Der Pharmaverpackungsspezialist Gerresheimer kämpft mit der schwersten Unternehmenskrise der jüngeren Geschichte. Eine verschobene Bilanzvorlage, parallele Ermittlungen der Finanzaufsicht BaFin und drohende Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe zeichnen ein düsteres Bild. Interne Richtlinienverletzungen bei der Umsatzrealisierung zwingen den Vorstand nun zu drastischen Schritten.

Sonderprüfungen und BaFin-Ermittlungen

Auslöser der aktuellen Lage ist eine Ad-hoc-Meldung vom vergangenen Dienstag. Das Unternehmen kann den testierten Jahresabschluss für 2025 nicht wie geplant Ende März vorlegen. Eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft führt derzeit eine Sonderuntersuchung zu Geschäftsvorgängen der Jahre 2024 und 2025 durch. Laut Management haben einzelne Mitarbeiter Bilanzierungsvorschriften verletzt, was vor allem die Bewertung von Vorräten betrifft.

Parallel dazu hat die BaFin ihre Prüfungen massiv ausgeweitet und nimmt nun auch die Monate von Dezember 2024 bis Mai 2025 unter die Lupe. Im Zentrum des Verdachts stehen sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen, bei denen Umsätze vor der tatsächlichen Warenauslieferung verbucht wurden. Die finanziellen Folgen dieser Praxis schlagen voll auf die Prognosen durch. Gerresheimer rechnet nun mit Wertminderungen von bis zu 240 Millionen Euro, primär bei Töchtern in der Schweiz und den USA. Die angepeilte operative Marge (EBITDA) sinkt auf 16,5 bis 17,5 Prozent.

SDAX-Rauswurf und Kursverfall

Die Verzögerung der Bilanzvorlage hat weitreichende Konsequenzen für den Kapitalmarkt. Ein Ausschluss aus dem SDAX steht unmittelbar bevor, da die strengen Transparenzanforderungen der Deutschen Börse verletzt wurden. Indexfonds müssen den Titel in diesem Szenario zwingend abstoßen. Die Reaktion der Anleger fällt entsprechend heftig aus: Am Freitag ging das Papier bei lediglich 17,56 Euro aus dem Handel. Damit hat sich der Kurs seit dem 52-Wochen-Hoch von über 80 Euro im März 2025 um rund 78 Prozent pulverisiert. Allein seit Jahresbeginn steht ein Minus von fast 37 Prozent auf der Anzeigetafel.

Um die stark belastete Bilanz zu stützen, plant der Vorstand den Verkauf der margenstarken US-Tochter Centor. Gleichzeitig muss das Management mit den Kreditgebern über eine Fristverlängerung verhandeln, um einen Bruch der Kreditbedingungen (Covenants) abzuwenden. Die operative Unsicherheit ruft derweil Leerverkäufer auf den Plan, die ihre Short-Positionen zuletzt weiter ausgebaut haben.

Der gesamte Finanzkalender für das laufende Jahr verschiebt sich infolge der Sonderuntersuchungen:
* Jahresabschluss 2025: Verschoben auf voraussichtlich Juni 2026.
* Quartalsmitteilung Q1/2026: Ursprünglicher Termin am 16. April gestrichen.
* Ordentliche Hauptversammlung: Geplantes Datum am 3. Juni abgesagt.

Der nächste entscheidende Termin für das Unternehmen fällt nun in den Juni 2026, wenn der testierte Jahresabschluss endgültig vorliegen soll. Für das angelaufene Geschäftsjahr prognostiziert der Konzern einen Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro sowie eine Margenverbesserung im zweiten Halbjahr. Ohne eine offizielle Entlastung durch die Wirtschaftsprüfer und den Abschluss der BaFin-Ermittlungen bleibt eine fundamentale Neubewertung der Aktie jedoch vorerst blockiert.

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