Die Finanzaufsicht BaFin weitet ihre Prüfung aus, der Jahresabschluss lässt bis Juni auf sich warten und Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe belasten die Bücher. Um sich aus dieser massiven Krise zu manövrieren, greift das Management von Gerresheimer nun zu drastischen Mitteln und stellt die US-Tochter Centor ins Schaufenster.

Bilanz-Chaos und verschobene Termine

Der Ursprung der Misere liegt in systematisch zu früh erfassten Umsätzen aus sogenannten Bill-and-Hold-Vereinbarungen. Diese Verstöße gegen IFRS-Vorschriften rufen die BaFin auf den Plan, die ihre Untersuchungen auf die Zwischenabschlüsse bis Ende Mai 2025 ausgeweitet hat. Parallel durchleuchten die Prüfer von KPMG und Grant Thornton die Bücher. Die Konsequenz dieser Aufarbeitung spiegelt sich im Kursverlauf wider: Auf Sicht von zwölf Monaten hat das Papier drastische 72,4 Prozent an Wert verloren und notiert aktuell bei 20,70 Euro.

Aufgrund der intensiven Prüfungen musste das Unternehmen den gesamten Finanzkalender umwerfen. Der testierte Jahresabschluss für 2025 wird erst für Juni 2026 erwartet, was automatisch die Verschiebung der Hauptversammlung sowie der Quartalsmitteilung für das erste Quartal nach sich zieht.

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Harter Schnitt und Verkaufsprozess

Um die angespannte finanzielle Lage zu stabilisieren, leitet das Management einen harten Sanierungskurs ein. Mithilfe der mandatierten Investmentbank Morgan Stanley soll die auf Medikamentenverpackungen spezialisierte US-Tochter Centor Inc. noch in diesem Jahr veräußert werden.

Gleichzeitig räumt das Unternehmen intern auf. Nicht-zahlungswirksame Wertminderungen in Höhe von 220 bis 240 Millionen Euro belasten das Ergebnis schwer. Diese Summe resultiert primär aus Technologieprojekten der Sensile Medical AG sowie der geplanten Schließung des Moulded-Glass-Werks in Chicago Heights bis Ende 2026. Die dortige US-Produktion wandert künftig nach Italien und Indien.

Zwischen Klagedrohung und Einstiegschance

Während der Aktionärsschutzverband DSW rechtliche Schritte und Schadensersatzansprüche gegen den früheren Vorstand prüfen lässt, werten andere Akteure das stark gefallene Kursniveau offenbar als Gelegenheit. Institutionelle Adressen wie der CastleKnight Master Fund und Deka Investment haben zuletzt neue Positionen aufgebaut.

Der Erfolg der Sanierungsstrategie hängt nun maßgeblich von den laufenden Gesprächen mit den Gläubigern ab. Das Unternehmen muss eine Fristverlängerung für die Einreichung des Jahresabschlusses aushandeln, um nicht gegen bestehende Finanzierungsvereinbarungen zu verstoßen. Der für Juni 2026 angekündigte testierte Bericht wird der entscheidende Gradmesser sein, ob der vom Management prognostizierte Umsatz von bis zu 2,4 Milliarden Euro für das laufende Jahr ein realistisches Fundament besitzt.

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