärische Operationen der USA in Venezuela und neue Diskussionen über die strategische Kontrolle über Grönland haben zum Jahresbeginn 2026 die Bedeutung militärischer Fähigkeiten erneut in den Fokus gerückt. Im Fahrwasser von Wettbewerbern wie Rheinmetall, BAE Systems und Saab zog auch Leonardo deutlich an.

Per Wochenschluss markierte die Aktie ein frisches 52‑Wochen-Hoch und liegt auf Sicht von zwölf Monaten rund 150 % im Plus – ein Hinweis, wie stark der Markt inzwischen auf ein dauerhaft hohes Verteidigungsniveau setzt.

Führungwechsel bei Leonardo DRS

Zum 1. Januar 2026 hat Leonardo die bereits angekündigte Führungsübergabe bei der US-Tochter Leonardo DRS vollzogen. John Baylouny übernahm den Posten als President und CEO von William J. Lynn III, der nach 14 Jahren an der Spitze in den Ruhestand ging.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Leonardo?

Baylouny arbeitet seit über 35 Jahren für das Unternehmen und war seit 2018 als Chief Operating Officer tätig. Damit setzt Leonardo DRS auf Kontinuität im Management. Gleichzeitig rückt Frances Fragos Townsend zur Chairwoman des Board of Directors auf; sie gehört dem Gremium bereits seit 2009 an.

Leonardo hält 80,5 % an DRS. Die US-Tochter steuerte 2024 einen Umsatz von 3,2 Mrd. US‑Dollar bei, nach 2,8 Mrd. US‑Dollar im Vorjahr. Besonders in den Bereichen Sensorik, vernetzte Rechnerarchitekturen und Verteidigungstechnologien gilt DRS als Wachstumstreiber im Konzernverbund. Der stabile Ausbau dieses Geschäfts stärkt Leonardos Position im strategisch wichtigen US-Markt.

Analysten heben Kursziele an

Auch die Sell-Side hat ihre Modelle an die verbesserte Lage angepasst. In den vergangenen Wochen kam es gleich zu mehreren Anhebungen von Kurszielen:

  • UBS bestätigte am 9. Januar ihr „Hold“-Votum, erhöhte das Kursziel jedoch deutlich von 52,50 auf 60 Euro.
  • Bernstein SocGen Group blieb am 6. Januar bei „Outperform“ und hob das Ziel von 55 auf 60 Euro an.
  • JPMorgan hatte bereits im Dezember ein „Overweight“-Rating mit Kursziel 63 Euro ausgesprochen.
  • AlphaValue/Baader Europe stufte die Aktie am 9. Januar zwar auf „Reduce“ ab, schraubte das Kursziel aber trotzdem von 60,10 auf 62 Euro nach oben.

Im Schnitt liegt das 12‑Monats-Kursziel der Analysten bei 56,53 Euro, die Spanne reicht von 40 bis 65 Euro. Die Mehrheit der Experten bleibt bei Kaufempfehlungen. Dass selbst vorsichtigere Häuser ihre Zielmarken anheben, unterstreicht die Wahrnehmung eines strukturell stärkeren Umfelds für Rüstungsunternehmen, auch wenn die Bewertungen bereits anspruchsvoll sind.

Starke Zahlen und optimistischer Ausblick

Operativ lieferte Leonardo im November mit den Neunmonatszahlen 2025 Argumente für den jüngsten Bewertungsaufschlag. Das Management um CEO Roberto Cingolani zeigte sich zuversichtlich, die Jahresziele zu übertreffen, und erhöhte die Prognose für den Auftragseingang spürbar: Statt bislang rund 21 Mrd. Euro peilt der Konzern nun 22,25 bis 22,75 Mrd. Euro an. Hintergrund ist der Abschluss mehrerer größerer Verträge.

Die Analystenschätzungen spiegeln diese Dynamik wider:

  • Für 2025 wird ein Umsatz von 19,18 Mrd. Euro erwartet.
  • Beim Gewinn je Aktie rechnen die Experten mit 1,94 Euro.
  • Für 2026 liegt der Konsens bei 20,85 Mrd. Euro Umsatz, was einem Plus von 8,7 % entspräche.
  • Das EPS soll auf 2,25 Euro steigen, ein Zuwachs von rund 16 %.

Damit traut der Markt Leonardo zu, das Wachstumstempo im kommenden Jahr noch einmal zu erhöhen. Treiber sind neben dem klassischen Rüstungsgeschäft auch Bereiche wie Elektronik, Cyber-Sicherheit und Raumfahrt, die von höheren Verteidigungsbudgets und technologischer Aufrüstung gleichermaßen profitieren.

Fazit und nächste Termine

Leonardo geht mit klarer Wachstumsstory, gut gefüllten Auftragsbüchern und frischer Managementaufstellung in die nächsten Monate. Die Aktie handelt derzeit auf Rekordniveau und mit einem KGV von rund 32 auf Basis der vergangenen zwölf Monate – ein Aufpreis, den der Markt für solide Perspektiven im Verteidigungssektor zahlt. Der nächste konkrete Prüfstein steht bereits fest: Am 5. März 2026 legt das Unternehmen die vollständigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 vor und muss dann zeigen, ob der aktuelle Optimismus und die hohen Erwartungen an Umsatz- und Ergebnissteigerungen tatsächlich gerechtfertigt sind.

Leonardo-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Leonardo-Analyse vom 11. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Leonardo-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Leonardo-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Leonardo: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...