Verschobener Jahresabschluss, zwei laufende BaFin-Prüfungen, drohende Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro — Gerresheimer steckt in einer der schwersten Krisen seiner jüngeren Geschichte. Per Ad-hoc-Meldung vom 10. März 2026 räumte der Pharmaverpackungsspezialist ein, den testierten Jahresabschluss für 2025 nicht wie geplant bis Ende März vorlegen zu können. Frühestens im Juni soll er folgen.

Auslöser der Verzögerung ist eine laufende Sonderuntersuchung durch eine zweite externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die Geschäftsvorgänge der Jahre 2024 und 2025 unter die Lupe nimmt. Sie dauert länger als erwartet — und damit gerät der gesamte Zeitplan ins Rutschen.

BaFin ermittelt auf breiter Front

Die Finanzaufsicht BaFin hat gleich zwei Prüfverfahren eingeleitet. Eines betrifft die konsolidierten Zwischenabschlüsse für den Zeitraum Dezember 2024 bis Mai 2025, das andere ist eine Ausweitung einer bereits laufenden Ad-hoc-Prüfung zum Abschluss per November 2024 — jeweils mit dem Vorwurf konkreter Verstöße gegen Bilanzierungsvorschriften.

Der Kern des Problems: Ende 2025 hatte Gerresheimer eingeräumt, dass Mitarbeiter Umsätze verbucht hatten, bevor die Ware tatsächlich ausgeliefert war. Zusätzlich stehen möglicherweise falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro sowie aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro im Fokus der Prüfer.

Abschreibungen, Indexausschluss, Covenant-Risiken

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Die finanziellen Konsequenzen nehmen Konturen an. Potenzielle Abschreibungen — vor allem auf die Schweizer Tochter Sensile Medical und einen Standort in Chicago — summieren sich auf 220 bis 240 Millionen Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge 2025 wird die Zielvorgaben verfehlen, beim Gewinn je Aktie droht ein zweistelliger Einbruch, ein Verlust ist nicht ausgeschlossen. Zur Bilanzentlastung plant Gerresheimer den Verkauf der US-Tochter Centor — was die Ertragskraft jedoch weiter schwächen dürfte.

Parallel laufen Gespräche mit Kreditgebern über eine Verlängerung der Fristen zur Vorlage des testierten Abschlusses. Werden diese Fristen formal gerissen, könnten Banken Vertragsrechte ziehen. Wie flexibel sich die Gläubiger zeigen, ist offen.

Auch der SDAX-Ausschluss droht: Die Deutsche Börse dürfte die Aktie aus dem Index nehmen, was Indexfonds zu Umschichtungen zwingt und zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugt. Die Quartalsmitteilung für Q1 2026, ursprünglich für den 16. April angesetzt, sowie die Hauptversammlung vom 3. Juni wurden ebenfalls verschoben.

Der Aktienkurs spiegelt das Ausmaß der Krise wider: Seit dem 52-Wochen-Hoch bei 80,55 Euro im März 2025 hat das Papier rund 78 Prozent verloren. Am 11. März erhöhte ein bekannter Hedgefonds seine Short-Position auf 0,62 Prozent des Aktienkapitals — ein Zeichen wachsender Skepsis.

Der nächste belastbare Datenpunkt ist die geplante Vorlage des Jahresabschlusses im Juni 2026. Bis dahin hängt die Neubewertung des Unternehmens maßgeblich davon ab, wie die BaFin-Prüfungen ausgehen und ob die Bankverhandlungen zu einer einvernehmlichen Lösung führen.

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